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Loch auf A 20: Die Suche nach den Salzstangen

Tribsees Loch auf A 20: Die Suche nach den Salzstangen

Obwohl an der Trebel seit Wochen nach der Ursache für den A 20-Kollaps gebohrt wird, gibt es bisher kaum Erkenntnisse.

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Bagger bestimmen derzeit das Bild auf der A 20 an der Stelle, wo die neue Behelfsauffahrt auf die Autobahn führen soll.

Quelle: Christian Rödel

Tribsees. Während täglich tausende Autos zumindest langsam über die provisorische Umleitung rollen, geht die Suche nach der Ursache für den Abrutsch der A 20 ins Moor an der Trebel kaum voran. Bisher ist es dem von der Bundesregierung mit der Untersuchung beauftragten Stralsunder Bohrunternehmen „Vormann & Partner“ nicht gelungen, eine der 60- bis 80 000 Säulen zu bergen, auf denen die Autobahn gegründet ist. Dies teilte das Verkehrsministerium des Landes auf Anfrage der OZ mit.

 

Mehr Geschwindigkeitskontrollen auf der Umleitung

Die A 20 war am 9. Oktober in der Nähe der Abfahrt Tribsees zunächst auf einer Länge von 40 Metern in sich zusammengesackt, wodurch besonders Vorpommern verkehrstechnisch ein Stück weit lahmgelegt worden ist.

Seit dem „Grundbruch“, wie die beauftragten Baugrundgutachter den Vorfall nennen, laufen die Untersuchungen vor Ort auf Hochtouren. Ziel der Gutachter ist es, eine der tausenden Säulen zu finden und nach zwölf Jahren wieder aus dem Moor zu ziehen, um Rückschlüsse auf die heutige Beschaffenheit dieses damals neuartigen Gründungssystems zu bekommen. Gelungen ist dies allerdings nicht. Entsprechend wenig wissen die zuständigen Behörden zur Ursache des A 20-Kollapses.

Zwei Theorien zum „Grundbruch“

Die Säulen, die aus Sand (75 Prozent) und Beton (25 Prozent) bestehen, sollten die Ostseeautobahn über eine Strecke von knapp einem Kilometer in einem Abstand zwischen 70 Zentimetern und 1,20 Meter auf dem moorigen Untergrund abstützen. Sie reichen bis zu 13 Meter in die Tiefe. Darüber liegt ein sogenanntes Geogitter, das die Last des Fahrbahndamms auf die einzelnen Säulen verteilt. Der Leiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Manfred Rathert, sprach angesichts dieser Konstruktion gegenüber dem Nordkurier von einer „Autobahn auf Salzstangen“. Zurzeit kursieren unter den Experten zwei Theorien. Einerseits könnte ein Teil der Säulen nach und nach gebrochen sein, andererseits sei es möglich, dass sich eine der Stützen schon vor Jahren durch Verschiebungen in dem Moor schräg gestellt und so weitere Säulen verdrängt habe. Für ein Durchströmungsmoor wie an der Trebel, das zudem vor Jahren aus Naturschutzgründen wieder vernässt worden ist, sei eine relativ große Dynamik typisch.

Ein erstes Gutachten zur Ursachenforschung liegt Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD) bereits vor. Das Papier kommt aber lediglich zu dem recht allgemeinen Ergebnis, dass das Gründungssystem versagt habe. Dies war dem Minister nicht genug, sodass das ihm unterstellte Landesamt für Straßenbau vier Tage nach dem Zusammenbruch der Autobahn ein Folgegutachten in Auftrag gegeben hat. Solange keine der Salzstangen untersucht worden ist, hält sich Pegel mit Spekulationen zurück. Liegen die Ergebnisse der Gutachter vor, werde auch „die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in die Ursachenforschung einbezogen, um auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse vor Ort Rückschlüsse auf die Ursache des Dammversagens zu schließen und gegebenenfalls Schlussfolgerungen für künftige Verfahren im Straßenbau zu ziehen“, betont Renate Gundlach, Pegels Sprecherin. Zudem werde die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen in die Auswertung eingebunden.

Wie dick sind nun die Säulen unter der Fahrbahn?

Ein Streitpunkt ist nach wie vor der Durchmesser der Säulen. Während die Autobahn-Projektgesellschaft Deges, unter deren Regie die A 20 gebaut wurde, behauptet, dass die beauftragte Baufirma die Säulen freiwillig dicker, nämlich mit einem Durchmesser von 18 bis 22 Zentimeter ausgeführt hätte als genehmigt, heißt es in einer von Pegel verbreiteten Bauzeichnung, die der OZ vorliegt, dass der Durchmesser lediglich 15 Zentimeter betrage. Diesen Wert hatte die Deges zunächst ebenfalls genannt, ihn aber später überraschend nach oben korrigiert, ohne belastbare Quellen dafür zu nennen. Ein Grund für die Korrektur könnte die Angst der Projektgesellschaft vor einem Gerichtsprozess um mögliche Haftungsansprüche sein. Zwar seien Regressfragen aus heutiger Sicht obsolet, wie Ministeriumssprecherin Gundlach betont. Aber: „Sollten sich durch die noch ausstehenden Untersuchungen eindeutige Hinweise auf Mängel bei der Planung und/oder dem Bau der A 20 ergeben, wird aber geprüft werden, ob sich daraus Ansprüche ableiten und gegebenenfalls durchsetzen lassen.“

Vorpommern-Rügens Landrat Ralf Drescher (CDU) hat im Gespräch mit der OZ Geschwindigkeitskontrollen auf der Umleitung angekündigt, auf die der Verkehr von der A 20 heruntergeführt wird, solange die Autobahn voll gesperrt ist. Auf der Strecke über die Landesstraße 19 sowie durch die Ortschaften Langsdorf, Breesen und Böhlendorf gilt derzeit zur Sicherheit der Anwohner zum Teil eine Begrenzung von 30 Kilometern pro Stunde. Laut Drescher gebe es Indizien, dass diese Begrenzung zu oft nicht eingehalten werde, weshalb nun verstärkt Kontrollen erfolgen sollen. Zuvor hätten Verkehrszählungen des Kreises entsprechende Hinweise geliefert.

Benjamin Fischer

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