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MEK-Opfer fordert Hunderttausende Euro

Lutheran MEK-Opfer fordert Hunderttausende Euro

David A. kann nach missglücktem Polizeieinsatz Beruf nicht mehr ausüben / Er klagt auf Entschädigung

Lutheran. David A. (27), dem bei einem missglückten Polizeieinsatz in Lutheran ein Auge ausgeschossen wurde, zieht vor Gericht. „Wir fordern als Entschädigung einen hohen sechsstelligen Betrag“, kündigt A.s Anwalt Benjamin Richert an. Sein Mandant müsse mit einer dauerhaften Einschränkung leben, er könne seinen Beruf als Maler nicht mehr ausüben. Deshalb werde geklagt — gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern oder die Stadt Hamburg: „Je nachdem wer den Einsatz koordiniert hat.“ Das ist bislang noch nicht geklärt.

Am 12. Februar hatte das Hamburger Mobile Einsatzkommando in Lutheran (Ludwigslust-Parchim) Jagd auf den flüchtigen Zuhälter Nico S. (38), gemacht. Dabei wurde David A. mit der Kiez-Größe verwechselt. Ein Elite-Polizist schoss ihm in den Kopf. Elf Tage lag A. schwer verletzt im Koma, verlor sein rechtes Auge (die OZ berichtete). In Greifswald soll ihm in den nächsten Tagen ein bewegliches Implantat eingesetzt werden. „Ich fühle mich sehr schlecht, der Verlust meines Auges ist ein Drama“, sagt der junge Mann. Er hatte sich von Nico S.s Mutter den Wagen geliehen, um Bleche zu transportieren. In Lutheran sei er von zwei Autos eingekeilt und gerammt worden. Die Insassen seien vermummt auf ihn zugestürmt. „Er dachte, es wäre ein Überfall, er hat keine Polizeisymbole erkennen können“, erklärt sein Anwalt. Ob A. aus Angst Gas gegeben hat, ist unklar. Doch: „Er war nicht auf der Flucht, er wurde nicht gesucht“, gibt Richert zu bedenken.

Wie es zu dem Kopfschuss gekommen ist, versucht die Schweriner Staatsanwaltschaft weiterhin zu rekonstruieren. Heute soll der Beifahrer von David A. vernommen werden, er wurde bei dem Einsatz nicht verletzt. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt Staatsanwalt Stefan Urbanek. Auch eine Strafanzeige gegen Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) von Mecklenburg-Vorpommern werde geprüft. Sie sollen zwei Tage vor dem Zugriff in Lutheran drei unbescholtene Bauarbeiter mit vorgehaltenen Waffen in Plau am See auf den Boden gedrückt und gefesselt haben — ebenfalls auf der Jagd nach Nico S. Der 38-Jährige wollte sich spätestens in dieser Woche freiwillig stellen, hat es aber noch nicht getan. Er schlug einen Dieb fast tot und war zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. S.

trat die Haft aber nicht an.

2010 musste das Land Nordrhein-Westfalen an einen Fliesenleger 30 000 Euro Schmerzensgeld und eine sechsstellige Summe als Schadensersatz zahlen. Ein SEK hatte ihn in seinem Lieferwagen gestoppt, gefesselt und geschlagen — weil Nachbarn behaupteten, er würde Waffen besitzen. Das stimmte nicht. Kerstin Schröder

 



OZ

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Kurz nach dem Zugriff in Lutheran: Zivile Polizeiautos haben den Geländewagen, in dem David A. saß, eingekeilt.

David A. kann nach dem missglückten Polizeieinsatz in Lutheran (Ludwigslust-Parchim) seinen Beruf nicht mehr ausüben. Der 27-Jährige klagt auf Entschädigung.

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