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MV aktuell Mini-Rente: Jedem Dritten in MV droht Altersarmut
Nachrichten MV aktuell Mini-Rente: Jedem Dritten in MV droht Altersarmut
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07:23 04.12.2018
In MV droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bisher angenommen. (Symbolfoto) Quelle: NGG
Rostock

In Mecklenburg-Vorpommern droht rund 29 Prozent der Beschäftigten mit 45 Arbeitsjahren die Altersarmut. „Denn diese 181 000 Menschen erhalten so geringe Arbeitsentgelte, dass ihre Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung liegen würde“ warnt Jörg Dahms. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in MV bezieht sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts aus Hannover, das amtliche Statistiken ausgewertet hat. Die Ergebnisse wurden auf Grundlage der heutigen Beschäftigungsverhältnisse ermittelt. Die Schwelle für Hartz IV im Alter liegt demnach im Nordosten durchschnittlich bei 719 Euro.

„Es ist Zeit, sich die Brisanz der Situation in unserem Niedriglohn-Land zu vergegenwärtigen. Wer sein Leben lang gearbeitet habe, müssen später auch von seiner Rente leben können“, fordert Dahms. Insbesondere in Bäckereien sowie in der Hotel- und Gaststättenbranche müssten selbst Vollzeitbeschäftigte häufig mit „extrem mageren Rentenbescheiden“ rechnen. Während hierzulande der Durchschnittsverdienst bei 2400 Euro brutto iegt, beträgt er beispielsweise in Baden-Württemberg 3600 Euro.

Ausgezahlte Rente in MV höher als im Bundesschnitt

Laut Deutscher Rentenversicherung muss das aktuelle Durchschnittsentgelt im Osten jährlich bei 33 673 Euro (Westen: 37 873 Euro) liegen, damit der Betreffende einen Rentenpunkt pro Jahr erhält. Dessen Wert für eine künftige Altersrente liegt bei derzeit 30,69 Euro pro Monat – im Westen bei 32,03 Euro. „Multipliziert der künftige Empfänger einer Regelaltersrente diese Größe mit 45 Arbeitsjahren hat er eine Vorstellung von den zu erwartenden Bezügen“, verdeutlicht Michael Küttner. Der unabhängige Rostocker Rentenberater empfiehlt deshalb, die regelmäßigen Informationen der Deutschen Rentenversicherung genau zu studieren, um von einer möglichen Altersarmut nicht überrascht zu werden. Dem Rentenatlas 2017 der Deutschen Rentenversicherung zufolge lag die durchschnittlich ausgezahlte Rente in MV 2017 bei 1022 Euro. Bundesweit waren es 916 Euro. Der Grund: Die Versicherten – insbesondere die Frauen – in den neuen Ländern haben im Schnitt längere Versicherungszeiten als die in den alten Bundesländern. Das führt zu höheren Renten.

OZ-Kommentar: Mini-Renten haben negative Folgen für alle

NGG-Vertreter Dahms sieht die Politik in der Pflicht, „die gesetzliche Rente zu sichern“. Gleichzeitig fordert er flächendeckende Tarifverträge gerade für die Hotellerie und Gastronomie im Nordosten. „Es ist bitter, aber den Betroffenen mit sehr niedrigen Renten bleibt oft nur, die Grundsicherung zu beantragen oder aber weiter zu arbeiten“, erklärt Axel Drückler von der Verbraucherzentrale MV. Eventuelle Einkommen aus Kapitalvermögen gäbe es relativ selten und auch mit Betriebsrenten sehe es im Nordosten „äußerst mau“ aus. Selbst der Abschluss einer Riesterrente sei für Wenigverdiener aufgrund der hohen Abschluss- und Auszahlungskosten häufig wenig lukrativ, verdeutlicht der Finanzfachmann.

Altersarmut ist „himmelschreiendes Unrecht“

Als „ein himmelschreiendes Unrecht“ bezeichnet etwa der gewerkschaftspolitische Sprecher der Schweriner Linksfraktion, Henning Foerster, die drohende Altersarmut. Es dürfe „nicht einfach so hingenommen werden, dass Menschen 45 Jahre lang tagtäglich zur Arbeit gehen und im wohlverdienten Ruhestand dann zum Bittsteller beim Sozialamt werden müssen“, betont Foerster.

Die AfD sieht die Ursache dafür in der „Untätigkeit des Landesregierung“. „Die drohende Altersarmut ist zu einem großen Teil auch der ausgebliebenen Angleichung der Löhne und damit der Renten an das westdeutsche Niveau geschuldet“, sagt der sozialpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Thomas de Jesus Fernandes. MV sei „das Land mit der längsten Arbeitszeit und den niedrigsten Löhnen“. Den Bürgern sollte beispielsweise „mit einem höheren Grundfreibetrag bei der Einkommenssteuer mehr Geld übrig gelassen werden“. Ebenfalls müssten „die Lohnnebenkosten deutlich gesenkt werden, damit die Arbeitgeber in der Lage sind, Vollzeitstellen zu schaffen“.

SPD fordert „Lebensleistungsrente“

„Wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss eine auskömmliche Rente bekommen“, betont der seniorenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Heydorn. Die SPD setze sich für Tariflöhne ein. Denn: „Eine gute Rente braucht gute Löhne.“ Auf Bundesebene müsse daher auch „die solidarische Lebensleistungsrente“ kommen.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Wolfgang Waldmüller, verweist unterdessen auf „beachtliche Tarifsteigerungen“, die zwischen dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga und der NGG auch in Mecklenburg-Vorpommern zuletzt „abseits des gesetzlichen Mindestlohnes“ ausgehandelt worden seien. „Schon deswegen aber auch aufgrund beachtlicher Löhne abseits des Tarifs halte ich die Kritik der NGG für zu pauschal“, sagt Waldmüller.

„Erst wenn eine deutliche Anzahl an Mitarbeitern in tariflich gebundenen Unternehmen tätig wäre, würden Tarifsteigerung auch automatisch für tariflich nicht gebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer gelten“, sagt der CDU-Politiker. Dass eine solche „Allgemeinverbindlichkeit“ in MV schwierig sei, habe auch etwas „mit dem Organisationsgrad der NGG zu tun“. „Nach dem Staat zu rufen zeugt folglich von eigener Hilflosigkeit“, betont Waldmüller. Wichtig sei ein „praxistaugliches Engagement im Sinne der Arbeitnehmer“, etwa durch „ein familienfreundliches und flexibles Arbeitszeitgesetz oder die Anhebung der Verdienstgrenzen für Minijobs“.

Volker Penne

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