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Mordprozess: Unternehmer schweigt vor Gericht

Neubrandenburg/Siedenbollentin Mordprozess: Unternehmer schweigt vor Gericht

Angeklagter soll 29-Jährige erwürgt haben, um Sexualstraftat zu verschleiern

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Der Angeklagte (l.) schweigt.

Quelle: Foto: F. Gadewolz

Neubrandenburg/Siedenbollentin. Der mutmaßliche Mörder schweigt: Seit gestern muss sich ein 48 Jahre alter Unternehmer vor Gericht verantworten. Er soll Anfang Mai in Siedenbollentin bei Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte) eine 29-jährige Frau erwürgt haben, um einen sexuellen Übergriff zu verschleiern. Die Gewalttat hatte das 600-Einwohner- Dörfchen in Schock versetzt. Nun wird dem Mann vor dem Landgericht Neubrandenburg der Prozess gemacht. Zu den schwerwiegenden Vorwürfen wolle er keine Stellung nehmen, ließ der Angeklagte zum Auftakt der Verhandlung über seinen Pflichtverteidiger mitteilen.

Rückblick: Es ist der 7. Mai 2017, ein Sonntag, als ein brutaler Mord der Dorfidylle in Siedenbollentin ein jähes Ende setzt. Die Polizei zieht die Leiche einer jungen Frau aus dem knietiefen Wasser eines Sumpfgebiets am Dorfrand. Ein Zeuge hatte die Beamten auf die Spur gebracht. Er hatte in der vorausgehenden Nacht beobachtet, wie ein Dorfbewohner, ein Unternehmer, eine offenbar tote Frau in sein Auto lud. Daraufhin hatte der Zeuge die Polizei alarmiert. Die wurde wenig später auch von der Mutter der 29-Jährigen angerufen. Sie machte sich große Sorgen, weil sie ihre Tochter nicht erreichen konnte. Die Polizei löste eine Großfahndung aus. Gut zwei Stunden später fand eine Streifenwagenbesatzung das fragliche Auto, wenig später den Fahrer. Bei der Vernehmung gesteht er die Tat.

Nach Bekanntwerden der Tat ist die Dorfgemeinschaft erschüttert. „Wir haben zu kämpfen“, beschrieb Bürgermeister Thorsten Haker (CDU) das Befinden seiner Gemeinde.

Im jetzt begonnenen Prozess kommen weitere Details der Tat ans Licht: Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte sein späteres Opfer in seinem Wohnort, Siedenbollentin, nach einer Feier angesprochen haben. Er soll mit der Frau zu ihr nach Hause gegangen sein, um Kaffee zu trinken. Dort habe er sie sexuell genötigt. Als sie sich wehrte, soll er sie erwürgt haben, um die Straftat zu verdecken. Anschließend habe er die Leiche auf seinem Fahrrad zu seinem Haus geschoben und dort auf die Ladefläche seines Autos umgeladen. Später soll er die Tote dann in einem Schilfgelände hinter seinem Grundstück abgelegt haben, um sie zu verstecken. Die Anklage stützt sich auf das Protokoll zur Vernehmung des Beschuldigten. Er war nach Zeugenhinweisen wenige Stunden nach der Tat verhaftet worden.

Am ersten Prozesstag wurden mehrere Zeugen gehört. Einer der Polizeibeamten, die den Angeklagten vernommen hatten, beschrieb ihn als selbstbewussten Mann. Er habe in der Vernehmung kein Bedauern gegenüber dem Opfer gezeigt, sagte der Kriminalhauptkommissar. Er habe aber seine eigene Situation bedauert.

Der Prozess, für den zunächst insgesamt vier Verhandlungstage geplant sind, wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Zahl der Mordfälle rückläufig

2 versuchte Morde hat es im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern gegeben. Im Jahr zuvor musste die Polizei in acht Mordfällen – fünf davon Versuche – ermitteln. Um zwei erhöht hat sich seit 2015 die Zahl der Totschlagsfälle (2016: 23 Fälle) und die der fahrlässigen Tötung (2016: 19 Fälle). Vollendeter Mord wird mit lebenslanger Haft bestraft. Heißt: Frühestens nach 15 Jahren im Gefängnis kann der Verurteilte eine Haftprüfung beantragen.

Nora Kraus und Antje Bernstein

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