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MV aktuell Lange Schlangen und genervte Passagiere im Seehafen Rostock
Nachrichten MV aktuell Lange Schlangen und genervte Passagiere im Seehafen Rostock
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00:00 08.06.2017
Rostock

Sieger Waegner ist gereizt. Seit fast drei Stunden steht er in der Autoschlange vor der Fähre „Copenhagen“ im Rostocker Seehafen. „Keiner kann uns sagen, wie es weitergeht. Auf meine Nachfrage, ob wir bleiben oder lieber den Landweg nehmen sollen, hieß es nur: ,Das bleibt Ihnen überlassen’“, berichtet der 75-Jährige aus Bayern, der mit seiner Ehefrau zum Jazz-Festival im dänischen Hillerød will. Doch solange die „Copenhagen“ nach der Terrordrohung nicht gründlich durchsucht ist, bleibt sie am Liegeplatz vertäut.

Die Warteschlangen am Fährterminal werden unterdessen immer länger: Nach der Abfahrt um 13 Uhr fällt auch die um 15 Uhr aus. So langsam trudeln jetzt die Passagiere ein, die um 17 Uhr fahren wollen. Die Mitarbeiter der Fährreederei Scandlines öffnen zusätzliche Fahrspuren, damit überhaupt alle Fahrzeuge aufs Terminal passen.

Dann fährt ein weiteres Auto vor, dessen Insassen gelbe Warnwesten tragen. Hoffnungsvolle Blicke richten sich auf sie, als sie auf die Wartenden zugehen. Doch statt der heiß ersehnten Informationen, wie es nun weitergehen soll, haben sie nur Gutscheine für heißen Kaffee dabei. Die können die Passagiere im Bordrestaurant einlösen – wenn sie denn irgendwann an Bord kommen. Auch die riesigen Anzeigetafeln helfen nicht wirklich weiter. Darauf steht noch „30 Minuten Verspätung“ für die Fähre „Berlin“, dabei liegt die zu diesem Zeitpunkt im dänischen Gedser fest.

Walter Krannich aus dem thüringischen Böhlen ist aus seinem Wohnmobil ausgestiegen, um mehr zu erfahren. „Uns wurde gesagt, die Terrordrohung sei vorbei“, wundert er sich. Der 34-Jährige will zu einer Forstmesse nach Schweden. Ein mulmiges Gefühl sei es schon, nach einem Bombenalarm mit der Fähre zu fahren, meint er. „Ich bin bei der Feuerwehr, da haben wir genau für solche Fälle geübt.“

Andererseits mache er sich keine große Sorgen, wenn die Polizei die Fähre erst einmal wieder freigebe: „Wenn in Deutschland grünes Licht gegeben wird, dann ist es auch sicher.“

Sicherheit vermitteln die zahlreichen Polizisten allerdings nicht gerade: Ihnen ist anzusehen, dass auch sie nicht genau wissen, was los ist. Immer wieder fahren Polizeiautos in Richtung Fähre und wieder zurück, Bundespolizisten beraten sich mit ihren Kollegen von Landes- und Wasserschutzpolizei – und wirken dabei doch recht ratlos.

Agnes W. aus Nürnberg, die ihren kompletten Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist wütend: „Es ist schon erschreckend, dass es hier fast keine Sicherheitsmaßnahmen gibt. Es wäre schon gut, wenn es in so einer Situation mehr Polizeipräsenz gäbe und wenigstens die Pässe kontrolliert würden.“

Die 37-Jährige will mit ihrem Partner noch bis nach Norwegen. „Ich fühle mich nicht wirklich sicher“, sagt Agnes W. „Wer weiß, was in den ganzen Lkw drin ist, da kann man sich ja die schlimmsten Szenarien ausmalen. Hier hat man doch einfachsten Zugang und kann vielen Menschen schaden.“

Für Rostock war es gestern bereits der zweite Bombenalarm: Nach einer anonymen Drohung wurden zwei Standorte einer Telekommunikationsfirma geräumt und durchsucht. 450 Mitarbeiter standen auf der Straße, bis nach gut zwei Stunden Entwarnung gegeben werden konnte.

Axel Büssem

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