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Museum für Archäologie soll nach Rostock

Schwerin/Rostock Museum für Archäologie soll nach Rostock

Gutachter haben Standorte geprüft und empfehlen die Hansestadt / SPD-Minister Brodkorb zuversichtlich, CDU bremst

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Landesarchäologe Detlef Jantzen (l.) und Prof. Hans-Jörg Nüsse, Lehrstuhlinhaber an der Uni Rostock, vor dem ehemaligen Schifffahrtsmuseum in Rostock. Hier soll das Landesmuseum entstehen.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Schwerin/Rostock. Das Landesmuseum für Archäologie soll nach Rostock. Dafür sprechen sich Gutachter der Firma MuseoConsult aus Stuttgart aus. Sie haben neun mögliche Standorte für ein solches Museum untersucht. Ergebnis: Rostock liegt weit vor Schwerin, Stralsund oder Greifswald. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hofft nun, dass die Regierung eine Entscheidung noch in diesem Jahr trifft. Bis 2020 könnte sich „eine Tür öffnen“, heißt: eine erste Ausstellung stehen. Geplanter Standort ist das alte Schifffahrtsmuseum der Stadt, das für 15 Millionen Euro umgebaut werden müsste. Hinzu kommen sechs Millionen Euro für einen Anbau.

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Gutachter haben Standorte geprüft und empfehlen die Hansestadt / SPD-Minister Brodkorb zuversichtlich, CDU bremst

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Mit Spannung haben Vertreter von neun Standorten die Entscheidung erwartet. Neben den vier großen Städten waren auch Neustrelitz, Bad Kleinen, Groß Raden, Putbus und das Tollensetal im Rennen. Am Ende heißt der Sieger des Vergleichs Rostock (siehe Kasten). Für die größte Stadt des Landes spreche vor allem der große Einzugsbereich für möglichst hohe Besucherzahlen, sagt Ursula Dworák, MuseoConsult. Die Stadt punkte mit Verkehrsanbindung und Infrastruktur. Vor allem gebe es dort noch kein Landesmuseum. Dies würde – wie zum Beispiel in Greifswald oder Schwerin – dazu führen, dass sich Museen „gegenseitig Konkurrenz machen“. Großer Pluspunkt sei auch die Nähe zum neuen Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Rostock. Prof. Hans-Jörg Nüsse soll auch Leiter des Museums werden. Auch sein Favorit sei Rostock gewesen. Er rechne mit guter Verknüpfung von Lehre und Forschung, so Nüsse. 25 bis 30 Studenten pro Jahr werden erwartet.

Weit vorn bei den Gutachtern liegt auch Schwerin, wo das neue Zentraldepot für archäologische Schätze wächst. Die Entfernung zum Museum sei kein Problem, so Dworák. Wichtigstes Kriterium sei nun mal die Besucherzahl. Standorte wie Neustrelitz oder Groß Raden seien daher zu entlegen.

„Das ist eine tolle Nachricht für Rostock und eine gute Wahl“, kommentiert Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) die Empfehlung. Enttäuscht ist dagegen Greifswalds OB Stefan Fassbinder (Grüne): Es sei „bitter“, dass seine Stadt erst den Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte verliere – „und nun genau dieser fehlende Lehrstuhl eines der entscheidenden Argumente ist“.

Jubelstimmung bei Archäologen: Seit 25 Jahren, seit dem Auszug des Museums aus dem Schweriner Schloss, habe das Land keine akzeptable Ausstellung zu archäologischen Schätzen, sagt Carsten Schmoldt von der Initiative IPAL, die sich für ein Landesmuseum starkmacht. Nun müsse eine politische Entscheidung her.

Die allerdings kann dauern. Brodkorb hofft auf ein Signal durch eine Koalition nach der Landtagswahl. Wie die Regierung dann aussieht, ist offen. Das Land verfüge über die bedeutendste Sammlung aus der Ur- und Frühgeschichte bundesweit. Es sei „blamabel“, dass es noch kein Museum gibt.

Der Koalitionspartner der SPD ließ es gestern schon mal knirschen: CDU-Landeschef Lorenz Caffier habe das Gutachten „zur Kenntnis genommen“. Für ihn bindend sei aber ein früherer Koalitionsbeschluss.

Darin sind nur Schwerin und Neustrelitz genannt.

Gutachter heben gute Anbindung und Nähe zur Uni Rostock hervor

Die Gutachter von MuseoConsult haben unter anderem Erreichbarkeit, Besucherpotenzial, Konkurrenz-Angebote und die Möglichkeit wissenschaftlicher Zusammenarbeit bei der Standort-Frage untersucht. Fazit (Auszug):

Platz 1: Rostock – 875 Punkte. Urteil: zentral, gute Anbindung, Uni-Nähe.

Platz 2: Schwerin – 684 Punkte. Urteil: Konkurrenz zu anderen Museen Platz 3: Stralsund – 644 Punkte. Urteil: Konkurrenz Ozeaneum Platz 4: Greifswald – 607 Punkte. Urteil: Konkurrenz Pommern-Museum Platz 5: Putbus – 484 Punkte. Urteil: entlegen, Infrastruktur-Mangel Platz 6: Groß Raden – 470 Punkte. Urteil: entlegen, Infrastruktur-Mangel Platz 7: Neustrelitz – 449 Punkte. Urteil: entlegen, Kultur-Konkurrenz Platz 8: Bad Kleinen – 338 Punkte. Urteil: entlegen, kaum Infrastruktur Platz 9: Tollensetal – 60 Punkte. Urteil: entlegen, noch Ausgrabungsstätte

Frank Pubantz

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