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Migranten stellen Standesbeamte vor neue Herausforderungen

Rostock Migranten stellen Standesbeamte vor neue Herausforderungen

. Die hohe Zahl von Migranten prägt seit wenigen Jahren die Arbeit von Standesbeamten. Diese sehen sich vielfach höheren Anforderungen ausgesetzt.

Rostock. . Die hohe Zahl von Migranten prägt seit wenigen Jahren die Arbeit von Standesbeamten. Diese sehen sich vielfach höheren Anforderungen ausgesetzt.

„Die meisten Flüchtlinge haben keine gültigen Papiere, das gibt Diskussionen, die nicht sehr angenehm sind. Aber die Gesetze sind so, wir müssen sie durchsetzen“, sagte der Vorsitzende der MV-Standesbeamten, Andreas Betz, bei einer Fachkonferenz in Rostock. Auch insgesamt gebe es die Tendenz, dass die Kunden in den Standesämtern schwieriger würden, auch ohne Migrationshintergrund. „Da darf man sich nicht einschüchtern lassen und im Zweifel muss auch mal die Polizei geholt werden.“

Interessant werde das Problem bei Neugeborenen von Migranten. Die Standesbeamten müssten deutsche Personenstandsregister einrichten. „Alles, was da drinsteht, muss zu 100 Prozent stimmen. Auf Zuruf geht nichts.“ Notfalls müssten dann identitätseinschränkende Vermerke eingefügt werden. Dann sehe jeder, dass bei dieser Person etwas nicht in Ordnung ist. Ein Neugeborenes bekomme nur dann automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil mindestens acht Jahre rechtmäßig, also mindestens mit einem Asylstatus, in Deutschland gelebt hat.

Dabei bildeten die Hochzeiten, die meist das Bild von Standesbeamten prägen, nur einen geringen Teil der Arbeit, sagte Betz. Bedeutender sei der Umgang mit dem internationalen Privatrecht. Viele im Ausland übliche Dinge seien mit deutschem Recht nicht vereinbar.

Eine Einschätzung, die die Tübinger Juristin Claudia Mayer teilt. „Während die Scheidung in Deutschland nur durch eine richterliche Entscheidung erreicht werden kann, haben andere europäische Länder ihr Scheidungsrecht liberalisiert und geben der Privatautonomie der Ehegatten mehr Raum“, erklärte sie. Dort werde die Auflösung der Ehe auch ohne Gericht erlaubt. Es stelle sich dann die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine im Ausland erfolgte Scheidung hier anerkannt werden kann.

Die Standesbeamten müssten wie andere Beamte auch lernen, mit anderen Verhaltensweisen von Migranten umzugehen, ist Martina Müller-Rossbach aus dem bayerischen Eichenau überzeugt. Sie hat sich als Coach auf den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen spezialisiert. Sie brächten aus ihrer Heimat eigene Wertvorstellungen mit. Vielfach stünde die Familienbande im Vordergrund jeglichen Tuns, der Staat stehe ganz hinten. „Da gibt es Vorstellungen von Ehre und Würde, die mit unseren Werten nicht übereinstimmen“, sagte Müller-Rossbach. So komme es vor, dass der Bräutigam die Hand einer Standesbeamtin zum Gruß nicht annimmt. „Das erzeugt ein Gefühl von Undankbarkeit.“

Joachim Mangler

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