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Mega-Molkerei laufen die Bauern weg

Demmin Mega-Molkerei laufen die Bauern weg

Milchkontor droht Verlust von einer Milliarde Liter

Demmin. Deutschlands größte Molkerei steht vor einer Kündigungswelle: Hunderte Milchbauern signalisieren dem Deutschen Milchkontor (DMK) die Kündigung ihrer Lieferverträge. Auf eine Milliarde Liter schätzt Andreas Schulz, Chef der ADAP Rinderzucht GmbH Ahrenshagen (Vorpommern-Rügen), die Milchmenge, die DMK in den nächsten beiden Jahren verloren geht.

Bisher verarbeitet der Konzern 6,7 Milliarden Liter Milch pro Jahr.

„Wenn da 15 Prozent fehlen, sind die Werke nicht ausgelastet. Betriebswirtschaftlich wäre das eine Katastrophe“, sagt Harald Nitzschke von der Raminer Agrar GmbH (Vorpommern-Greifswald), der ehrenamtlich im Vorstand des Molkereiverbundes sitzt. Zu diesem gehören 26 Standorte in zehn Bundesländern, darunter die „Rügener Badejunge“-Molkerei Bergen, die Müritzmilch Waren, ein Molke- und ein Käsewerk in Altentreptow sowie die Käserei Dargun (alle Seenplatte). Die fünf DMK-Werke in MV verarbeiten mehr als die Hälfte der im Land produzierten Milchmenge – rund 700 Millionen Liter Milch im Jahr. Grund für die Austrittswelle: „Die Zusagen aus der Fusion wurden nicht eingehalten“, sagt Andreas Schulz. Als sich Nordmilch (Bremen) und Humana Milchunion (Everswinkel) 2012 zusammenschlossen, war den Bauern versprochen worden, dass der neue Milchriese Spitze beim Milchpreis wird. „Stattdessen lagen wir im letzten Drittel“, so Rainer Tietböhl, der mit seinem Sohn den Volksdorfer Milchhof bei Demmin betreibt. „Das Management kriegt die Kosten nicht in den Griff.“

Der frühere Landesbauernpräsident hatte die Konzernleitung aus Zeven (Niedersachsen) bei einer Veranstaltung in Linstow (Kreis Rostock) mit kritischen Fragen attackiert. Vorstandssprecher Ingo Müller gab dort bekannt, dass der Milchriese 2017 rund 250 Stellen streichen will. Tietböhl: „250 Stellen von 7500 – das ist zu wenig.“ Firmenchef Müller hatte zudem Milchmengen-Kündigungen von 700

Millionen Litern eingeräumt. Zudem verliert DMK Milch von Höfen, die in der Milchkrise die Produktion einstellten. Tietböhl weiß: „Allein in Thüringen wandern 150 Millionen Liter nach Bayern ab.“

Dort seien die Milchpreise – trotz Krise – höher. Auch die Konkurrenz im Norden zahlt besser. Die Arla-Molkerei Upahl (Nordwestmecklenburg) habe „im Durchschnitt pro Liter immer drei Cent mehr gezahlt“, sagt Tietböhl. Agrarminister Till Backhaus (SPD) fordert die Molkereien auf, „den Bauern endlich einen kostendeckenden Milchpreis zu zahlen“. Elke Ehlers

OZ

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