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Misshandelter Dreijähriger: „Eltern und Ämter versagt“

Misshandelter Dreijähriger: „Eltern und Ämter versagt“

OZ-Leser fordern unter anderem finanzielle Unterstützung der Behörden

Grevesmühlen. Unakzeptable Zustände im Jugendamt von Nordwestmecklenburg: Wie am Dienstag bekannt wurde (die OZ berichtete), sind Mitarbeiter überlastet und Stellen zudem unbesetzt – Überforderung mit dramatischen Folgen, wie der Fall vom 13. Mai offenbart. In Grevesmühlen wurde ein dreieinhalbjähriger Junge, der aus dem Heim entlassen und zu seinem Vater gebracht wurde, anschließend so schwer vom Vater misshandelt und vernachlässigt, dass er unterernährt und dehydriert war. Seitdem liegt das Kleinkind im Krankenhaus, sein Zustand soll sich stabilisiert haben. Auf der OZ-Facebook-Seite äußern Leser ihren Unmut über die Situation in den zuständigen Behörden.

„Wieder muss ein Kind Qualen ertragen, weil Eltern unfähig sind! Ich finde es unfair, die Schuld einzig den Mitarbeitern der Jugendämter zuzuschieben. Wenn die Politik nicht endlich reagiert und Gelder lockermacht, damit genügend Sozialpädagogen eingestellt werden können, die die Arbeit der Eltern machen oder überwachen, wird es immer weiter abwärtsgehen“, ist Marina Zimmermann überzeugt. Und das gelte auch für Kindergärten und Schulen. „Und sagt nicht, es wäre kein Geld vorhanden. An anderen Stellen wird es mit vollen Händen zum Fenster raus geschmissen!“ Für OZ-Leser Stefan Schwarz stehen zuallererst die Eltern in der Verantwortung: „Sicher kann man sich fragen, warum das Jugendamt so entschieden hat. Grundsätzlich gehört aber jedes Kind zu seinen Eltern. Also ist eher die Frage: Wie kann ein Vater sein Kind so behandeln? Wenn alle Leute, die Kinder in die Welt setzen, sich auch ihrer Pflichten bewusst wären, bräuchte man so ein Amt gar nicht.“

Leider sei der vorliegende Fall kein Einzelschicksal, stellt Facebook-Nutzer Klaus Rothemann fest. „Dass Kinder durch (gelinde gesagt) ,Fehleinschätzung’ des Amtspersonals zu Schaden kommen, ist keine Ausnahme.“ Als überaus undankbar schätzt Monique Westphal die Arbeit der Jugendamtsmitarbeiter ein. „Kein Wunder, dass die Stellen frei sind. Schon allein die Verantwortung ist immens, abgesehen davon, dass für die fehlenden Kollegen mitgearbeitet werden muss. Verlierer sind die Kinder, die hoch traumatisiert kaum Chancen auf ein normales Leben haben.“

Ohne jegliche Einschränkung misst René Domke dem Schutz der Kinder in einer Gesellschaft den allerhöchsten Stellenwert bei. „Sollte es sich bestätigen, dass das Jugendamt hier die Pflichten vernachlässigt hat, wird dies Konsequenzen nach sich ziehen.“ Dennoch: „Es macht die schlimmen Folgen für den Jungen nicht besser, aber ich werde als Kreistagsmitglied die Dinge sehr genau hinterfragen, damit anderen Kindern so etwas künftig erspart bleibt“, verspricht Domke.

Mit den Worten von Elisa Ma sollen den Jungen beste Genesungsgrüße erreichen: „Ich wünsche dem Kleinen von Herzen gute Besserung und liebevolle Hände, die ihn auffangen, lieben und stützen, so wie es jedes Kind verdient hat. Hier haben Menschen versagt und dazu beigetragen, dass ein Kind Leid und Trauer erfahren musste, dessen Grundbedürfnisse Liebe, Geborgenheit und Schutz sind.“

Funktion der Jugendämter

Das Jugendamt erbringt sogenannte Jugendhilfeleistungen, wie Eltern- und Kindergeld. Weiter fördert es beispielsweise Jugendarbeit und leistet Hilfen zur Erziehung.

Darüber hinaus soll das Jugendamt Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen. Im Zusammenhang mit Fällen, in denen Kinder von ihren Betreuungspersonen schwer vernachlässigt oder gar getötet wurden, sah der Bundesgesetzgeber weiteren Regelungsbedarf. Dies führte zu Änderungen im SGB VIII: Hierzu gehören die Einfügung des § 8a (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) im Jahr 2005 und die Verabschiedung des Bundeskinderschutzgesetzes im Jahr 2011.

Juliane Lange

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