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Mehr „Multi-Jobber“ im Land: Tagsüber pflegen, abends putzen

Rostock Mehr „Multi-Jobber“ im Land: Tagsüber pflegen, abends putzen

Eine Studie belegt, dass etliche Beschäftigte in MV Zweitjobs brauchen.

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Hans-G�nter Trepte.

Quelle: Kettler

Rostock. Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind auf einen Zweitjob angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen. Laut einer aktuellen Studie des Pestel-Instituts (Hannover) hatten im Nordosten Ende 2012 knapp 27 500 Arbeitnehmer neben ihrer Hauptbeschäftigung einen Minijob — eine Steigerung um 116 Prozent im Vergleich zu 2003.

Verantwortlich für das sogenannte Multi-Jobben seien vor allem die Niedriglöhne, betont die Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Rostock, Sabine Dottermusch. „Auf der einen Seite werden Stundenlöhne gezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite steigen die Lebenshaltungskosten“, kritisiert die Gewerkschafterin. Die Preisspirale etwa für Heiz- und Nebenkosten drehe sich unaufhörlich nach oben. Viele Niedrigverdiener seien daher gezwungen, nach Feierabend und an den Wochenenden zur Zweit-Arbeit zu gehen.

So wie die junge Rostockerin, die als pflegerische Hilfskraft arbeitet. Täglich arbeite sie in einem Pflegeheim in der Hansestadt sechs Stunden, eine Vollzeitstelle sei nicht in Aussicht. Ihr Verdienst liegt bei 900 Euro netto, den sie sich mit einem 400-Euro-Zweitjob als Reinigungskraft aufbessern muss. „Aber auch damit kommt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern auf keinen grünen Zweig“, sagt Sabine Dottermusch.

Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die die Studie zusammen mit Verdi in Auftrag gegeben hat, könne da nur ein „einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn“ Abhilfe schaffen. „8,50 Euro pro Stunde — das ist der Mindestpreis, den Arbeit bei uns hat“, sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Mecklenburg-Vorpommern, Mario Klepp. Wer heute für weniger Geld arbeiten müsse, habe keine Chance, „von dem, was er verdient, auch leben zu können“.

Kritik übten die Gewerkschaften auch am Ansinnen der Bundesregierung, insbesondere der FDP, regional unterschiedliche Lohnuntergrenzen einzuführen. „Dann würde Deutschland zu einem ,Lohn-Flickenteppich‘“, sagt Sabine Dottermusch. Dadurch würden „Billig-Regionen“ etabliert, in denen Arbeit unter 8,50 Euro Stundenlohn gehandelt werde.

Statt Regionen will die Schweriner CDU-Landtagsfraktion Branchen ohne Tarifbindung mit einer „spezifische Lohnuntergrenze“ belegen. „Wer in Pasewalk auf dem Bau schuftet, leistet genauso harte Arbeit wie jemand in Koblenz“, betont Fraktionschef Vincent Kokert. Entsprechende Regelungen solle eine unabhängige Kommission bestimmen, „nicht die Politik“.

Laut der Pestel-Studie hat die Zahl der Beschäftigten mit Zweitjobs seit 2003 in Rostock mit einem Plus von 137 Prozent besonders stark zugelegt, gefolgt von Nordwestmecklenburg (128 Prozent). Nach Aussage des Leiters der Studie, Matthias Günther, hat ein Großteil der Bevölkerung in den vergangenen Jahren Einkommensverluste erlitten. Die Ausweitung von Teilzeitarbeit und Minijobs bezeichnete Günther als „Arbeitszeitverkürzung mit Lohnabschlägen“.

Kein gutes Haar lässt unterdessen die Vereinigung der Unternehmensverbände MV an der Studie. Die Zahlen würden sich nicht mit denen der deutschen Minijob-Zentrale decken, kritisiert Arbeitsmarktexperte Hans-Günter Trepte. „Ein insgesamt dramatischer Anstieg ist also nicht belegt“, sagt Trepte, der die Minijobs als „effektives Instrument“ lobt, etwa um längerfristige Arbeitslosigkeit zu reduzieren oder um den Wiedereinstieg in Beschäftigung zu schaffen.

Gerade für geringer Qualifizierte sei zudem „ein Minijob oft attraktiver als eine vollzeitnahe Tätigkeit“. Trepte sieht die Lösungsansätze vielmehr in der „Reduzierung der zu hohen Belastung des Faktors Arbeit durch Steuern und Sozialabgaben“, einem Ausbau der Kinderbetreuung sowie einer Reform beim Hinzuverdienst beim Arbeitslosengeld.

Axel Meyer

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