Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Marie entlastet Stammpfleger am Sonntag
Nachrichten MV aktuell Marie entlastet Stammpfleger am Sonntag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 06.12.2017
Rostock

In Mecklenburg-Vorpommern sind rund 56 000 Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen im Bereich Pflege und Soziales beschäftigt. Gleichzeitig seien 1400 Stellen nicht besetzt, sagte der Sprecher der Rostocker Arbeitsagentur, Thomas Drenckow, gestern bei einer Konferenz über die Beschäftigung von qualifizierten Pflegekräften aus dem Ausland. Dort wurde vor rund 25 Pflegediensten aus dem Land das Projekt „Triple Win“ vorgestellt, das von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) und Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) ins Leben gerufen wurde.

Thomas Drenckow, Agentur für Arbeit FOTO: OVE ARSCHOLL

Seit 2013 seien mit „Triple Win“ 1607 examinierte Pflegekräfte aus den Nicht-EU-Partnerländern Bosnien-Herzegowina, Serbien, den Philippinen und seit März 2017 auch Tunesien als Pilotprojekt vermittelt worden, sagte ZAV-Sprecherin Beate Raabe. Von diesen hätten rund 1100 ihre Tätigkeit in Deutschland aufgenommen. Raabe betonte, dass mit den Ländern entsprechende Absprachen getroffen wurden. Hintergrund sei, dass dort mehr Pflegekräfte als benötigt vorhanden seien. Die Pflegekräfte erhielten in ihren Heimatländern einen Sprachunterricht, der sie auf das notwendige Niveau bringt.

Der Ehrenpräsident des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft, Horst Klinkmann, hatte kürzlich angeregt, Pflegekräfte aus Vietnam anzuwerben (die OZ berichtete).

Auch durch unkonventionelle Arbeitszeitmodelle will die Branche den Personalmangel lindern. So versucht etwa die Curvalia-Seniorenresidenz „Am Warnowschlösschen“ in Rostock, mit attraktiven Arbeitszeitmodellen heimische Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Seit Oktober beschäftigt die Einrichtung mit einer „Wochenend-Marie“ und einem „Wochenend-Robert“ zwei examinierte Pflegekräfte nur an den Wochenenden. „Das Modell wirkt sich positiv auf das Betriebsklima aus“, sagt Einrichtungsleiter Martin Kaiser. Die Normalbelegschaft müsse damit nur an einem Wochenende im Monat arbeiten statt wie bislang an drei oder vier. Kaiser geht davon aus, dass die Ausfallquote langfristig sinkt, wenn Arbeitszeitmodelle wie diese an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientiert sind.

Auch den Wochenend-Kräften kommt das Modell entgegen. „Wochenend-Marie“ Maria Barth, die sich in der Woche allein um ihren dreijährigen Sohn kümmert, genießt den strukturierteren und ruhigeren Wochen-Alltag. Der Monatsverdienst für die konzentrierte Zwei-Tage-Woche mit 26 Stunden Arbeitszeit, davon sechs als Bereitschaftszeit, liegt nach Angaben des Einrichtungsleiters bei 2000 Euro brutto (1450 Euro netto). Samstags- und Sonntagszulagen und Bereitschaftszulagen fließen in den Lohn ein, wie Kaiser sagt.

Allerdings gibt es einen Haken: Das Landesamt für Gesundheit und Soziales hat auf die im Arbeitszeitgesetz festgeschriebenen 15 freien Sonntage im Jahr gedrungen. Maria Barth wünscht sich daher mehr Mut des Gesetzgebers für kreative Arbeitszeitmodelle.

80000 Pflegebedürftige im Nordosten

In Schwerin wurde jetzt bereits zum vierten Mal der „Pflege-Oscar“ verliehen. Der ambulante Lewitz Pflegedienst ehrt damit jährlich verdiente Mitarbeiter der Firma.

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) erklärte, dass das Thema angesichts einer älter werdenden Gesellschaft an Bedeutung gewinne. 2015 waren im Land mehr als 79 000 Menschen pflegebedürftig, 6700 mehr als zwei Jahre zuvor. Bis 2030 werde mit einem Anstieg auf 100000 Pflegebedürftige gerechnet. Mehr als drei Viertel der Kranken würden zu Hause betreut, gut 26 Prozent davon mit Hilfe eines ambulanten Dienstes.

Martina Rathke und Joachim Mangler

Mehr zum Thema

Im April 2018 kommt der Komiker mit seinem neuen Programm nach Rostock. Wir haben mit ihm gesprochen: über den Ruhm, den Menschen hinter der Kunstfigur und der Schwierigkeit, auf Knopfdruck witzig zu sein.

03.12.2017

Der Stralsunder Autor Eberhard Schiel hat neun Bücher geschrieben, die alle „mehr oder weniger“ mit Historie der Sundstadt zu tun haben. Seine Werke erlangen Aufmerksamkeit. Mittlerweile erhält er auch Anfragen von Fernseh-Sendern, die seine Texte für Dokumentationen nutzen wollen.

01.12.2017

Sewan Latchinian, Ex-Intendant am Volkstheater Rostock, über den Umgang mit seiner Person und die Situation in der Hansestadt.

05.12.2017

. Mit mehrstündiger Verspätung ist gestern die Anklageverlesung im Prozess gegen drei mutmaßliche Betreiber der früheren rechtsextremistischen Internetplattform ...

06.12.2017

. Die Berufung einer Landesintegrationsbeauftragten hat sich nach Einschätzung der zuständigen Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) als richtig und notwendig erwiesen.

06.12.2017

Diesmal treten 16 Männer aus zwölf Ländern in Linstow an

06.12.2017