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MV aktuell Mediziner-Nebenjobs: Spitzenreiter verdient 36 000 Euro
Nachrichten MV aktuell Mediziner-Nebenjobs: Spitzenreiter verdient 36 000 Euro
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00:05 19.07.2016
Wilfried Schimanke, Ärztekammer MV Quelle: D. Lilienthal

Hunderte Ärzte aus Mecklenburg-Vorpommern bekommen Geld von Pharmafirmen – etwa für Vorträge. Wie viel sich der Hausarzt um die Ecke oder der Oberarzt am Krankenhaus dazuverdient, kann man seit ein paar Tagen im Internet nachlesen. Die Rechercheplattform Correctiv hat Daten über Zahlungen von 54 Arzneiunternehmen an 20000 Mediziner und Institutionen in einer Datenbank zusammengefasst. Die Hersteller legen diese Daten freiwillig, aber auf Druck der Politik, offen. Die Ärzte können anonym bleiben, wenn diese es wollen. Zwei Drittel machen davon Gebrauch.

Marek Lommatzsch, Professor für Innere Medizin am Universitätsklinikum Rostock, entschied sich für die Offenlegung – was er nun bereut. „Ich fühle mich unfair behandelt und kriminalisiert“, sagt er.

Spiegel Online hatte über die Honorare berichtet. Bei Lommatzsch entstand der Eindruck, es ginge darum, ihn und seine Kollegen als korrupt anzuprangern.

Mit 36088 Euro Nebeneinkünften im vergangenen Jahr steht der Lungenarzt landesweit ganz oben auf der Liste. Das Geld erhielt er von Novartis, AstraZeneca und GlaxoSmithCline. Dafür hielt Lommatzsch rund 50 Vorträge, außerhalb seiner Arbeitszeit, meist am Wochenende, im gesamten Bundesgebiet. Für jeden dieser Termine müsse er sich fünf bis sechs Stunden vorbereiten. Das sei richtige Arbeit, die bezahlt werde. Es wäre normal, dass Pharmafirmen als Veranstalter von Fortbildungen oder Kongressen Redner bezahlen. Einen Einfluss auf seine Arbeit und die Vorträge habe das nicht. Was den Professor besonders ärgert: Kollegen von ihm, die noch mehr verdienen, müssten sich nicht rechtfertigen, weil sie die Veröffentlichung abgelehnt haben. „Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat ein Recht auf eine Nebentätigkeit“, teilt die Leitung der Unimedizin mit.

„Professor Lommatzsch ist ein fleißiger Kollege“, sagt Ärztekammer-Vizepräsident Wilfried Schimanke. Die Offenlegung sei grundsätzlich richtig, berge aber die Gefahr einer Neiddebatte. In Greifswald steht mit Prof. Alexander Mustea ebenfalls ein Unimediziner an der Spitze. Er verdiente 15532 Euro dazu. Nebeneinkünfte sind „nicht per se anrüchig“, teilt die Klinikleitung mit. Ohne Unternehmen wäre Forschung oft nicht möglich, Regeln sollen Missbrauch verhindern. Bundesweiter Spitzenreiter ist Prof. Hans-Christoph Diener aus Essen, er verdiente mit Nebenjobs 200193 Euro.

gkw

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