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MV aktuell Meister Klein dreht an der Uhr
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00:05 25.03.2017
Bei einer englischen Bahnhofsuhr aus dem Jahr 1880 dreht der 78-jährige Uhrmachermeister Günter Klein symbolisch die Zeiger vor. In der Nacht zum Sonntag dreht er dann richtig am Zeiger.

. Zeit kann man nicht sehen, nicht hören, nicht anhalten – oder doch? In der winzigen Werkstatt von Uhrmachermeister Günter Klein in Rehna (Nordwestmecklenburg) scheint jedes normale Zeitgefühl verloren zu gehen. Der 78-Jährige bereitet sich auf einen wichtigen, jedes halbe Jahre wiederkehrenden Akt vor. In der Nacht zum Sonntag beginnt die Sommerzeit, Uhren müssen von 2 auf 3 Uhr vorgestellt werden. Hundertfach wird Meister Klein dann an den Zeigern drehen, denn er sammelt und repariert besonders alte rein mechanisch funktionierende Pendeluhren.

Unzählige Chronometer stehen und hängen in dem Laden, der einst Kleins Vater gehörte und seit 1998 dem Sohn. Zu den ältesten Stücken zählen eine Fassaden-Uhr von 1910 und eine besonders exakte, englische Bahnhofsuhr aus dem Jahr 1880. Daneben ticken und gongen hundertjährige Wand- und Standuhren um die Wette. Manche Mechaniken, sogenannte Skelettuhren, geben ihr Innerstes preis:

Zahnrädchen, Ketten, Stifte, Federn und Pendel sind zu sehen. Regelmäßig aufgezogen, greifen die Teile wie von Zauberhand gelenkt ineinander und übertragen Energie auf die vorrückenden Zeiger.

„Zeit wird hier sichtbar und ist zu hören“, sagt Klein. In batteriebetriebenen Quarzuhren oder funkgesteuerten Zeitmessern könne man nichts mehr erkennen. Mechanische Werke hingegen seien interessanter und dank edler Materialien widerstandsfähiger gegen Verschleiß, sagt er. Bei etlichen Uhren im Laden aber steht die Zeit still, die Zeiger sind in „Ruhestellung“ ordentlich ausgerichtet. Es sei schwer, alle Uhren gleich einzustellen. „Das gäbe ein totales Durcheinander“, sagt Klein. Also halte er viele von ihnen an.

Uhren, die gehen, sollten wirklich stimmen, betont der Mann, der 1961 in Hamburg die Meisterprüfung abgelegt hat. Als Kind hatte Klein Arzt oder Musiker werden wollen, schließlich lernte er dann doch das Handwerk des Vaters. Damit seine laufenden Uhren exakt sind, hat er sich eine Apparatur ausgedacht, die mit einer Art Lichtschranke die Pendelbewegungen alter Chronometer exakt ermittelt.

Dementsprechend könne er dann die Längen der Uhrpendel so regulieren, dass die vielen verschiedenen Uhren tatsächlich richtig und damit synchron ticken, erklärt der Uhrmacher. „Dann gehen sie alle ganz genau gleich.“

Grit Büttner

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