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MV aktuell Messerstecher ging zweimal auf das gleiche Opfer los
Nachrichten MV aktuell Messerstecher ging zweimal auf das gleiche Opfer los
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00:00 12.09.2013
Rostock

Vor dem Rostocker Landgericht muss sich seit gestern ein 19-Jähriger wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er soll am 21. März 2012 und am 5. Februar 2013 im Streit mehrfach mit einem Springmesser auf das gleiche Opfer eingestochen und dabei dessen Tod in Kauf genommen haben.

Selbst wollte sich der mehrfach vorbestrafte Mann im Prozess vorerst nicht äußern. Er überließ das Reden weitgehend seinen beiden Verteidigern. Seinen Wahlverteidiger bezahle er selbst. „Ich hab genug Geld, glauben Sie mir“, sagte er dem Richter, der wissen wollte, woher das Geld komme. „Ich arbeite im Knast, verdiene genug“, antwortete der Angeklagte, der sich ansonsten in der Verhandlung lässig zurücklehnte und über die Zeugenaussagen seiner Kumpel sehr zu amüsieren schien.

„Keine Ahnung“, war eine der meistgebrauchten Vokabeln der Zeugen im Gerichtssaal. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger mussten sich im Verlaufe der Verhandlung manch freche Antwort anhören. Oder sie bekamen keine: „Ich werd‘ sowieso nichts sagen“, äußerte gleich der erste Zeuge. Erst als ihm der Vorsitzende Richter nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung klarmachte, dass er einen Teil der Verfahrenskosten zu tragen und außerdem bis zu sechs Monate Beugehaft absitzen müsse, wenn er nicht aussage, ließ er sich auf Fragen ein.

Auch das Opfer der Messerattacken war nicht besonders redselig. Der Mann berichtete von einer Rangelei und einem „Brustpuffer“, mit dem er den Angreifer weggestoßen habe. Von Hass auf den Angeklagten, der seine Freundin beleidigt und schließlich zehnmal zugestochen habe. Viel Alkohol, Drogen, „Schulvermeider“, keine Ausbildung, Kinderheim, Jugendgefängnis, Prügeln als Freizeitbeschäftigung und ein langes Straftatenregister — das beschrieb beim Prozessauftakt gestern nicht nur den Angeklagten, sondern auch einige seiner Kumpel, die als Zeugen geladen waren. Der Angeklagte, der noch sechs Geschwister hat, kam mit sechs Jahren in ein Kinderheim, mit 14 in Jugendhaft und seitdem immer nur kurzfristig frei.

Die Staatsanwaltschaft will ihn nun für fünf Jahre in Haft bringen, die Verteidigung dagegen hält schon vier Jahre für zu viel. Fest steht, dass der 19-Jährige in einen Sicherungsentzug soll, um vom Alkohol loszukommen und irgendwann mal aus dem kriminellen Umfeld auszusteigen. Am 16. September wird die Verhandlung fortgesetzt.

Doris Kesselring

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