Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell MV schickt Afghanen per Sammelabschiebung zurück
Nachrichten MV aktuell MV schickt Afghanen per Sammelabschiebung zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 29.03.2017
Polizeikräfte und Abgeschobene betreten ein Charter-Flugzeug auf dem Münchner Flughafen. Quelle: Foto: Imago/michael Trammer
München/Schwerin

Erstmals seit Beginn der bundesweiten Sammelabschiebungen nach Afghanistan ist auch aus MV ein abgelehnter Asylbewerber in seinen Heimatstaat zurückgebracht worden.

Zu den 15 alleinstehenden Männern, die am Montag von München aus abgeschoben wurden, gehörte ein 24-Jähriger aus dem Nordosten. Das bestätigte gestern ein Sprecher des Innenministeriums in Schwerin. Der Mann habe seit 2010 in Deutschland gelebt, nach Angaben des Flüchtlingsrats zuletzt in Rostock.

Bei den bislang vier Sammelabschiebungen sind den Angaben zufolge insgesamt 92 Männer von Deutschland nach Afghanistan zurückgeflogen worden. An der jüngsten Rückführungsaktion waren Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, MV und Rheinland-Pfalz beteiligt.

Der Flüchtlingsrat in MV kritisierte die Abschiebung scharf. Afghanistan sei nicht sicher und die Zurückgeführten potenziell vom Tode bedroht. Im Krisenland verschärften sich wieder die Kämpfe zwischen der vom Westen unterstützten Regierung und den islamistischen Taliban. Die Zahl der Anschläge mit Toten und Verletzten nahm wieder zu.

Laut Innenministerium halten sich in MV aktuell rund 1700 Menschen aus Afghanistan auf. Für etwa 1300 laufe das Asylverfahren noch. Derzeit seien etwa 40 Afghanen nach Ablehnung ihrer Anträge ausreisepflichtig, für 130 bestehe eine Duldung. Nach Angaben des Ministeriums wurden 2015 25 und 2016 dann 32 Asylbewerber aus Afghanistan in ihre Heimat abgeschoben.

MV hatte die Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan stets verteidigt, dabei aber Einzelfallprüfungen zugesichert. Das Land halte sich damit an das zwischen Bund und Ländern vereinbarte Verfahren.

Nach einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ wurden im vergangenen Jahr in MV 902 von 1737 geplanten Abschiebungen nicht vollzogen. Auch in ganz Norddeutschland sei n ur die Hälfte aller geplanten Abschiebungen tatsächlich erfolgt. Von 9430 geplanten Ausweisungen fanden 4803 nicht statt, berichtet das Blatt unter Verweis auf Zahlen der Innenbehörden von Hamburg, Schleswig-Holstein, MV, Niedersachsen und Bremen.

Frank Pfaff

Mehr zum Thema

Wegen automatischer Abstimmungen schaltete der Verband sie ab

24.03.2017

Leser diskutieren weiter über den Namenspatron der Universität

25.03.2017

Die evangelische Kirche mischt sich in Diskussionen um industrielle Tierhaltung ein. OZ befragte dazu Ulrich Ketelhodt von der Nordkirche in Kiel.

27.03.2017

Ein Traktor pflügt am Montag in der tief stehenden Abendsonne einen Acker des Biohofes Medewege in der Nähe von Schwerin um.

29.03.2017

Dirk Friedriszik legt Vorsitz in Gremien des Landtags nieder

29.03.2017

OZ-Interview mit Prof. Dietmar Oesterreich, Präsident der Zahnärztekammer MV

29.03.2017