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Legale Droge aus dem Internet: Erster Todesfall im Nordosten

Bützow Legale Droge aus dem Internet: Erster Todesfall im Nordosten

29-jähriger Häftling stirbt in der JVA Bützow nach Konsum von „Spice“ / Laut Suchtexperten ist die Droge in MV weit verbreitet / Der Bund plant ein Verbot

Bützow. Einsamer Tod in der Zelle: Ein 29-jähriger Häftling der Justizvollzugsanstalt Bützow (Landkreis Rostock) starb nach dem Konsum einer sogenannten Räuchermischung. Die früher unter dem Namen „Spice“ verkaufte Droge zählt zu den Legal Highs – Rauschmitteln, die nicht verboten sind, aber trotzdem extrem gefährlich. Der verstorbene Häftling ist der erste bekannt gewordene Todesfall durch Legal Highs in Mecklenburg-Vorpommern. Allein 2015 starben bundesweit 39 Personen daran.

 

OZ-Bild

Sieht aus wie harmlose Kräuter, steckt aber voll giftiger Chemie: eine Tüte mit Legal Highs.

Quelle: dpa

Das seit 2009 in Deutschland verbotene Spice zählt zu den künstlich hergestellten Cannabinoiden. Die Wirkung soll der von Cannabis (Marihuana, Hasch) ähneln. Das Verbot unterlaufen die Hersteller mit einer winzigen Änderung des chemischen Aufbaus – wird ein Stoff aus dem Verkehr gezogen, kommt sofort ein leicht geänderter, der noch nicht illegal ist. Aktuelle Spice-Varianten werden in bunten Tüten als Räuchermischung oder unter Fantasienamen verkauft. Andere Legal Highs nennen sich Waschmittel oder Badesalz und simulieren die Wirkung von Amphetamin (Speed) Legal Highs sind ein riesiges Problem, meint Janet Nachtigall von der Suchtberatungsstelle der Caritas in Rostock. Vor allem jugendliche Kiffer würden oft auf die Räuchermischung umsteigen – um einer Strafverfolgung zu entgehen oder um Versorgungsengpässe zu überbrücken. Laut Nachtigall werden die Drogen in zwei sogenannten Headshops in Rostock offen verkauft, im Internet finden sich Dutzende deutschsprachige Anbieter. Die Klienten der Beratungsstelle berichteten von Panikattacken und Herzrasen, es gebe jede Woche ein bis zwei neue Fälle.

Das Bundeskabinett verabschiedete vergangene Woche den Entwurf für ein Gesetz, das Legal Highs aus dem Verkehr ziehen soll. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will ganze Stoffgruppen verbieten, um so das Katz- und Mausspiel zwischen Gesetzgeber und den meist in Asien sitzenden Herstellern zu beenden. „Das kann ich nur begrüßen“, sagt Suchtexpertin Nachtigall.

Die Meinungen gehen aber auseinander: Der Rostocker Bundestagsabgeordnete Harald Terpe (Grüne), suchtpolitischer Sprecher seiner Fraktion, glaubt nicht an einen Erfolg. Das Katz- und Mausspiel werde durch ein Stoffgruppenverbot noch verschärft. Terpe: „Es werden neue Substanzen auftauchen, die von dem Verbot nicht erfasst sind.“

Auch Willem Hamdorf, Chefarzt an der AHG-Suchtklinik in Rehna, ist skeptisch. Die Hersteller seien professionell genug, um das Gesetz mit neuen Kreationen umgehen zu können. Fast alle seiner durchschnittlich 65 Patienten haben Erfahrungen mit Legal Highs gemacht. Manche der asiatischen Hersteller bieten nach seinen Angaben im Internet bereits den reinen Wirkstoff an, in Kilo-Eimern.

Der gestorbene Bützower Häftling verbüßte eine anderthalbjährige Haftstrafe wegen Raubes, im Juni wäre er entlassen worden. Er starb bereits im Januar, die Ermittlung der Ursache dauerte bis jetzt.

Laut Justizministerium gab es seit Anfang 2015 in den Gefängnissen von MV elf Verdachtsfälle auf den Konsum von Legal Highs. Der Stoff ist hinter Gittern verboten. Drogen jeder Art sind im Knast Alltag: Erst im Oktober wurde bekannt, dass ein Mitglied der Hells Angels aus seiner Zelle in großem Stil Drogengeschäfte organisiert haben soll.

Lebensgefährliche Tütchen

70 deutschsprachige Internetshops verkaufen sogenannte Legal Highs. Hersteller und Verkäufer dieser Drogen umgehen ein Verbot, indem sie jedes Mal die chemische Struktur ihres Stoffs geringfügig verändern, sobald er in die Verbotsliste des Betäubungsmittelgesetzes aufgenommen wird. Durch ein eigenes Gesetz für die „neuen psychoaktiven Substanzen“, auch NPS genannt, will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die bunten Tütchen mit dem lebensgefährlichen Inhalt endgültig aus dem Verkehr ziehen.

Gerald Kleine Wördemann

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