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Mieses Arbeitsklima erzeugt Frust

Mieses Arbeitsklima erzeugt Frust

Leser kritisieren schlechte Bezahlung und lange Arbeitswege / Hoher Krankenstand ist eine Folge

Rostock. Frustriert im Job: Jeder fünfte Beschäftigte hat innerlich gekündigt, erledigt auf Arbeit nur noch das Nötigste. Das ist das Ergebnis einer Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit aus Berlin. Für Mecklenburg-Vorpommern – hier gibt es laut Statistischem Landesamt zurzeit 747000 Erwerbstätige – würde das bedeuten: Knapp 150000 Beschäftigte arbeiten mit Frust. Damit sind sie anfälliger für Depressionen, Herz-Kreislauf- und Sucht-Erkrankungen. Eine Folge: Fehltage bei Unternehmen in MV nehmen zu. Leser der OSTSEE-ZEITUNG kritisieren in Briefen und auf der Facebookseite der OZ die Zustände in vielen Unternehmen.

„Der Anreiz, vernünftige Arbeit abzuliefern, fehlt vielen, die neu beginnen und lässt bei den Älteren sicher auch nach“, sagt Vera Zieger . Mindestlohn hin und her – für was reiche das noch: Miete gerade mal und Strom. Aber Urlaub außerhalb der vier Wände, daran sei für viele nicht zu denken, für Familien mit Kindern erst recht nicht. Dass es an vielen Ecken mangle, sei ja kein Geheimnis mehr in den verschiedensten Branchen. „Da wundert man sich noch über die Krankschreibungen.“ Zwischen Unternehmern und Mitarbeitern müsse es ein faires Geben und Nehmen geben.

Petra Samland ist sich sicher, dass keiner der Leser öffentlich etwas Konkretes sagen werde. „Aber es stimmt, einige Arbeitgeber müssen sich wirklich nicht wundern, wenn die zuverlässigen guten Leute schnell wieder gehen“, schreibt sie. Die würden nämlich meistens auch etwas Besseres finden, vor allem die jungen Leute. Der ganze Fachkräftemangel sei hausgemacht. Schlechte Bezahlung und miese Behandlung der Arbeitnehmer seien gang und gäbe. Sie spreche selbst aus Erfahrung, konnte sich aber zum Glück verbessern.

„Ich glaube, dass unmotivierte Mitarbeiter eher kündigen“, betont der Facebook-Nutzer Schieter Muus . Es gebe kaum noch Firmen, die in Motivation und Förderung investieren. In anderen Ländern komme ein Masseur zur Baustelle, weil der Chef sich sagt: Lieber 20 Minuten investieren, als dass der Mitarbeiter total ausfällt. Nicht ohne Grund sei der Krankenstand in MV so hoch. Doreen Reinecke fragt: Wie könne es sein, dass nach so vielen Jahren noch diese Ungerechtigkeit besteht? „Traurig, aber wahr“, das mache es so schwer, wieder nach Mecklenburg-Vorpommern zu ziehen. „Obwohl man sich in seiner schönen Heimat am wohlsten fühlt“, erklärt sie. Ralph Borchardt sieht mehrere Gründe für steigenden Frust bei der Arbeit: Ein-Euro- Job, 165-Euro-Job, 400-Euro-Job, Zeitarbeit, befristete Arbeitsverträge. „Solange es das gibt, sind Mindestlöhne unwirksam.“ Erst wenn dies alles abgeschafft sei, werde die Arbeitsmoral wieder steigen.

Das Problem habe nicht nur mit MV zu tun, meint Stefan Brandt . „Wenn Arbeitnehmer täglich ranmüssen, dafür Hunderte Kilometer fahren, nur überwacht werden und keine Anerkennung bekommen, dann bricht bei jedem Arbeiter das Verhältnis zum Unternehmen zusammen.“ Auch die ungerechte Bezahlung sorge für Frust. Wenn man die Gehälter von unten nach oben betrachtet, „wird einem kotzübel, und da eiern die bei 2,5 Prozent Lohnerhöhung herum“. Anja Steinicke sieht das ähnlich: „Wenn man mal überlegt, was von einem einzelnen erwartet wird. Da macht im handwerklichen Bereich einer was sonst fünf machen. Wer hat darauf Bock?“ Sie wolle gar nicht wissen, wie viele schon nervlich am Ende sind, gerade die ältere Generation.

Für Gerhard Werner Schlicke stehen die Schuldigen an dieser Situation fest. Die Soziale Marktwirtschaft habe Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder damals beerdigt. Keine der Nachfolge-Regierungen habe den bewusst herbeigeführten „Manchester-Kapitalismus“ wieder auf das Maß vor der Wiedervereinigung zurückgeführt. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe dies zwar vollmundig versprochen, gehalten habe sie aber nichts. „In anderen EU-Ländern und der Schweiz wird vorgemacht, wie es gehen könnte. Unsere politischen Eliten wollen diese Erfahrungen aber nicht.“ Rudi Reinhardt nennt die Arbeitswelt in Deutschland eine „Ausbeutergesellschaft der finstersten Art“. Christian Burhan fragt sich: „Warum wehrt sich das Volk nicht gegenüber der Lohnsklaverei der Kapitalisten? Mal auf die Straße gehen.“ Die Gesellschaft gehe langsam in Richtung Umbruch.

Bernhard Schmidtbauer

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