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Linke: „Regierung presst Schulen aus wie eine Zitrone“

Schwerin Linke: „Regierung presst Schulen aus wie eine Zitrone“

Zu wenig Lehrerstunden bei steigender Schülerzahl / Auch Gewerkschaft warnt

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Lehrer in MV haben immer weniger Zeit für den einzelnen Schüler. Besonders betroffen sind Regionale Schulen und Grundschulen.

Quelle: Foto: Fotolia

Schwerin. Schweres Geschütz fährt die Linke im Landtag gegen das Bildungsministerium auf: Die Unterrichtsstunden für Lehrer an öffentlichen Schulen des Landes könnten mit den steigenden Schülerzahlen nicht Schritt halten. „Statt einer Bildungs- fährt die Landesregierung eine Sparoffensive“, erklärt Fraktionschefin Simone Oldenburg. Die öffentlichen Schulen würden „ausgepresst wie eine Zitrone“. Das Ministerium weist dies zurück.

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Zu wenig Lehrerstunden bei steigender Schülerzahl / Auch Gewerkschaft warnt

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„„Die Landesregierung fährt statt einer Bildungs- eine Sparoffensive. Die Schulen werden ausgepresst“.Simone Oldenburg,

Linke-Fraktion

Die Diskussion um fehlende Lehrerstellen ist nicht neu. Seit Jahren fordert die Linke mehr Engagement des Ministeriums. Das wiederum verweist auf Erfolge bei der Neueinstellung von Lehrern. Oldenburg hat jetzt über die Stundenzahl, die jeder Schule für Lehrerpersonal zur Verfügung gestellt wird, nachgerechnet. Ergebnis: Während sich die Zahl der Schüler an Grund-, Regional-, Förder- und Gesamtschulen sowie Gymnasien landesweit insgesamt von 2013 bis heute erheblich erhöht hat (von 122403 auf 130 227), blieb die Zahl der Lehrerstunden im Verhältnis stark zurück. Im Schuljahr 2013/14 waren es nach Angaben des Ministeriums 200 819, im auslaufenden 204529. Rechnet man die Schülerzahl dagegen, sank die Zahl der zugewiesenen Lehrerstunden je Woche und Schüler binnen vier Jahren von 1,64 auf 1,57.

Für Oldenburg ein Unding. Denn damit seien den Schulen in MV rund 280 Lehrerstellen entzogen worden, Kostenersparnis: 21 Millionen Euro jährlich. Ihre Rechnung: Jeder Lehrer hat 27 Wochenstunden, eine Stelle koste insgesamt etwa 75 000 Euro im Jahr. Da eine verbindliche Regelung zur Stundenzuweisung fehle, sei „der Willkür Tür und Tor geöffnet“, so Oldenburg. Sie fordert eine Erhöhung der Lehrerstunden – mit klaren Verwendungsregeln.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) MV kritisiert die Praxis der Stundenzuweisung an Schulen. Laut Verordnung werde der Bedarf nämlich anhand alter Schülerzahlen ermittelt.

„Allerdings sind fixe Budgets naturgemäß wenig flexibel und reagieren eben nicht auf Wachstum“, moniert GEW-Vorsitzende Annett Lindner. Heißt: Kommen mehr Schüler als zuvor, wissen das die Schulen zwar,

haben aber dennoch weiterhin weniger Unterrichtsstunden. In der Praxis führe dies dazu, „dass Schulleitungen den Mangel lediglich früher verwalten können“. Lehrer beklagten zudem die Intransparenz des Verfahrens. Immer wieder sei zu hören, „dass die Stundenzuweisung nicht auskömmlich ist“.

Das Bildungsministerium dagegen verweist auf 600 zusätzliche Lehrerstellen seit dem Schuljahr 2013/14. „Die Berechnungen von Frau Oldenburg können wir nicht nachvollziehen“, erklärt Sprecherin Weike Bandlow. Durch das 50-Millionen-Paket für Schulen, beschlossen von der SPD/CDU-Koalition, stehe den Schulen zudem seit 2014/15 mehr Geld zur Verfügung.

Laut Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) verfügen die Schulen über genügend Geld. Auf die Frage, warum bei den wichtigsten politischen Themen der SPD/CDU-Koalition für 2018 und 2019 Bildung nicht genannt werde, antwortete er: Dort sei genügend Geld vorhanden, das wisse er aus seiner Zeit als Bildungsminister. „Er weiß offenbar genau, wo Geld rausgepresst werden konnte und wo es künftig rausgepresst werden kann“, kommentiert Simone Oldenburg.

Tausende Unterrichtsstunden weniger an den Schulen

130 227

Schüler gab es laut Bildungsministerium landesweit zu Beginn des laufenden Schuljahres an öffentlichen Schulen, 2013/14 waren es 122403. Berücksichtigt sind alle Schulformen.

Die Zahl der zugewiesenen Lehrer-Stunden für den Grundbedarf stieg im gleichen Zeitraum von 200819 auf 204529. Damit sank die Quote der Lehrerstunden je Schüler und Woche von 1,64 auf 1,57. Heißt: Jeder Lehrer hat messbar weniger Zeit für den einzelnen Schüler.

Vom Rückgang der Lehrerstunden besonders betroffen sind laut Linke Regionale Schulen (minus 3563 Stunden/Woche) und Grundschulen (minus 2334).

Frank Pubantz

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