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„Meine Kinder brauchen die Milch“

„Meine Kinder brauchen die Milch“

Geringverdiener froh über billige Milch / Mehrheit der Leser fordert Preise, von denen die Bauern leben können

Schwerin/Berlin. Milch wird immer billiger. Aufgrund des Überangebots zahlen einige Molkereien weniger als 20 Cent pro Liter, nötig wäre für die mehr als 70 000 Milchbauern aber das Doppelte. Der Staat will den Landwirten nun mit Hilfen in Millionenhöhe unter die Arme greifen. Auf der OZ-Facebook-Seite nutzten unsere Leser die Möglichkeit, ihre Meinung zum „Milchgipfel“ mit anderen Nutzern auszutauschen.

So hinterlässt Philipp Saat die Notiz, dass „man kurzfristig gesehen wahrscheinlich so handeln muss“. Aber es müsse doch Leute geben, die den Markt beobachten, um sofort Maßnahmen ergreifen zu können. Seine Vermutung: „Oder ist dies vielleicht sogar gewollt, um an der Börse abzusahnen?“ OZ-Leser Marcel Krause sieht es so: Gut sei die Entscheidung für die Bauern, aber eigentlich ist es völlig bescheuert! „Bei Umfragen sieht man doch immer wieder, dass Verbraucher bereit wären, mehr für Milch zu bezahlen. Also: Preise im Markt anheben und jeder verdient weiterhin wie zuvor. Nur die Bauern können dann auch überleben.“

Sandra Lucil bestätigt das Gesagte und ergänzt es um einen weiteren Gedanken: „Ein jeder, der es sich finanziell leisten kann, hat bereits jetzt verschiedene Möglichkeiten, für den Liter Milch mehr zu bezahlen, zum Beispiel im Bio-Markt. Niemand wird gezwungen, die Milch beim Discounter zu kaufen. Viele, die jedoch am Existenzminimum leben, sind derzeit dankbar über niedrigere Preise für Grundnahrungsmittel, worunter auch die Milch fällt.“

Steffen Dittmann postet den Wunsch, dass die billigste Milch im Discounter, das billigste Stück Fleisch, was wir essen, so kalkuliert ist, dass die Erzeuger davon leben können.

Interessant wäre für ihn auch eine Art Verbraucherportal, auf dem man Einsicht in die einzelnen Höfe bekommt. Gleichzeitig sollte die Möglichkeit bestehen, die Höfe zu besuchen, um sich von der Qualität überzeugen zu könen. Denn: „Wer kann mir garantieren, dass in Biomilch und Bioerzeugnissen generell auch 100 Prozent Bio steckt? Ich würde gerne einen Erzeugerhof besuchen. Dann wäre ich auch bereit, mehr Geld auszugeben.“

Für Heiko Dettmann ist die millionenschwere Soforthilfe lediglich ein „Tropfen auf dem heißen Stein“und helfe nicht wirklich. Seiner Ansicht nach sollte man die Einfuhr von Milch eventuell reduzieren und die Sanktionen gegen Russland aufheben. Darunter leide die deutsche Wirtschaft schließlich am meisten. Auf gleiche Weise schildert Torsten Rosenkranz seine Gedanken: „Das hilft den Bauern auch nicht! Bezahlt ihnen den Preis für die Milch, den sie benötigen, um am Ende überleben zu können. Das ist besser als mit Millionen helfen zu wollen.“

Norbert Jacob hält fest: „Ich liebe Euter und das Produkt daraus. Lasst die Bauern verdienen. Sie arbeiten hart.“ Begleitet von Ironie schreibt unser Leser Peter Lorenz :

„Die Hälfte von dem Solidaritätszuschlag, den wir ja noch immer gern zahlen, wäre eine Lösung. Die andere Hälfte fließt dann weiter in den Straßenaufbau“, schlägt Lorenz vor.

Freddy Bikrowic lebt an der Armutsgrenze. Er würde sich über weiterhin günstige Milchpreise freuen. „Ich habe drei Kinder im Alter von zwei, vier und sieben Jahre.“ Die Mutter stirbt unverschuldet beim Verkehrsunfall. „Von der einen auf die andere Sekunde stehst du mit drei kleinen Kindern alleine da.“ Weitere Angehörige hat er nicht. Auch keine Kinderbetreuung. Ein Hortplatz sei unbezahlbar. „Gerade habe ich mich selbstständig gemacht. Noch läuft mein Kredit, die Raten für Haus und Auto sowieso. Bikrowic erzählt, dass er, um sich um die Kinder zu kümmern, zu Hause bleibe. Ein Teufelskreis: „Du verlierst deine Lebensgrundlage, hast Schulden. Die Kinder brauchen die Milch als Nahrung. Sie brauchen Kleidung und Spielzeug. Da musst du jeden Cent achtmal umdrehen. Dann tun auch 35 Cent weh. Die hast du dann nicht.“

Dazu wirft Beate Baumgärtel die Frage auf, wie es mit mehr Lohn für den Endverbraucher wäre, um sich ein gutes Produkt leisten zu können? Und Andreas Böckler

meint, die Schuldigen ausgemacht zu haben. „Die sinkenden Preise haben die Molkereien und die Bauern selbst verursacht.“ Ute Nicolai notiert mit Blick in die Zukunft: „Wichtiger wäre eine langfristige und vernünftige Lösung. Ja, ihr könnt mich gern naiv nennen.“ Lore Liese stimmt ihrer Vorrednerin zu. „Es muss in der Tat weitsichtig geplant werden. Das, was da jetzt passieren soll, ist reiner Schwachsinn.“

Juliane Lange

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