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MV aktuell Mädchen aus Wismar an Tuberkulose erkrankt
Nachrichten MV aktuell Mädchen aus Wismar an Tuberkulose erkrankt
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00:00 21.07.2016

Gewichtsverlust. Schlappheit. Husten. Appetitlosigkeit. Und das über mehrere Wochen. Tuberkulose (Tbc) ist eine in Deutschland seltene Krankheit – zumindest in der heutigen Zeit.

Oberarzt Dr. Thomas Hartung Quelle: Sylvia Kartheuser

Doch nun wurde ein Fall in der Hansestadt Wismar bekannt: Ein Mädchen im Schulalter ist an Tuberkulose erkrankt, wie das Gesundheitsamt Nordwestmecklenburg auf OZ-Anfrage bestätigt. Derzeit wird sie ambulant behandelt. Durchschnittlich sechs bis zwölf Menschen sind in den vergangenen sechs Jahren im Landkreis an der Infektionskrankheit erkrankt. 2016 gab es bisher acht Fälle. Landesweit 37.

„In den letzten zwei Jahren ist ein leichter Trend nach oben zu erkennen“, sagt Dr. Thomas Hartung, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie am Wismarer Sana-Hanse-Klinikum. „Doch das ist nicht dramatisch und keine Epidemie“, betont der Fachmann. Ein Grund für den Anstieg: „Wir leben in Deutschland nicht mehr so isoliert wie früher. Es gab in den letzten Jahren viel Migration.“ 2015 erkrankten in MV 24 Menschen an Tuberkulose.

Aktuelle Studien zeigen, dass über 50 Prozent der Erkrankten nicht in Deutschland geboren sind. „Wir in Wismar haben bisher jedoch nur Patienten aus Deutschland behandelt“, relativiert Hartung diese Aussage. Auch von Seiten des Gesundheitsamtes heißt es: „Im Rahmen der Erstuntersuchungen der Flüchtlinge wurden keine Tuberkulose-Fälle festgestellt.“

Alle Flüchtlinge, die in einem Erstaufnahmelager Schutz finden, durchlaufen eine Generaluntersuchung. Für die Notfallunterkünfte in Wismar wurden diese im Sana Hansa-Klinikum durchgeführt.

Tuberkulose ist eine Krankheit, die sehr gut behandelt werden kann – auch wenn es seine Zeit dauert. Übertragen werden die Bakterien durch das Einatmen von infektiösen Tröpfchenkernen. Der Keim lässt sich unter dem Mikroskop oder über genetische Tests nachweisen. Viele wissen gar nicht, dass sie mit dem Keim infiziert sind, da die Krankheit niemals ausbricht.

„Für uns Ärzte ist Tuberkulose ’dankbar’, weil wir sie heutzutage so gut behandeln können“, erklärt Dr. Hartung. Der Mediziner war jahrelang in Afrika tätig und hat dort viele schwere Verläufe der Krankheit gesehen. „Wird Tuberkulose diagnostiziert, nehmen die Patienten für die ersten zwei Monate einen Cocktail von vier Medikamenten zu sich“, erläutert der Experte. Um jedoch auch die „schlafenden“ Bakterien abzutöten, ist es notwendig, dass die Erkrankten für weitere vier Monate Medikamente einnehmen, jedoch in reduzierter Form. „Für den Patienten stellt sich schnell eine Besserung ein, doch die langwierige Behandlung ist wichtig, um alle Bakterien abzutöten.“

Erste Beschreibungen der Lungentuberkulose gehen auf Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) zurück. Die industrielle Revolution und die dadurch ausgelösten sozialen Veränderungen – vor allem die wachsende Bevölkerung in den Städten – führten zu einem sprunghaften Anstieg im 18. und 19. Jahrhundert. Um 1850 starb in Deutschland jeder vierte erwachsene Mann an der „weißen Pest“. Tuberkulose gehört neben Aids/HIV und Malaria weltweit immer noch zu den häufigsten Infektionskrankheiten.

Hohe Dunkelziffer

4488 Tuberkulosekranke wurden im Jahr 2014 dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet, darunter etwa 150 Kinder unter 15 Jahren. 5,6 Erkrankungen kamen auf 100000 Einwohner. Die offizielle Statistik gab für 2014 97 Opfer an. Die Dunkelziffer dürfte wegen der unspezifischen Symptome der Krankheit allerdings höher liegen. Die vorläufige Tuberkulose-Statistik für 2015 zeigte in Deutschland einen Anstieg der Erkrankungen an Tuberkulose.

Vanessa Kopp

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