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MV aktuell MV-Alleingang wegen Diplom – Wirtschaft warnt vor „Studium light“
Nachrichten MV aktuell MV-Alleingang wegen Diplom – Wirtschaft warnt vor „Studium light“
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Kritiker warnen vor Nachteilen für Studenten an Hochschulen in MV, wenn die Überprüfung von Qualitätsstandards aus dem Landesgesetz gestrichen wird. Quelle: dpa
Schwerin

Wird der Ruf von Absolventen der Hochschulen im Land künftig schlechter sein als der aus anderen Bundesländern? Das befürchten Kritiker einer geplanten Änderung des Landeshochschulgesetzes. Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) plant eine Streichung von Qualitätshürden im Gesetz. Grund für das Ausscheren: MV will neben dem Master- auch den Diplom-Titel als Abschluss beibehalten, was die anderen 15 Bundesländer jedoch ablehnen. Wirtschaft und Gewerkschaften warnen jetzt vor einem „Studium light“ und gravierenden Nachteilen auch für die Studenten.

Studiengänge an Hochschulen müssen sich derzeit einer sogenannten Akkreditierung unterziehen, einer Überprüfung vereinbarter Qualitätskriterien. Festgelegt ist die Pflicht im Hochschulgesetz MV. Scharfer Protest kommt aus der Wirtschaft. Die Akkreditierung von Studiengängen sei „eine der großen hochschulpolitischen Errungenschaften der letzten Jahre“, erklärt Ute Messmann, Geschäftsführerin der Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VUMV). Sie fördere Transparenz und sei Voraussetzung für die Mobilität der Studierenden. Die Vereinigung lehne „jede Form der Aufweichung“ ab, so Messmann. „Die Qualität des Hochschulstandortes MV wird damit in Frage gestellt.“ Leidtragende wären die Studenten und der Wirtschaftsstandort.

Probleme beim Studienwechsel

Das sehen andere Kritiker ähnlich. Beispiel: Will ein Bachelor-Absolvent zum Master-Studium in ein anderes Bundesland wechseln, könnte er Probleme geben, weil die MV-Standards nicht anerkannt seien. „Dann kommen womöglich nur die Studenten hierher, die es woanders gar nicht schaffen“, sagt ein Experte.

Auch Uwe Polkaehn, Chef des DGB Nord, warnt: „Die Folgen einer Insellösung für MV wären fatal.“ Setzt das Land den Gesetzentwurf um. „erschwert dieses Bundesland seinen Studierenden die Mobilität innerhalb Deutschlands und Europas“. Außerdem würden so Studenten aus dem Ausland und anderen Bundesländern abgeschreckt. Denn es käme „zu weitreichenden Problemen bei der Anerkennung von Studienleistungen und potenziell auch von Abschlüssen“, so Polkaehn. Besorgt ist auch Karsten Kolbe, hochschulpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag: „Landespolitische Alleingänge dürfen nicht dazu führen, dass Abschlüsse ,Made in MV' weniger wert sind oder von anderen Hochschulen nicht anerkannt werden.“

Ministerium weist Kritik zurück

Das Bildungsministerium weist Kritik zurück. Ja, um das den Titel „Diplom-Ingenieur“ zu retten, sei eine Änderung am Gesetz nötig, so Sprecher Henning Lipski. Bliebe die Pflicht im Landesgesetz, müssten Hochschulen beides – Diplom und Master – akkreditieren lassen. Man wolle „langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen“ vermeiden. „Einen Qualitätsverlust erwarten wir nicht“, so Lipski. Er verweist auf einen Staatsvertrag zum Thema, den auch MV ratifiziert hat. Ob künftig eine Akkreditierung erfolgt, „ist zukünftig den Hochschulen überlassen“.

Zweifel bleiben. So ganz sicher ist man sich auch nicht bei der Kultusministerkonferenz in Berlin. Es sei „davon auszugehen“, dass eine Streichung im MV-Gesetz „nichts ändert“, so Sprecher Torsten Heil. Allerdings könne man konkrete Auswirkungen erst nach Änderung des Gesetzes bewerten.

Auch bei der Hochschulrektorenkonferenz, der auch Rektoren von Hochschulen aus MV angehören, sieht man derzeit keinen Grund zur Sorge: Nach aktuellem Gesetzentwurf verpflichte MV seine Hochschulen, alle sieben Jahre die Qualität extern bewerten zu lassen und Ergebnisse zu veröffentlichen. „Damit haben die Hochschulen dieselben Kriterien anzuwenden und einzuhalten wie die Hochschulen in den anderen Bundesländern“, so Präsident Prof Peter-André Alt. „Insofern deutet sich im Moment nicht an, dass das Gesetz Anerkennungsprobleme verursachen wird.“

Das ist Kritikern zu wenig. Ihre Sorge: Wenn sich rumspreche, dass MV bei Hochschulbildung ausschert, wäre der Ruf bald ruiniert.

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