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MV aktuell „Mentale Verrohung“: Unfall-Gafferei soll unter Strafe gestellt werden
Nachrichten MV aktuell „Mentale Verrohung“: Unfall-Gafferei soll unter Strafe gestellt werden
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00:00 14.05.2016

Ein Mann stürzt zehn Meter tief von einem Balkon. Als kurz darauf ein Rettungshubschrauber vor dem Haus in Wolgast (Vorpommern-Greifswald) eintrifft, kommen schnell 100 Schaulustige zusammen – und behindern massiv die Rettungsarbeiten. Einige Gaffer posieren vor dem Hubschrauber, lassen sich fotografieren, andere filmen den Schwerverletzten. „Wir hatten Probleme, an unsere Ausrüstung zu gelangen“, sagte einer der Retter bei dem Unglück, das sich vor einem Jahr ereignete.

Die Politik will den Gaffern nun mit schärferen Gesetzen beikommen. Künftig sollen Schaulustigen Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder hohe Geldstrafen drohen, wenn Feuerwehr, Katastrophenschutz oder Rettungsdienst bei Einsätzen behindert werden. Niedersachsen brachte gestern eine entsprechende Gesetzesinitiative in den Bundesrat ein. Außerdem sollen Polizisten den Gaffern künftig die Handys wegnehmen können, wenn diese Aufnahmen von Unfallopfern machen. Berlin hat sich der Initiative bereits angeschlossen.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) unterstützt den Vorstoß. „Nicht nur für die Opfer würde die Neuregelung einen größeren Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte bringen“, sagt Caffier. Auch für Polizisten und Rettungskräfte bedeute es mehr Handlungssicherheit. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, bezeichnet die Sensationsgier der Schaulustigen als „eine mentale Verrohung, die entsetzt“.

Von Gaffern, die Rettungseinsätze stören, kann der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands MV, Hannes Möller, ein Lied singen. „Ich habe das als Einsatzleiter schon mehrfach erlebt – und es nimmt immer mehr zu.“ Schärfere Gesetze gegen Gaffer seien sinnvoll – „aber die Strafen müssen dann auch konsequent verhängt werden“.

Es kommt immer häufiger vor, dass Verletzte mit Tüchern verdeckt werden müssen, um sie vor den Handy-Knipsern zu schützen. Oftmals sind die schwer verletzten Opfer schneller auf Youtube als in der Klinik. Als im Juli 2015 mehrere Menschen in Ducherow bei Anklam bei einem Autounfall verletzt wurden, zückten Dutzende Gaffer ihre Smartphones. Die Polizei musste Platzverweise aussprechen.

Schon jetzt können Schaulustige belangt werden, auch wenn das Gaffen an sich nicht strafbar ist. Wer jedoch Rettungsarbeiten behindert, dem droht eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro. Die aktuelle Bundesrats-Initiative sieht vor, strafrechtliche Sanktionen zu erleichtern. Das könnte auch dann gelten, wenn es allein beim Versuch von Aufnahmen bleibt.

Axel Meyer

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