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Milliarden-Verlust: Japaner zahlen bei Aida-Schiffen drauf

Rostock/Nagasaki Milliarden-Verlust: Japaner zahlen bei Aida-Schiffen drauf

Schwer verkalkuliert: Der Verlust, den der Konzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) mit dem Bau der beiden neuen Aida-Schiffe einfährt, hat die Milliardenmarke geknackt.

Rostock/Nagasaki. Schwer verkalkuliert: Der Verlust, den der Konzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) mit dem Bau der beiden neuen Aida-Schiffe einfährt, hat die Milliardenmarke geknackt. Das bestätigt ein Unternehmenssprecher auf OZ-Anfrage: „Bis jetzt liegt der Verlust bei 1,5 Milliarden Euro“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Vermutlich dürfte das Minusgeschäft am Ende noch viel heftiger ausfallen, denn während das erste Schiff kurz vor der Auslieferung steht, wird das zweite erst 2017 fertig.

„Der Mega-Verlust überrascht in der Branche niemanden“, sagt der Hamburger Schiffbau-Experte Stefan Krüger. MHI habe einen absoluten „Kampfpreis“ geboten mit dem Ziel, einen Fuß ins lukrative Kreuzfahrtgeschäft zu bekommen. Doch der Bau schwimmender Ozean-Riesen sei äußerst schwierig. „Das muss man können und jahrelang üben, denn jedes Schiff ist ein Unikat“, betont Krüger.

2011 hatte die MHI-Werft im japanischen Nagasaki den Zuschlag für die baugleichen, 300 Meter langen Kreuzliner „Prima“ und „Perla“ erhalten. Das Gebot für beide: 910 Millionen Euro.

Mitbewerber wie die Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg, die bis dato sieben Aida-Schiffe gebaut hat, konnten und wollten bei dem Preis nicht mithalten. Um die Schiffe so günstig anbieten zu können, soll MHI Unterstützung vom japanischen Staat in Millionenhöhe eingeworben haben — in Form von Fördermitteln für technische Innovationen. Von denen gibt es in den Schiffen einige. Unter anderem sollen sie auf einem Luftblasenteppich durchs Wasser gleiten, um den Treibstoffverbrauch zu senken. „Wenn man als Neuling im Kreuzfahrtgeschäft gleich noch Prototypen entwickeln muss, kann einiges schiefgehen“, sagt Ralf Sören Marquardt, Geschäftsführer vom Verband für Schifffahrt- und Meerestechnik Forschung und Technik. Außerdem seien die Schiffe erst im Stahlbau fertiggestellt und dann an den Ausrüstungskai gebracht worden. In Deutschland würden größere Module komplett eingerichtet und danach zusammengefügt. „Das ist effizienter und spart Arbeitszeit.“

Aida will sich zum Mega-Verlust der Japaner nicht äußern. Der Konzern MHI hatte bereits im März 2014 — ein halbes Jahr nach der Kiellegung der Kreuzfahrtschiffe — einen Verlust von 426 Millionen Euro vermeldet. Material und Arbeitszeit waren teurer als geplant. Das Innendesign hätte überarbeitet werden müssen, hieß es damals. Nach dem Aida-Auftrag will MHI wieder aus dem Kreuzfahrtgeschäft aussteigen. Um den Gesamtkonzern mit dem Milliarden-Verlust nicht in Schieflage zu bringen, soll es Pläne geben, die Schiffbau-Sparte auszugliedern.

Von Kerstin Schröder

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