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Mittags trifft sich alle Welt am Pommerndreieck

Süderholz Mittags trifft sich alle Welt am Pommerndreieck

In Vorpommern gibt es nur eine Raststätte direkt an der A20. Hierher kommen Pendler, Promis und Einheimische.

Süderholz. Es ist halb elf und Halbzeit im Schnellrestaurant. Frühstückszeit ist eigentlich vorbei, zum Mittagessen ist es noch zu früh. Nur wenige Tische bei McDonald‘s in Süderholz (Kreis Vorpommern-Rügen) sind besetzt. „Ich bin gerne hier“, sagt Ramona Rump (36) aus Grimmen, die mit ihrer Freundin Bianca Radicke (36) am Fenster Platz genommen hat. Sie trinkt den letzten Schluck Kaffee und schaut nach draußen in den blauen Himmel. Ab und zu rollt ein Auto auf den Parkplatz. Ansonsten ist von der nur einen Steinwurf entfernten Autobahn 20 nichts zu merken.

Für die beiden Frauen aus Grimmen ist das Burger-Restaurant eine feste Größe. „In Grimmen gibt es ja kaum etwas“, sagt Ramona Rump. Ob Sonnabendnachts nach einer Disco-Tour oder wie jetzt zum stundenlangen Plaudern mit „der allerbesten Freundin“ — immer wieder verschlägt es die gelernte Verkäuferin in das Lokal an der Autobahn.

Wer in Vorpommern auf der A 20 unterwegs ist und Hunger bekommt, hat gute Chancen, hier zu landen. Alternativen sind rar: Ursprünglich sollte es bis zu fünf Raststätten an der seit 2005 fertiggestellten Ostseeautobahn geben. Nur eine davon, Fuchsberg zwischen Wismar und Rostock, wurde gebaut. Für die anderen fand sich kein Investor, weil die optimistischen Verkehrsprognosen für die A 20 nicht eintraten.

McDonald‘s nutzte das aus. 2007 eröffnete der Systemgastronomie-

Konzern die Filiale im Gewerbegebiet Pommerndreieck. Auf 245 Kilometern zwischen Fuchsberg und der Landesgrenze zu Brandenburg ist es das einzige gastronomische Angebot direkt an der Autobahn.

Hier treffen Urlauberfamilien auf Handwerker und Geschäftsleute, alle machen in dem roten Flachbau Pause. Zu den regelmäßigen Gästen gehört Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), berichtet Betriebsleiter Olaf Bretschneider (49). Der Regierungschef bestellt meist im McCafé, wo es Kaffee, Bagel und Kuchen, aber keine Hamburger gibt. Während sich Sellering auf einem der braunen Ledersessel niederlässt, postieren sich seine Leibwächter vor den Türen. Jeder Gast hat andere Bedürfnisse. Im Sommer benutzen oft Wohnwagen-Touristen das WC für ihre Morgenwäsche. Den Rostocker Bretschneider, der eigentlich Kürschner-Meister ist, stört das nicht. „Es sind ja unsere Gäste.“

Alle zwei Wochen füllt sich der Raum mit mehreren Dutzend Hansa-Rostock-Anhängern, die nach den Heimspielen nach Hause fahren. Bei Siegen sind sie ausgelassen, bei Niederlagen ruhig. „Dann gibt es ein Frustessen“, erzählt der Restaurant-Chef. Bei ihm seien die Fußball-Fans immer friedlich, noch nie gab es Randale. Für Aufregung sorgen andere. Vor ein paar Jahren verwandelte ein 96-jähriger Schwede beim Einparken Bretschneiders Privatauto in einen Haufen Schrott. Ein anderer Gast bekam auf dem Parkplatz Probleme mit der Bremse und durchbrach die Glasfront. Es blieb beim Sachschaden.

Einige Gäste gehen, neue kommen dazu. Am Tisch neben den besten Freundinnen aus Grimmen sitzt seit einer halben Stunde ein Mann mit längeren, grauen Haaren und blättert Papiere durch. Mathis (46) aus Neubrandenburg arbeitet in der Textilbranche. Seinen Nachnamen will er nicht nennen. Mit dem Auto ist er ständig zwischen Vorpommern und Lübeck unterwegs. Pause macht er, wenn es passt, stets am Pommerndreieck. „Morgens treffe ich fast immer Bekannte“, sagt der freundliche Außendienstler, der auch gut als Theologe durchgehen könnte.

Am Nebentisch bereiten sich Adolf (75) und Emmi Riegler (77) aus Geesthacht bei Hamburg auf die Weiterreise vor. „Wir fahren nach Kolberg“, berichtet der Rentner. Zwei Wochen Entspannungsurlaub liegen vor dem Rentnerpaar, das Schnellrestaurant ist ihr letzter Stopp vor der polnischen Grenze.

1450 Gäste bewirten die 46 Mitarbeiter im Schnitt pro Tag. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt McDonald‘s-Regionalmanager Jörg König aus Berlin, der Vorgesetzte von Betriebsleiter Bretschneider.

König ist für elf Filialen zuständig, Süderholz ist die nördlichste. Am Anfang lief es nicht so optimal, sagt er. Aber inzwischen stimmten die Zahlen. König lächelt zufrieden.

Mittlerweile ist es voller geworden. Männer und Frauen tragen Tabletts voller Pappkartons zu den Tischen, es herrscht so etwas wie ruhige Betriebsamkeit. Die besten Freundinnen aus Grimmen haben ihren Plausch beendet und müssen weiter. Ramona Rump stellt ihr Tablett ins Rückgaberegal und dreht sich noch einmal um. „Bis zum nächsten Mal.“

Gerald Kleine Wördemann

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