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MV aktuell Misshandlungsprozess: Was wusste das Jugendamt?
Nachrichten MV aktuell Misshandlungsprozess: Was wusste das Jugendamt?
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00:00 02.12.2017
Grevesmühlen

Der Fall des dreijährigen Jungen aus Grevesmühlen, der im Mai 2016 schwerverletzt ins Wismarer Klinikum eingewiesen wurde, hat für das Jugendamt des Landkreises Nordwestmecklenburg womöglich ein Nachspiel. Der Kreistag wird sich mit dem Thema am 7. Dezember beschäftigen.

Kommende Woche könnte das Urteil gegen beide Angeklagten fallen. Dem leiblichen Vater (32) und seiner Frau (36) wird vorgeworfen, den Jungen über Monate hinweg geschlagen und misshandelt zu haben. So ließ die 36-Jährige das damals dreijährige Kind stundenlang in der Badewanne liegen und übergoss es immer wieder mit kaltem Wasser. Laut Gutachter hätte es an Unterkühlung sterben können. Zudem hatte der Junge im Mai 2016, als eine Mitarbeiterin des Jugendamtes ihn sah und umgehend ins Krankenhaus einwies, mehr als 20 Hämatome an Gesicht und Oberkörper. Das war extrem abgemagert. Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung durch das Schweriner Landgericht geht es um die Frage, ob Jugendamt oder der damals zuständige Mitarbeiter den Fall falsch eingeschätzt haben. Der 32-Jährige, als Bereichssozialarbeiter für die Familie verantwortlich, hatte jetzt vor Gericht ausgesagt – und Erschreckendes offenbart. Der Sozialarbeiter, nun nicht mehr fürs Jugendamt tätig, erklärte, dass die Familie des Jungen Hilfe beim Jugendamt gesucht habe – gewährt wurde sie nicht. Zudem habe es zwei Anrufe beim Kinder- und Jugendnotdienst gegeben, entsprechende Notizen landeten beim Sozialarbeiter in der Schublade. Auch beim Hausbesuch im Februar 2016, als Misshandlungen offenbar bereits begonnen hatten, habe er keine Alarmsignale erkannt. Er habe keinen Notfall gesehen, sagte er. Das Gericht musste den Mann mithilfe der Polizei in den Zeugenstand holen, nachdem er Aufforderungen, vor Gericht zu erscheinen, ignoriert hatte. Der Kreis betont, dass der Fall nie als Notfall deklariert war. Fehler in der Arbeit des Sozialarbeiters könne man nicht erkennen. Ein Evaluationsbericht aber hatte Mängel aufgezeigt: sieben anonym befragte Mitarbeiter im Sozialpädagogischen Dienst beklagten Überlastung und Personalnot.

Michael Prochnow

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