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Leise, luxuriös – und sehr teuer

Wustrow Leise, luxuriös – und sehr teuer

Fazit nach einer Woche E-Auto: Schöner Wagen, zu hoher Kaufpreis und ein löcheriges Ladenetz in MV

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Bei strahlendem Wetter zogen die beiden E-Auto-Tester Jörg und Angelika Westphal (beide 54) gestern am Wustrower Hafen Bilanz.

Quelle: Foto: Virginie Wolfram

Wustrow. Mit einem leisen Surren fährt Jörg Westphal vom Hof seines Kapitänshauses in Wustrow (Vorpommern-Rügen). „Heute früh war ich mit dem Auto meiner Frau Brötchen holen und da habe ich mich richtig erschrocken, wie laut der ist. Das liegt daran, dass ich mich schon so an den fast lautlosen E-Golf gewöhnt habe.“

 

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Wie praxistauglich sind E-Autos wirklich? Diese Frage wollen wir in Kooperation mit VW beantworten. Die Leser von zehn Tageszeitungen testen eine Woche lang zehn mit Strom betriebene Golf, die von VW zur Verfügung gestellt wurden. Über die Erfahrungen unserer Leser berichten wir täglich.

Eine Woche lang hat Familie Westphal das Elektro-Auto getestet. Gestern wurde Bilanz gezogen. Kurz zusammengefasst: Der Wagen ist, was Ausstattung und Fahrkomfort betrifft, hervorragend. Aber der Preis ist zu hoch, die Reichweite noch ausbaufähig und das Ladenetz in MV zu lückenhaft. Für den Stadtverkehr seien die Autos ideal, über Land noch schwierig, findet Angelika Westphal, die als Krankenschwester arbeitet.

Das Auto ist schön, aber teuer

„Es war ein interessanter Test und eine gute Erfahrung“, resümiert Seenotretter Jörg Westphal. Als Zweitwagen für seine Frau, die vor allem kurze, geplante Strecken fährt, würde der Wagen infrage kommen. „Aber nicht für den Preis.“ 35999 Euro für die Basisversion. Mit der üppigen Ausstattung des Testwagens – unter anderem Fahrerassistenz-Paket und LEDs, spezielles Soundsystem, Schnellladefunktion und Rückfahrkamera – ist der Käufer bei 44204 Euro. Abgezogen werden noch 4000 Euro, die der Staat derzeit als Förderprämie für E-Autos zuschießt.

Zehn Jahre steuerfrei

Die Westphals sagen, sie seien bereit, 20000 bis 25000 Euro für ein Elektroauto auszugeben. „Denn wenn man es schafft, dass mehr Stromer auf den Straßen unterwegs sind, hätten wir weniger belastete Luft in den Innenstädten“, ist der 54-Jährige überzeugt.

Die Kosten sind für viele interessierte Autokäufer ein Problem, sagt auch der ADAC. Wer einen Stromer kauft, fährt zwar zehn Jahre steuerfrei und soll künftig möglichst von Sonderparkplätzen, niedrigeren Parkgebühren und Busspuren profitieren. „Elektro-

Autos sind jedoch auch mit der Kaufprämie häufig nicht rentabel“, sagt Hans Duschl vom ADAC Hansa. Bei den Kosten pro Kilometer sind die E-Modelle größtenteils immer noch teurer als vergleichbare Diesel oder Benziner. Das ist das Ergebnis eines ADAC-Autokostenvergleichs 2016. Unter die Lupe genommen hat der Automobilclub die E-Modelle von elf Herstellern. Trotz der Förderprämie fahren laut ADAC nur zwei von zwölf E-Autos günstiger: der Mercedes B 250e und der Kia Soul EV.

Lückenhaftes Ladenetz

Hinzu kommt die Ladesituation. In MV gibt es laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft lediglich 78 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Das Positive: Viele sind noch kostenlos. Das Negative: Unterschiedliche Steckerarten und Abrechnungswege erschweren den Fahrern das Nutzen der Säulen. Und: Die meisten bieten keine Schnellladefunktion, so dass die Wagen Stunden brauchen, um die Akkus vollzuladen. Andere Städte, wie Hannover oder Leipzig, haben bereits Supermärkte, die kostenloses Laden während des Einkaufs anbieten. „Es dauert zu lange und ist manchmal auch zu umständlich.

Das kostet viel Zeit“, sagt Angelika Westphal. Ihr Mann fügt hinzu: „Und wenn es ein Schnellladen gibt, zahlt man deutlich mehr.“ Im Rostocker Stadtteil Lütten Klein hätte er 15 Euro für eine Stunde Stromladen (mit einer Leistung von 50 kW/h) gezahlt. Das wären bei seinem Test-E-Golf pro 100 Kilometer etwa zehn Euro gewesen. Mehr als bei seinem Diesel mit etwa 6,30 Euro pro 100 Kilometer.

Günstiges Akkuladen zu Hause

Wenn Jörg Westphal das Elektro-

Auto hingegen nachts über Stunden zu Hause in der Garage lädt, wird es deutlich günstiger. Mithilfe eines Messgerätes hat er gestern einen Strompreis von drei Euro auf 100 Kilometer errechnet. „Das ist sehr günstig“, sagt er.

Was die Reichweite des E-Golfs von bis zu maximal 300 Kilometern betrifft, sagt Motorradfreund Westphal: „Die Reichweite könnte besser sein, ist aber okay, wenn man genau weiß, dass man beispielsweise nur zur Arbeit fährt.“ Auch mit dem Motorrad lege er bei Touren nach 250 Kilometern einen Stopp an der Tankstelle ein. Solche Ausflüge seien mit dem Stromer wegen der wenigen Lademöglichkeiten allerdings schwierig.

Die meisten Pluspunkte konnte das Auto bei den OZ-Testern in Sachen Fahrkomfort sammeln. Das sehr leise, emissionslose Fahren sowie das „super LED-Licht“ und die moderne Ausstattung überzeugten das Ehepaar auf ganzer Linie. „Auf ein Elektro-Auto würde ich umsteigen, wenn es mehr finanzielle Anreize und Ladestationen im Land gäbe, der Kaufpreis günstiger und die Reichweite ausgedehnt würde“, bilanziert der Wustrower.

Wie das Gesamtfazit des großen E-Golf-Tests mit den Einzelauswertungen der zehn Tester aller beteiligten Zeitungen lautet, lesen Sie am 3. Juni in der OZ.

Virginie Wolfram

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Angelika und Jörg Westphal aus Wustrow starteten am Wochenende zum E-Golf-Test.

Angelika und Jörg Westphal starteten am Wochenende zum E-Golf-Test. Ihnen gefiel auf Anhieb das fehlende Motorgeräusch und die Innenraumgestaltung. Das Ehepaar machte sich aber Gedanken über die beschränkte Reichweite.

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