Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell „Es gab keinen Fortbildungskurs A 20“
Nachrichten MV aktuell „Es gab keinen Fortbildungskurs A 20“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 08.11.2018
Bürgermeister Hartmut Kolschewski an der Umleitungsstrecke in Langsdorf Quelle: Frank Söllner
Langsdorf

Einen Vorteil hatte das A-20-Loch für Hartmut Kolschewski: „Die Gemeinde ist zusammengerückt“, findet der 64-Jährige. Kolschewski muss es wissen: Er ist seit 1994 Bürgermeister von Langsdorf. Jenes Ortes, der international durch die Blechlawine bekannt wurde, die sich seit einem Jahr durch seine Hauptstraße wälzt. Seit die Autobahn A 20 im Herbst 2017 absackte und gesperrt werden musste, dient das kleine Langsdorf als Umleitungsstrecke für täglich Tausende Autos und Lkw. Und Kolschewski ist das Gesicht der Bürger, die darunter leiden.

Zwar scheint das Ärgste hinter den Langsdorfern zu liegen: Die Urlaubssaison ist vorbei, so dass wenigstens keine Touristenmassen mehr durch das Dorf rollen. Und der Bau der Behelfsbrücke über die A 20, die dem Spuk ein Ende bereiten soll, schreitet voran. Doch Kolschewski tut heute noch das, was er die ganzen vergangenen zwölf Monate getan hat: Er legt den Finger in die Wunde: „Es ist spürbar nicht weniger geworden. Wir haben immer noch von Donnerstagnachmittag bis Montag früh Stau.“

Klappern gehört für den früheren Mathe- und Physiklehrer zum Geschäft. „Ich habe von den Einwohnern den Auftrag, unser Anliegen so oft wie möglich in die Öffentlichkeit zu tragen.“ Alleine mehr als 60 Fernsehauftritte bei allen großen deutschen TV-Sendern hatte er seit dem A-20-Desaster. Und das hat sich gelohnt, findet er: „Die Aufmerksamkeit war Gold wert. Ich glaube nicht, dass wir ohne die öffentliche Aufmerksamkeit so viele Verbesserungen durchgesetzt hätten.“

So wurde nach den auch medial vorgetragenen Protesten der Bürger die Geschwindigkeit auf der Umleitungsstrecke im Dorf auf 30 km/h begrenzt und ein Blitzer aufgestellt. Als durch die Presse ging, dass sich Staugeplagte mit schwacher Blase mitten im Dorf erleichtern, wurden eigens entworfene „Wildpinkler“- Verbotsschilder aufgestellt – die es dann prompt wieder in die Gazetten schafften. Zudem bekommt die Gemeinde quasi als Wiedergutmachung für die Belastungen einen Radweg. Für den Fall, dass der so erzeugte Druck auf die Behörden nicht ausgereicht hätte, lag laut Kolschewski schon ein Plan B bereit: „Wir wollten mit langsam fahrenden Treckern die Straße blockieren“, verrät er.

Zu solch drastischen Maßnahmen kam es jedoch nicht, auch dank Kolschewskis diplomatischen Geschicks, „Es ist schwer, immer die Balance zu finden zwischen dem, was die Bürger wünschen und dem, was möglich ist.“ So hätten sich viele Einwohner angesichts der „Wildpinkler“ Klohäuschen an der Strecke gewünscht. Dies sei aber nicht möglich gewesen, erklärt der Bürgermeister, der dafür viel Kritik geerntet hatte. „Da war ich plötzlich der Feind.“

Insgesamt jedoch habe das A-20-Loch den Zusammenhalt in der Gemeinde Lindholz gestärkt, betont Kolschewski. Zur Gemeinde gehören neben Langsdorf auch die Orte Breesen und Böhlendorf, die ebenfalls unter der Umleitung zu leiden hatten. „Es gab ein gemeinsames Problem, das uns verbunden hat“, sagt der 64-Jährige. Schon zu Beginn der Krise hätten Vertreter der einzelnen Ortsteile deutlich gemacht, dass man sich gegenseitig unterstützen würde.

An Kolschewski ist das alles nicht spurlos vorbeigegangen. „Der Zeitaufwand für mein Amt hat sich drastisch erhöht. Und es gab keinen Fortbildungskurs A 20.“ Nahezu rund um die Uhr sei er für die Bürger erreichbar. „Das ist ein bisschen wie bei einem Dorfpfarrer. Ich höre mir alles an. egal, ob es konkrete Anliegen sind oder ob sich jemand einfach nur mal aussprechen möchte.“ Zwischendurch kamen auch Zweifel auf, etwa als der Bau einer alternativen Umleitung unter anderem an Umweltschutzauflagen scheiterte. „Es war schon bedrückend zu erleben, dass ein Vogelschutzgebiet wichtiger ist als das Wohl der Bürger.“

Ein Ausgleich ist für Kolschewski ist solchen Momenten seine Imkerei. 20 Bienenvölker betreut er. „Wenn ich bei den Bienen bin, bleibt das Handy auch mal zwei Stunden lang aus.“ Und nicht zuletzt gebe ihm seine Ehefrau Rückhalt: „Sie hat kein einziges Mal gefragt, warum ich jetzt schon wieder los muss.“ Im kommenden Jahr möchte Kolschewski erneut als Bürgermeister kandidieren. „Ich will noch erleben, dass der Verkehr aus dem Ort raus ist, der Radweg gebaut wird und alle Folgeschäden beseitigt sind.“

Axel Büssem

29 Jahre nach dem Mauerfall stehe MV gut da, findet die Regierungskoalition, die Wirtschaft sieht sich im Aufwind. Kritiker pochen auf eine Lösung der massive sozialen Probleme.

09.11.2018

Thomas P., der in der Silvester-Nacht den historischen Borwin-Brunnen in Güstrow mit einem Böller beschädigt haben soll, wird zugleich auch der Handel mit Rauschgift vorgeworfen. Es bestehe „ein Anfangsverdacht“, bestätigt Oberstaatsanwalt Harald Nowack gegenüber der Ostsee-Zeitung.

08.11.2018

250 000 Lego-Steine und 1000 Gesellschaftsspiele stehen am Wochenende für die Besucher der Messe Spielidee in Rostock bereit.

08.11.2018