Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Vision: MV Werften wollen langfristig zwei Schiffe pro Jahr bauen
Nachrichten MV aktuell Vision: MV Werften wollen langfristig zwei Schiffe pro Jahr bauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:54 25.10.2018
MV Werften Wismar: Ein Arbeiter schweißt an einem Segment der Global Class. Quelle: Danny Gohlke
Wismar/Rostock

Mit Kreuzfahrtgeschäft in eine große Zukunft: MV-Werften-Geschäftsführer (CEO) Peter Fetten sieht für Mecklenburg-Vorpommern riesige Wachstumspotenziale in der weltweiten Cruise-Industrie. „Bereits jetzt haben wir Anrufe von Brokern, die mit potenziellen Kunden vorbeikommen wollen, um Schiffe in Auftrag zu geben“, sagt der 62-Jährige.

Die MV Werften seien mit den zwei Global-Class-Schiffen und zwei Expeditionsyachten an den Standorten Wismar, Rostock und Stralsund bis 2021 derzeit so gut ausgelastet, dass das Drittgeschäft nicht in Frage käme. „Aber ich sehe es als realistische Vision, dass wir mittelfristig auch Schiffe für Dritte bauen können“, sagt der CEO. Das wäre neu, denn bisher baut die Werftengruppe lediglich die Auftragsschiffe des Eigners, des malaysischen Genting-Konzerns.

Mitarbeiterzahl verdoppelt

Langfristig wolle das Unternehmen außerdem auch das Bauvolumen verdoppeln: Statt einem Schiff pro Jahr sollen zwei Kreuzliner jährlich gebaut werden, so Fetten. Die Mitarbeiterzahl habe sich bereits nahezu verdoppelt – auf knapp 2700 Menschen.

 

Werften-Konkurrenz aus China fürchtet der Geschäftsführer nicht. Weder bei Standards und Qualität noch beim umfangreichen Zulieferernetzwerk, das in Europa existiere, könnten die Chinesen den Vorsprung in den nächsten Jahren aufholen, glaubt der Kreuzfahrt-Experte.

Auch im Wirtschaftsministerium sieht man die Entwicklungen im Land positiv: „Der Kreuzfahrttourismus ist ein riesiger Markt mit enormen Wachstum. Er ist ein wichtiges wirtschaftliches und touristisches Segment, das in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren kontinuierlich wächst. Auch aufgrund der positiven Entwicklung unterstützen wir den Ausbau der Infrastruktur für den Kreuzfahrttourismus weiter“, sagt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Seit den 1990er Jahren seien 20,49 Millionen Euro vom Wirtschaftsministerium in den Ausbau der Häfen Rostock-Warnemünde und Wismar im Rahmen des Kreuzfahrttourismus geflossen.

In Stralsund bedeutet der derzeitige Aufschwung nach Jahren der Krise „sehr viel mehr als ein paar Tonnen Stahl“, sagt der Stralsunder Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU). Die Stralsunder Werft im Verbund der MV Werften sei eine der modernsten in Europa. „Und wenn das Unternehmen – über die „Crystal Endeavor“ Megayachten hinaus – auch langfristig plant, weiter zu wachsen, noch mehr Leute einzustellen und seine Auslastung nachhaltig zu gewährleisten, umso besser“, betont Badrow.

Mehr zum Thema:

OZ-Kommentar zu den MV-Werften

Interview mit den Geschäftsführern der MV-Werften

Ähnlich sieht es sein Wismarer Amtskollege Thomas Beyer (SPD): „Die Entwicklung der Werft ist ein großer Glücksfall für uns und es hat sich gezeigt, dass es sich gelohnt hat, immer klar zur Werft zu stehen, auch wenn viele das anders gesehen haben.“ Klar sei auch, dass dieser neue Trend bereits jetzt Veränderungen für die Hansestadt bedeute. So werde jetzt beispielsweise die Verkehrsinfrastruktur an die neuen Erfordernisse angepasst.

Als „ungeheuer wichtig für das Image des Landes und das Vertrauen in die Zuliefererindustrie“ bezeichnete Christine Grünewald, Leiterin des Rostocker IHK-Geschäftsbereiches Innovation und Maritime Wirtschaft, die positiven Signale. Die Effekte würden auch die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in MV spüren.

Für die Zulieferindustrie im Land ist das wachsende Kreuzfahrtgeschäft ebenfalls ein Gewinn. Der Umsatz im Schiffbau werde in naher Zukunft von 500 Millionen auf bis zu drei Milliarden Euro pro Jahr anwachsen, vor allem dank der Kreuzfahrtschiffe, die auf den MV-Werften entstehen, rechnete Thomas Kühmstedt, Vorsitzender des Kooperationsverbunds der maritimen Zulieferer Ric Maza MV, in einem früheren OZ-Gespräch vor.

Virginie Wolfram und Andreas Ebel