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Mysteriöses Robben-Sterben an der Ostseeküste

Stralsund Mysteriöses Robben-Sterben an der Ostseeküste

Experten des Meeresmuseums untersuchen ein Dutzend Kadaver. Todesursache ist bisher unbekannt.

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Elf tote Robben – das ist viel. Warum sie verendet sind, wissen wir bisher nicht.“Dr. Michael Dähne, Meeresbiologe

Quelle: Dietmar Lilienthal

Stralsund. Eine mysteriöse Serie von Todesfällen bei Kegelrobben in der Ostsee vor MV beschäftigt derzeit Meeresbiologen. Etwa ein Dutzend toter Tiere wurde in den vergangenen Wochen zwischen Poel und Rügen gefunden. Experten des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund untersuchen die Kadaver ab heute.

OZ-Bild

Experten des Meeresmuseums untersuchen ein Dutzend Kadaver. Todesursache ist bisher unbekannt.

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Robben auf Vormarsch

30000 Kegelrobben leben derzeit in der Ostsee, vorwiegend im Norden. Auf etwa 10000 wird die Zahl der Seehunde im Binnenmeer geschätzt. Auch an der deutschen Küste häufen sich die Sichtungen von Kegelrobben, vor allem im Greifswalder Bodden.

Die Tiere sollten nicht gestört werden, Experten empfehlen einen Mindestabstand von 100 Metern.

„Zu diesem Zeitpunkt ist das viel“, sagt Dr. Michael Dähne, Experte für Meeressäuger in Stralsund. Von elf bestätigten Fällen wisse er. Das ist fast so viel wie im ganzen Jahr 2015, als 17 tote Robben gefunden wurden. Hinzu kämen dieses Mal aber noch einige Funde, die bisher nicht erfasst wurden. Denn oft finden die Meeresbiologen nur noch Fragmente toter Tiere, die nur schwer zuzuordnen seien, sagt Anne Herrmann vom Stralsunder Meeresmuseum. Auch drei tote Seehunde wurden gefunden.

Zu den Ursachen der Todesfälle könne noch nichts gesagt werden. Die Kadaver sollen heute und morgen im Meeresmuseum seziert und untersucht werden. Möglich wäre einiges, so Dähne. So seien vor Jahren viele Tiere an Seehundstaupe verendet, auch Infektionskrankheiten kämen in Frage oder eine Influenza wie vor zwei Jahren bei Anholt/Dänemark. Damals fanden rund 200 Robben den Tod.

Auszuschließen sei auch nicht, dass der Mensch Verursacher des Robben-Sterbens ist. Stichwort: Umweltverschmutzung. Auch Bootsschrauben seien eine Gefahr für die Meeressäuger.

Dabei habe sich die Population der Kegelrobben zum Glück in den Jahren wieder erholt. Gab es vor gut 100 Jahren noch 100000 dieser Tiere in der Ostsee, sei die Zahl bis in die 1980 Jahre auf etwa 2000 gesunken, so Dähne. „Sie waren also fast ausgestorben.“ Grund für die Dezimierung der Tiere sei die freie Jagdbarkeit gewesen. Fischer sahen sie als Konkurrenten an. Heute gebe es 30000 Tiere in der Ostsee, mit positiver Tendenz auch an der deutschen Küste. Im vergangenen Jahr meldeten Mitarbeiter der World Wide Fund For Nature (WWF), eine der größten Naturschutzorganisationen der Welt, über 75 Kegelrobben im Greifswalder Bodden. Zu Jahresbeginn verzückte eine Robbe im Stralsunder Hafen viele Besucher. Kegelrobben halten sich auch in der südlichen Ostsee auf. Sie können bis zu 2,20 Meter lang und 300 Kilogramm schwer werden. Seehunde und Ringelrobben gebe es dagegen eher im Westen und Norden des Binnenmeeres.

Besorgt ist Corinna Cwielag, Geschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern, über die toten Robben. „Das ist ganz schön viel“, so Cwielag. „Gut, dass das jetzt wissenschaftlich aufgearbeitet wird.“ Das Umweltministerium sieht offenbar noch keinen Grund zur Beunruhigung. Er würden „immer mal wieder Robben angespült“, sagt eine Sprecherin.

In Sorge sind Meeresbiologen auch um die Schweinswale in der Ostsee. Zwar gebe es zwischen Nordsee und Skagerrak 300000, an den dänischen Inseln 20000 bis 30000 Tiere. In der mittleren Ostsee dagegen seien es nur rund 500. Mindestens drei Totfunde stünden seit Jahresbeginn an den MV-Küsten zu Buche, so Dähne. Eine mögliche Todesursache seien Fischernetze, in denen sich die Säuger verfangen. Dähne regt an, verstärkt Naturschutzgebiete auszuweisen. Zudem müssten Fischer neue Fangtechniken wie Fischfallen nutzen, damit die Wale ungeschoren bleiben. Damit sich die Population der Schweinswale hier erholen könne, sei auch Geduld nötig. Jedes Weibchen bringe im Laufe des Lebens vier bis fünf Junge zur Welt, wobei die Säuglingssterblichkeit hoch sei. „Die Population kann sich nur um vier Prozent pro Jahr erhöhen“, so Dähne. „Das ist relativ wenig.“

Frank Pubantz

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