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Mehr Wild, mehr Autos: Unfälle mit Reh & Co. häufen sich

Rostock Mehr Wild, mehr Autos: Unfälle mit Reh & Co. häufen sich

Tiere stoppen zwei Züge im Land – Jäger plädiert für Obergrenze auch bei Nandus

Rostock. Die Natur schlägt zurück: Mehrere Unfälle mit Wildtieren hat es in vergangenen Tagen auf den Straßen des Landes gegeben, darunter auch exotische Begegnungen.

 

OZ-Bild

Das Schild weist auf regen Wildwechsel in einem Dorf im Norden hin.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Rotwild stoppt Zug, hieß es gleich zweimal. Hunderte Reisende mussten evakuiert werden. Aber auch Wildschwein, Taube oder Nandu zeigen den Menschen ihre Grenzen auf.

Geduld mussten Fahrgäste der Deutschen Bahn am Donnerstagabend aufbringen. Um 20.32 Uhr kracht der Zugwagen eines Intercitys auf ein Reh, das bei Hagenow auf den Gleisen stand. Der Zug bremst, Luftschläuche reißen ab. Nichts geht mehr. Die Feuerwehr muss 240 Reisende evakuieren. Umsteigen heißt es in einen ICE, 88 Minuten Verspätung, gibt Bahnsprecherin Karin Schwelgin an. Die Lok des Intercitys ist demoliert, muss abgeschleppt werden. Das Reh ist Geschichte.

Stunden zuvor knallt es auf der Strecke zwischen Rostock und Schwerin. Um 7.38 Uhr stoppt ein Hirsch einen Regionalexpress bei Blankenberg. Hirsch tot – 75 Reisende werden in einen anderen Zug Richtung Lübeck gesetzt. Da die Hauptluftleitung des Unfallzugs defekt ist, muss ebenfalls abgeschleppt werden. Weitere Züge haben erhebliche Verspätung. Vier Stunden dauert es, bis die Strecke frei ist. Menschen werden bei beiden Unfällen nicht verletzt.

Wilder Wildwechsel im Nordosten: Bei Hagenow erwischte es in dieser Woche einen Rettungswagen, der auf ein Wildschwein prallte. Ursachen für die Unfallhäufung gibt es aus Sicht von Michael Constien, Vize-Präsident des Landesjagdverbandes, zwei: „Mehr Tiere und mehr Autos“. Rot-, Schwarz- und Damwild fänden beste Bedingungen vor; die Populationen seien stark angestiegen.

289 Wildunfälle hat die Deutsche Bahn im Vorjahr in MV, Berlin und Brandenburg registriert. „Schwerpunkte bilden dabei eindeutig Wildschweine und Rehe“, so Sprecherin Schwelgin. Selten seien die Folgen aber so schwer wie in dieser Woche. Auch auf den Straßen ist jetzt erhöhte Wachsamkeit ratsam. Zwar registriere die Polizei pro Jahr MV-weit nur zwischen 120 und 150 „statistisch relevante Unfälle“ mit Wild, etwa wenn Menschen zu Schaden kommen oder Drogen im Spiel sind, so Michael Teich, Sprecher des Innenministeriums. Fell trifft Blech heißt es aber etwa 13000 Mal binnen zwölf Monaten. Manchmal ist die Begegnung exotisch. So krachte vor wenigen Tagen eine 92-Jährige mit ihrem Auto bei Schönberg in einen Nandu. Das Tier, ursprünglich beheimatet in Südamerika, gehört zu einer wilden Herde mit 200 Tieren im Kreis Nordwestmecklenburg, einst ausgebrochen, nie eingefangen. Unfälle gebe es auch mit anderen Tieren. „Die Bandbreite reicht von der Taube bis zur Kuh“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock.

Vorfälle wie der mit dem Riesenvogel bei Schönberg entfachen die Diskussion um eine Erweiterung des Jagdrechts neu. Die AfD forderte kürzlich Aufnahme von Nandu, Biber und Wolf in die Liste der jagdbaren Tiere. Auf Wolf und Biber haben es auch CDU-Leute abgesehen. Jäger Michael Constien stimmt zu: „Jedes Wild hat seine Berechtigung. Aber es gibt für jedes auch eine Obergrenze.“ Von großer Gefahr durch Nandus für den Straßenverkehr geht die Polizei nicht aus. Teich rät dennoch: „Aufpassen und Fuß vom Gas!“

Meist geringer Schaden

13000 Unfälle mit Wild gab es etwa jeweils in Vorjahren auf MVs Straßen, statistisch kontinuierlich erfasst werden aber nur Unfälle, bei denen Personen- oder schwerer Sachschaden entstehen, Drogen oder Alkohol im Spiel sind – 2015 waren dies landesweit 122 Fälle. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, 13 wurden schwer und 115 leicht verletzt.

Die restlichen Fälle gelten als Bagatelle. Die Polizei rechne Wild nicht zu den Hauptunfallverursachern.

Frank Pubantz

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