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Mieterbund fordert Recht auf Wohnungstausch

Rostock Mieterbund fordert Recht auf Wohnungstausch

Insbesondere in Kommunen mit angespannter Wohnsituation sinkt die Zahl der Umzüge

Rostock. Neue Wohnung, alte Miete: Ein Recht auf Wohnungstausch fordert der Deutsche Mieterbund. Insbesondere für Rentner und Familien mit Kindern wäre das attraktiv, erklärt Mieterbund-Chef Lukas Siebenkotten. „Senioren könnten so zu große gegen kleinere Wohnungen tauschen.“

 

OZ-Bild

Wenn eine halb so große neue Wohnung teurer ist als die alte, behalten die Mieter natürlich die bisherige Wohnung.“ Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes

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Hintergrund: Vor allem in Städten würden viele Ältere in ihren seit Jahrzehnten genutzten großen Wohnungen bleiben, weil ihnen beim Wechsel in eine kleinere Bleibe höhere Quadratmeterpreise drohen.

„Wenn eine halb so große neue Wohnung teurer ist als die alte, behalten die Mieter natürlich die bisherige Wohnung“, beklagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes. Folge: Die so genannte Fluktuationsrate sinkt – insbesondere in Kommunen mit angespannter Wohnungssituation. Derzeit beträgt sie im Schnitt zehn bis elf Prozent.

Der Vorschlag, ein Recht auf Wohnungstausch, sei vor allem als Appell an große Wohnungsunternehmen gedacht, sagt Ropertz. Bislang sei ein Wohnungswechsel für den Vermieter ja „ein Geschenk des Himmels“. Vermieter würden mit jedem neuen Mieter auch den Mietvertrag anpassen wollen – inklusive Miete, Kündigungsfrist und Klausel über Kleinreparaturen, erklärt Christian Rudolph, Chef des Mieterbunds Mecklenburg-Vorpommern. Der Wunsch nach einem Recht auf Wohnungstausch sei deshalb sehr verständlich und würde Mietern viel Zeit und vor allem Mietsteigerungen ersparen.

Viele Vermieter in MV geben sich wohl auch deshalb recht schmallippig: Man habe von diesem Thema „noch nie gehört“, heißt es zum Beispiel bei der Wohnungsbaugesellschaft mbH in Wismar.

Auch die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH Greifswald ist nicht angetan: Da ein Mietvertrag immer über eine bestimmte Wohnung abgeschlossen werde und der Vermieter die entsprechend vertraglich vereinbarte Wohnung schulde, „könnte ein Tausch – ohne Anpassung der Mietverträge – zu Komplikationen führen“.

„Auch im Falle eines Wohnungstausches bedarf es einer vertraglichen Grundlage, die das Dauerschuldverhältnis ’Miete’ für die Zukunft regelt“, erklärt die Stralsunder Wohnungsbaugesellschaft mbH. Insoweit gehe man nicht davon aus, dass ein „Modell ’Wohnungstausch’ schneller und unbürokratischer durchzuführen ist als der Abschluss neuer Mietverträge“. Fakt sei aber auch: Sofern entsprechende Wohnungen vorhanden seien, stellten solche Umzüge kein Problem dar und würden gerne unterstützt – „auch ohne ein festgeschriebenes Recht auf Wohnungstausch“.

Die Wohnen in Rostock Wohnungsgesellschaft (Wiro) sieht ebenfalls keine Probleme bei Wohnungstausch-Wünschen. Man habe „ein großes Interesse daran, die treuen Mieter zu halten“. Jedoch: Eine einfache Übernahme von Mietverträgen sei „praktisch und rechtlich nicht möglich“. Die Höhe der Miete sei „ immer vom Einzelfall abhängig, also von der konkreten Wohnung und zum Beispiel auch vom Investitionsaufwand vor einer Neuvermietung“.

Auch Haus & Grund MV, Vertretung der Grundstücks- und Immobilienbesitzer, „lehnt eine Verpflichtung zum Wohnungstausch ab“. Ein Wohnungstausch sei nichts anderes als ein Mieterwechsel mit allen damit verbundenen, auch gesetzlich vorgeschriebenen Formalitäten. Der Vermieter müsse die Bonität des künftigen Mieters prüfen können, schon allein zum Schutz seiner oft erheblichen Investitionen in die Immobilie. Und „er muss im negativen Fall einen Tausch-Interessenten ablehnen können“, erklärt Vizepräsident Thomas Kowalski. „Bei einem Recht auf Wohnungstausch würde dies erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Der Vermieter würde keinen Einfluss mehr haben auf seine künftigen Bewohner.“ Doch das Grundrecht auf Vertragsfreiheit sei im deutschen Mietrecht „bereits durch zahlreiche gesetzliche Regelungen eingeschränkt und darf nicht noch weiter beschnitten werden“. Anderenfalls würden „Investitionen in Wohnraum immer unattraktiver“.

Thomas Luczak

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