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MV aktuell Mikroplastik saugt Giftstoffe in Hafen-Gewässern an
Nachrichten MV aktuell Mikroplastik saugt Giftstoffe in Hafen-Gewässern an
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00:00 06.08.2016
Eva Klaußner- Ziebarth, Umweltministerium

Giftiger Schlamm: Die Sedimente in Boddengewässern, in Ost- und Nordsee sowie von Warnow, Elbe, Weser und Trave sind in hohem Grade mit Schadstoffen belastet. Dies haben Umweltchemiker von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) auf zwei Expeditionsfahrten mit dem Forschungsschiff „Aldebaran“ ermittelt. Im Schweriner Umweltministerium ist die Studie bisher nicht bekannt.

Krebserregende Stoffe

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind durch industrielle und private Verbrennung sowie den Verkehr (etwa im Dieselruß) allgegenwärtig. PAK können Atemwege, Augen und Verdauungstrakt schädigen. Einige PAK erzeugen beim Menschen eindeutig Krebs: Lungen-, Kehlkopf- und Hautkrebs. Außerdem schädigen sie Embryos bzw. Föten im Mutterleib.

Ein Ergebnis ist: Die Ablagerungen sind stark mit Mikroplastik – Kunststoffteilchen mit einer Größe von unter fünf Millimetern – verschmutzt. Und: „Die kleinen Plastikteilchen sind um das Drei- bis Vierfache stärker belastet als das ohnehin schon kontaminierte Sediment“, erklärt Projektleiterin Prof. Gesine Witt. Die höchsten Schadstoffbelastungen seien nahe der Kläranlage Lübeck, im Stralsunder Hafen, im Rostocker Fischereihafen sowie in der Warnow bei Rostock gemessen worden. „Mit 50 Probensammlern konnten wir nachweisen, wie stark Mikroplastikteile in Sedimenten tatsächlich belastet sind“, sagt Gesine Witt. Im Sommer 2015 seien 50 trinkbechergroße Kupfergebilde, bestückt mit winzigen Silikonfasern, in den Gewässern versenkt worden. Nach drei Monaten wurden sie wieder eingesammelt. Je länger sich die Kleinstteile im Wasser befinden, desto mehr Schadstoffe binden sie an sich – bilden eine Art Giftcocktail. Im Sediment abgelagert, gelangen sie durch Würmer, Muscheln und Fische in die menschliche Nahrungskette. In den Sedimenten des Fischereihafens Rostock-Marienehe wurden vor allem Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ermittelt, beispielsweise Benzopyren. Auch die Schadstoffe PCB 138 und PCB 52 wurden in hohen Konzentrationen gefunden. Diese Substanzen sind äußerst gesundheitsschädigend, teilweise sogar krebsauslösend, und gelangen etwa über Dieselprodukte ins Wasser. Auch im Stralsunder Hafen und in der Warnow bei Rostock ist die Schadstoffbelastung laut der Studie sehr hoch. Spitzenreiter im gesamten Probengebiet war die Umgebung der Lübecker Kläranlage, dort wurden hohe Anteile von Fluoranthen festgestellt. Fluoranthen kommen in Steinkohlenteer vor und können beim Menschen Genmutationen oder Tumorbildungen auslösen. Laut Studie bindet Polyethylen besonders viele Schadstoffe – Polyethylen ist der in der Industrie meistverwendete Kunststoff.

Im Umweltministerium sowie im dazugehörigen Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie ist die Studie bisher im Detail nicht bekannt. Man wisse jedoch, „dass Hafensedimente generell höher belastet sind als Küsten- oder Meeressedimente, in aller Regel aufgrund länger zurückliegender Einträge von Schmier- und Treibstoffen von Schiffen“, sagt Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth.

Die Studie sei daher nicht repräsentativ für den Zustand der Meeressedimente, schon gar nicht für die Belastung der Warnow oberhalb der Hansestadt Rostock. „Überraschend und bisher hier nicht bekannt ist die Erkenntnis aus der Studie, dass Mikroplastik offenbar ein sehr hohes Adsorptionspotenzial für bestimmte Schadstoffe besitzt“, erklärt Eva Klaußner-Ziebarth.

Bernhard Schmidtbauer

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