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MV aktuell Millionenprojekt: Swinetunnel macht Seebädern in MV Angst
Nachrichten MV aktuell Millionenprojekt: Swinetunnel macht Seebädern in MV Angst
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15:15 12.02.2019
Über eine Hochbrücke im Fährhafen sollen die Autos auf Wolliner Seite in den Swinetunnel geführt werden. Quelle: Radek Jagielski (Repro)
Swinemünde

Ein polnisches Mega-Projekt macht dem Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern mächtig Druck. Die Arbeiten für den Swinetunnel, der die Insel Usedom und Wollin auf dem Gebiet der Stadt Swinemünde verkehrstechnisch zusammenführen wird, haben begonnen – und sorgen bereits knapp vier Jahre vor der geplanten Fertigstellung für Stress auf der deutschen Seite.

Die polnischen Küstenorte, die aktuell viel Geld in neue Infrastruktur pumpen, werden mit dem Tunnel für deutsche Urlauber noch besser erreichbar. Denn mehrstündige Wartezeiten an den Swine-Fähren, die Polen-Urlauber bislang oft noch in Kauf nehmen müssen, entfallen künftig. Und in Seebädern wie Swinemünde, Misdroy oder Kolberg sind Hotels, Restaurants, Kinos oder Wellness-Anlagen oft schon moderner und noch günstiger als in MV.

„Wenn wir nichts tun, verlieren wir zehn Prozent unserer Urlauber“

„Wenn wir nichts tun, verlieren wir mit dem Swinetunnel zehn Prozent der Urlauber an unsere Nachbarn“, prognostiziert Thomas Heilmann, Kurdirektor der Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck auf Usedom. „Auf deutscher Seite haben alle bis zuletzt gehofft, dass der Tunnel nicht kommt, aber jetzt müssen wir handeln“, sagt ein hoher Beamter der Landesregierung.

„Es ist höchste Eisenbahn, mit konkreten Maßnahmen zu reagieren“, meint auch Stefan Rudolph, Staatssekretär im MV-Wirtschaftsministerium. Er will zeitnah einen „Zukunftsgipfel Wettbewerb“ organisieren, zu dem sich Touristiker aus ganz Vorpommern treffen: „Wir müssen einen Plan entwickeln, welche Investitionen wir für bessere touristische Infrastruktur benötigen. Und wir müssen gemeinsame Projekte mit der polnischen Seite definieren“, fordert der CDU-Politiker.

Forderung nach A-20-Zubringer für Usedom

Gerold Jürgens, Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern, fürchtet neben Urlauberschwund auch steigenden Schwerlastverkehr aus Polen, der Usedom und MV via Swinetunnel als Transitstrecke gen Hamburg nutzt: „Wir brauchen einen Verantwortlichen bei der Landesregierung, der alle nötigen Maßnahmen als Reaktion auf den Tunnel koordiniert“, sagt der Unternehmer. Jürgens ist für breitere Straßen auf der Insel und eine Usedom-Anbindung an die A 20.

An Spitzentagen 10 000 Fahrzeuge im Swinetunnel erwartet

Der Stadtpräsident von Swinemünde Janusz Zmurkiewicz rechnet mittelfristig mit 10 000 Fahrzeugen, die täglich durch den neuen Tunnel rollen. Er hält deutsche Sorgen jedoch für unbegründet: „Beide Seiten werden profitieren. Viele Polen sind auch neugierig auf die deutsche Ostsee und erreichen sie durch den Tunnel schneller“, sagt der Verwaltungschef. Allerdings: Swinemünde will mit dem Tunnel die Zahl seiner Touristen von aktuell 1,5 Millionen jährlich nach der Eröffnung des Tunnels auf 2,5 Millionen erhöhen.

„Insbesondere Vorpommern muss auf Wettbewerb reagieren“

„Diese Steigerung muss irgendwo herkommen“, weiß auch Tobias Woitendorf, Chef des Landestourismusverbandes. Insbesondere die vorpommerschen Urlaubsorte müssten auf den Wettbewerb reagieren. Er sehe aber auch Chancen in einer gemeinsamen starken Tourismus-Region Usedom-Swinemünde, sagte Woitendorf.

Fakten zum Swinetunnel

230 Millionen Euro kostet der Swinetunnel. 85 Prozent der Summe zahlt die Europäische Union, den Rest übernimmt Swinemünde.

Die Stadt nutzt konsequent die Chancen, die Polens Tourismusorte als EU-Förderregion Nummer eins derzeit genießen und an der Küste des Nachbarlandes für große Investitionen sorgen.

Stadtpräsident Zmurkiewicz hat bereits einen Tag für die Eröffnung des Tunnels festgelegt – den 17. September 2022.

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