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MV rüstet auf: Zahl der Waffenbesitzer stark gestiegen

Rostock MV rüstet auf: Zahl der Waffenbesitzer stark gestiegen

Zehn Prozent mehr Waffenschein-Inhaber im Land als vor einem Jahr / In Rostock erwarten die Behörden sechsmal so viele Anträge wie 2015

Rostock. Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bewaffnen sich: Seit Jahresbeginn ist die Zahl der sogenannten kleinen Waffenscheine deutlich angestiegen. Im Landesdurchschnitt waren es fast zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Lizenz berechtigt zum Tragen etwa von Gas- oder Schreckschusspistolen.

In Schwerin stieg die Zahl der kleinen Waffenscheine im Vergleich zum Juni 2015 um rund 20 Prozent auf 279. Nicht alle Besitzer gehen mit ihren Waffen verantwortungsbewusst um: „In diesem Jahr wurden zwei Gewehre sowie Teleskopschlagstöcke, Messer, Anscheins- und Luftdruckwaffen eingezogen“, sagt eine Stadtsprecherin. Im Kreis Nordwestmecklenburg sind aktuell 635 kleine Waffenscheine vergeben, vor zwei Jahren waren es erst 456. Besonders drastisch ist die Zunahme im Landkreis Rostock: Hier hat sich die Zahl der kleinen Waffenscheine alleine in diesem Jahr fast verdoppelt. Noch stärker mit Waffen eingedeckt haben sich prozentual die Rostocker: Wurden 2015 gerade einmal 79 kleine Waffenscheine beantragt, waren es alleine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 249.

Hochgerechnet auf das ganze Jahr wären das sechs Mal so viele wie im Vorjahr.

Die Opferschutz-Organisation Weißer Ring warnt: „Die Bewaffnung der Bevölkerung ist keine Lösung“, sagt der Landesvorsitzende Thomas Lenz. „Natürlich gibt es immer noch zu viele Opfer von Kriminalität, aber die werden so nicht verhindert, sondern mehr Waffen führen nur zu neuen Gefahren und auch zu mehr Opfern.“ Das scheint die polizeiliche Kriminalstatistik für MV 2015 zu belegen: Im Vergleich zum Vorjahr nahmen Straftaten, bei denen geschossen oder Opfer mit Schusswaffen bedroht wurden, um 50 Prozent auf 58 zu.

Die Antragsflut auf einen kleinen Waffenschein wird auch auf die Kölner Silvesternacht zurückgeführt, in der etliche Frauen von Migranten sexuell belästigt und beraubt wurden. Die German Rifle Association (GRA), die als Vorbild die mächtige US-Waffenlobby NRA angibt, fordert auf ihrer Internetseite: „Die GRA geht davon aus, dass jeder volljährige, zuverlässige und sachkundige Bürger ein Recht hat, Waffen zu besitzen und zu tragen.“

In Interviews beruft man sich explizit auf die Kölner Vorfälle sowie steigende Einbruchszahlen. Weißer-Ring-Landeschef Lenz betont jedoch: „Wir sind nicht in Köln. Bei uns besteht kein Grund dafür, sich zu bewaffnen. Straßen- und Gewaltkriminalität gehen zurück.“ Statt dass die Bürger zu den Waffen greifen oder sich in Bürgerwehren organisieren, sollte die Polizei gestärkt werden, so Lenz, der Staatssekretär im MV-Innenministerium ist. „Das Gewaltmonopol ist beim Staat gut aufgehoben.“ Axel Büssem

OZ

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