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„Museen sind mehr als ein Regenschirm“

„Museen sind mehr als ein Regenschirm“

Galeristen und Kuratoren beraten in Rostock über die künftige Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche.

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Diese Schildkröte gehört zu den Attraktionen im Stralsunder Meeresmuseum. Der Landesmuseumsverband fordert eine bessere Kulturförderung im Nordosten.

Quelle: Meeresmuseum

Rostock — Vom Ozeaneum bis zur Heimatstube: Die Museen in Mecklenburg-Vorpommern haben Besuchern viel zu bieten. Doch die Häuser kämpfen zunehmend mit Sparzwängen und Personalabbau.

Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Bernd Lukasch, Vize-Vorsitzender des Landesmuseumsverbandes, über aktuelle Herausforderungen.

OZ: Herr Lukasch, wie ist es um unsere Museen bestellt?

Bernd Lukasch: Die Kulturförderung im Land macht mir Sorgen. Es wird vergessen, dass wir mehr sind als der Regenschirm des Tourismus. Wir sind das größte außerschulische Bildungsnetzwerk. Das Land sagt, es kann sich um mehr als ein paar Highlights nicht kümmern. Für die Kommunen sind wir nur freiwillige Aufgabe. Das Prinzip der Nicht-Zuständigkeit ist perfekt organisiert.

OZ: Was konkret fordern Sie von der Politik?

Lukasch: Wir brauchen Regularien, die garantieren, dass freiwillige Aufgaben auch erfüllt werden. Wenn „freiwillig“ als „künftig wegfallend“ verstanden werden muss, funktioniert das nicht. Nur leider ist das zunehmend der Fall.

OZ: Was befürchten Sie?

Lukasch: Wenn Kommunen weiter sparen, hat das für schlimme Folgen. Museen sind wissenschaftliche Einrichtungen. Ihre qualifizierte Personalausstattung hat bereits stark abgenommen. Die Identität des Landes kann nicht mehr erforscht werden, wenn das Personal dafür fehlt.

OZ: Was bedeutet das für unser Kulturerbe?

Lukasch: Vorhandene Sammlungen werden nicht mehr gepflegt, können nicht mehr in guter Qualität an die nächste Generation weitergegeben werden. Ein Land, das sein Gedächtnis verliert, verliert die Orientierung.

OZ: Am Sonntag findet die Frühjahrstagung des Museumsverbandes statt. Thema: „Museen und Tourismus“. Wie klappt die Zusammenarbeit?

Lukasch: Dort, wo es um die touristische Funktion der Museen geht, klappt es gut . Unser Credo heißt aber „sammeln, bewahren, erforschen, ausstellen.“ Die ersten drei Aufgaben werden in der Außenwahrnehmung leider zu oft vergessen. Bei uns geht es um mehr als um Besucherzahlen.

OZ: Apropos Besucherzahlen: Wie gefragt sind unsere Museen?

Lukasch: Die Zahlen sind stabil, die Einrichtungen sind nach wie vor gefragt. Die mehr als 200 Museen im Land haben über vier Millionen Besucher im Jahr. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.

OZ: Haben Museen Zukunft?

Lukasch: Um Informationen zu bekommen, wird man in Zukunft wohl keine Museums-Ausstellungen mehr besuchen müssen. Dafür gibt es das Internet. Aber die originalen Objekte, die Wahrheit hinter den Informationen, die ist nur bei uns erlebbar.

Tagung der Museen
Der Museumsverband Mecklenburg-Vorpommern tagt am 23. und 24. März im Kulturhistorischen Museum Rostock. Thema ist „Museen, Tourismus und Marketing“. Geladen sind auch Vertreter des Landestourismusverbandes. Der Museumsverband will Chancen und Risiken einer Zusammenarbeit der Museen mit der Tourismuswirtschaft ausloten.
Millionen Gäste wollen Ausstellungen sehen
4 Millionen Besucher verbuchen die Galerien und Ausstellungen des Landes im vergangenen Jahr. Das meistbesuchte Museum im Norden ist das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Zu ihm gehören das Ozeaneum auf der Stralsunder Hafeninsel, das Stammhaus in der Altstadt, das Natureum am Darßer Ort und das Nautineum auf der Strelasund-Insel Dänholm. Knapp eine Million Gäste locken diese Ausstellungen jährlich an. 637 000 Besucher zählt die Evolutionsausstellung im Darwineum Rostock. Rund 300 000 Besucher pro Jahr kommen ins Staatliche Museum Schwerin. Im vergangenen Jahr hatten landesweit Museen Besuchereinbußen beklagt. Den größten Rückgang um 100 000 Besucher meldete das Ozeaneum. Ein Rekordergebnis verzeichnete hingegen die Kunsthalle Rostock mit 60 000 Gästen. Besonders bitter war die Saison für das Technische Landesmuseum „Phantechnikum“, das 2012 von Schwerin nach Wismar gezogen war: Statt der erhofften 75 000 Besucher kamen nur 47 000.

 



Interview von Antje Bernstein

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