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MV aktuell Massenhafter Betrug: Rostocker Arzt in Haft
Nachrichten MV aktuell Massenhafter Betrug: Rostocker Arzt in Haft
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00:00 28.03.2014
Rostock

„Großstädtische Bedürfnisse, vereint mit Ruhe“, bietet die Stadt Horgen laut Schweizer Tourismusverband. Vermutlich wusste der Rostocker Arzt Thomas M. (50) das Flair des wohlhabenden Naherholungsortes am Zürichsee zu schätzen. Bis Ende 2013 betrieb er hier eine eigene Praxis. Inzwischen ist M. zurück in seiner alten Heimat. Als Untersuchungshäftling.

M. wird vorgeworfen, Krankenkassen und Privatpatienten in Mecklenburg-Vorpommern um 1,3 Millionen Euro betrogen zu haben. Außerdem muss sich er sich in Rostock gegen Vorwürfe ehemaliger Patienten wehren. Deren Leben seien durch schwere Behandlungsfehler „verpfuscht“ worden. Das sagt eine Frau, die er operierte.

Schon seit vielen Jahren ermittelt die Rostocker Staatsanwaltschaft gegen den Neurochirurgen. Im Herbst 2009 entzog ihm die Kassenärztliche Vereinigung die Zulassung. Er durfte seitdem in Deutschland nur noch Privatpatienten behandeln. Durch falsche Abrechnungen soll er die Kassen allein von 2007 bis 2009 um 1,1 Millionen Euro geprellt haben. Auch davor war er mit merkwürdigen Abrechnungen aufgefallen. Ein erstes Ermittlungsverfahren wurde aber gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt. Auch nach 2010, als er nur noch Privatpatienten betreute, riss der Ärger mit den Kassen nicht ab.

Allein drei Zivilverfahren mit privaten Krankenkassen und Kostenträgern waren zuletzt am Rostocker Landgericht anhängig, teilt ein Sprecher mit. „Er rechnete Leistungen ab, die nicht erbracht wurden“, sagt Holger Schütt von der Staatsanwaltschaft Rostock. Der Schaden durch den Betrug bei den Privatkassen summiert sich auf 200 000 Euro, der jüngste Fall stammt vom Oktober.

Zu dieser Zeit hatte sich M. bereits am Zürichsee niedergelassen. Am 12. April 2013 stellte ihm der Kanton Zürich die Bewilligung aus, als selbstständiger Mediziner arbeiten zu können. Für die Zulassung reichte er unter anderem eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Rostocker Gesundheitsamtes ein. Die er nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gefälscht hatte. Mitte Januar entzogen ihm die Schweizer Behörden wieder die Bewilligung, teilt das Bundesamt für Gesundheit mit. „Die Voraussetzungen waren nicht mehr erfüllt“, sagt Sprecher Daniel Winter von der Gesundheitsdirektion im Kanton Zürich.

In Rostock suchte mittlerweile die Polizei mit Haftbefehl nach dem Arzt. Ende Februar wurde M. schließlich in seinem Ferienhaus im Rostocker Umland verhaftet. Am 12. Mai beginnt der Prozess gegen ihn am Landgericht Rostock. Ihm werden Betrug in mehreren tausend Fällen und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Seine Praxis hatte er als Kommanditgesellschaft 2002 in Rostock gegründet. Die Firma existiert noch, Geldgeber sind unter anderem ein Apotheker und ein Medizintechniker. Der Arzt operierte in seiner Praxis Patienten mit chronischen Bandscheibenbeschwerden an der Wirbelsäule. Dabei soll es mehrfach zu fatalen Komplikationen gekommen sein. Eine junge Frau aus Rostock erlitt durch den Eingriff, von dem andere Ärzte abgeraten hatten, schwere bleibende Behinderungen und ist erwerbsunfähig. Nach Angaben ihrer Krankenkasse streitet sie noch immer mit dem Mediziner um eine Entschädigung. Laut Landgericht Rostock ist sie nicht die Einzige.

Umstrittener Doktor
Gegen den Rostocker Mediziner Thomas M. liegen nach OZ-Informationen mehrere rechtskräftige Urteile wegen schwerer Behandlungsfehler vor. In mindestens drei Fällen wurden Patienten hohe Schadenersatz-Summen zugesprochen — sie haben das Geld bis heute nicht erhalten. Bei der Ärztekammer MV gingen bereits im Jahr 2003 Meldungen über eine auffällige Häufung von schweren Komplikationen ein — nach Operationen, die Thomas M. in seiner Praxis durchgeführt hatte.



Gerald Kleine Wördemann

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