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Missbrauch bei „Power for Kids“: Gibt es noch mehr Täter?

Schwerin Missbrauch bei „Power for Kids“: Gibt es noch mehr Täter?

Beim Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses hat sich ein weiteres Missbrauchsopfer gemeldet / Handelte der verurteilte Peter B. allein? / Schweriner Jugendamt in der Kritik

Schwerin. Zwei Monate nach der Verurteilung des Vereinsgründers von „Power for Kids“, Peter B., wegen Kindesmissbrauchs gibt es offenbar Hinweise auf weitere Täter. Bei dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses, Sven Klinger (CDU), habe sich vor einigen Tagen ein junger Mann gemeldet, der erklärte, selbst Opfer von sexuellem Missbrauch in dem Verein geworden zu sein. „Außerdem hat er erwähnt, dass es Übergriffe auch von anderen Personen gegeben haben soll“, erklärte Stadtvertreter Klinger gestern gegenüber der OZ. Namen weiterer möglicher Täter habe er jedoch noch nicht genannt.

Der ehemalige Chef des Jugendtreffs „Power for Kids“ im Schweriner Stadtteil Großer Dreesch war im Februar zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Peter B. (42) hatte vor Gericht zugegeben, in insgesamt 60 Fällen Jungen im Alter zwischen sieben und 13 Jahren missbraucht zu haben.

Wegen der Vorfälle sind auch das Schweriner Jugendamt und die Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) massiv in die Kritik geraten. Unklar ist, wie die Übergriffe so lange verborgen geblieben waren. Bereits Anfang 2015 hatten sich Jungen einem Schulsozialarbeiter anvertraut, der sich daraufhin ans Jugendamt wandte. Doch die Behörde schaltete die Polizei nicht ein. Da die Opfer anonym bleiben wollten, habe man keine Schritte einleiten können, teilte das Amt mit.

Die Fälle flogen erst auf, als einige der sexuell missbrauchten Jungen ihren Eltern davon erzählten. Das war im August 2015 — acht Monate nach den ersten Meldungen beim Jugendamt. Auch der Anrufer, der sich jetzt bei Klinger meldete, will dem Jugendamt erzählt haben, dass er missbraucht worden sei. Doch man habe ihm nicht geglaubt. Der junge Mann wolle sich nun an die Anwältin wenden, die die Opfer vor Gericht betreut hatte.

Nach den neuen Hinweisen hat sich der Untersuchungsausschuss gestern zur Sondersitzung getroffen. Das Ergebnis: „Die Stadtverwaltung soll den Vorgang dem Ausschuss so schnell wie möglich vorlegen“, sagte Klinger. Es soll geprüft werden, ob dem Jugendamt der Fall bekannt war. Die nächste Sitzung findet am 13. April statt.

Der Skandal um die Missbrauchsfälle wird auch den Sozialausschuss des Landtags beschäftigen. Die jüngsten Ereignisse zeigten, „dass es notwendig ist, die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe zu überprüfen“, teilten die Abgeordneten Bernd Schubert (CDU) und Ralf Mucha (SPD) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Man werde Experten zu Rate zu ziehen, „um solche Fälle künftig zu verhinden“.

Für Kritik sorgte gestern im Ausschuss, dass ein Gesprächsprotokoll mit einem Jugendsozialarbeiter aus den Akten genommen worden sei. Zuvor hatte die Weigerung von Amtsmitarbeitern, vor dem Ausschuss auszusagen, für Unverständnis und Unmut bei den Abgeordneten gesorgt. Das Jugendamt der Stadt war bereits 2007 in die Schlagzeilen geraten, nachdem die fünfjährige Lea-Sophie in ihrer Familie verhungert war.

Von Axel Meyer

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