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Nach 125 Jahren: Lilienthal im Windkanal

Anklam/Göttingen Nach 125 Jahren: Lilienthal im Windkanal

Zum Jubiläum des Erstflugs wird der historische Gleiter des Flugpioniers für einen Test in Anklam nachgebaut

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Museumsleiter Bernd Lukasch (l.) und Mitarbeiter Ingolf Legat bauen Lilienthals Flugapparat nach.

Quelle: St. Sauer/dpa

Anklam/Göttingen. Was 2003 zum 100-jährigen Erstflug der Gebrüder Wright in Amerika passierte, wollen deutsche Forscher und Museumswissenschaftler in Kürze zum 125.

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Zum Jubiläum des Erstflugs wird der historische Gleiter des Flugpioniers für einen Test in Anklam nachgebaut

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Entscheidend ist, dass der Nachbau die identischen aerodynamischen Eigenschaften besitzt wie Lilienthals Fluggerät.“Bernd Lukasch, Physiker und Direktor des Lilienthal-Museums in Anklam

Jubiläum des Erstflugs von Otto Lilienthal erproben: den aerodynamischen Test eines Flugapparate-Nachbaus im Windkanal. Die Luftfahrtexperten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Göttingen wollen damit erfahren, welches theoretische Wissen über Stabilität und Steuerung Lilienthal hatte. Er startete im Frühjahr 1891 im brandenburgischen Derwitz seinen ersten Flugversuch, arbeitete sich auf Weiten von 250 Meter vor und verunglückte 1896 bei einem Flug in den Rhinower Bergen tödlich.

Lilienthal veröffentlichte 1889 sein Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“. Doch eine theoretische Abhandlung über die Flugeigenschaften seiner Gleiter blieb er der interessierten Nachwelt schuldig, sagt der Leiter des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik, Prof. Andreas Dillmann. Nun könnten die Forscher mit dem Windkanal-Experiment die Daten nachliefern.

Es sei reine wissenschaftliche Neugier, heißt es. Sicher auch ein bisschen Abenteuergeist. Auf jeden Fall ist der Test im Jubiläumsjahr eine Verneigung vor dem Flugpionier, der 1848 in der vorpommerschen Provinzstadt Anklam geboren wurde und mit seinem Normalsegelapparat laut Dillmann das erste Serienflugzeug der Welt konstruierte. Mindestens zwölf Exemplare des motorlosen Gleitfliegers wurden nach Angaben des Direktors des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam, Bernd Lukasch, gebaut. Neun Fluggeräte wurden verkauft. Vier Stück dieses Lilienthal‘schen Flugapparates sind heute noch — in unterschiedlicher Qualität — in London, Moskau, München und Washington erhalten.

Nach Originalplänen bauen derzeit Mitarbeiter des Anklamer Museums den Flugapparat nach. Eine Bauzeichnung aus dem Lilienthal‘schen Konvolut von 1895 bildet die Vorlage. „Entscheidend ist, dass der Nachbau die identischen aerodynamischen Eigenschaften besitzt wie Lilienthals Fluggerät“, sagt der Physiker Lukasch. Neben Weide, die Lilienthal verwendete, kommt Abacchi-Tropenholz zum Einsatz, das ebenso flexibel und leicht wie Weide sei.

Mehr noch als das Holz sei die Qualität des Stoffes — seine Luftdurchlässigkeit und Flächendichte — maßgebend für die Originaltreue. Der Stoff — ein Shirting —, mit dem der Gleiter mit einer Spannweite von 6,70 Meter bespannt wird, wird derzeit extra angefertigt. Dazu wurde eine Stoffprobe des Originalgleiters im Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim untersucht.

Ende April, Anfang Mai sollen die Messungen im Windkanal im niederländischen Marknesse starten. Bei der 6-Komponenten-Messung werden alle auf den Flugkörper einwirkenden Kräfte und Drehmomente exakt erfasst.

Der Wind war jahrelang Lilienthals Begleiter. Ihm vertraute er sogar sein Leben an, bis dieser am 9. August 1896 schließlich zum tödlichen Verhängnis wurde. Eine Sonnenbö, ein plötzlicher Aufwind, so berichteten Augenzeugen, habe den Gleiter bei seinem Flug ergriffen. Der Schwerverletzte wurde mit dem Zug nach Berlin gefahren. Dort, in der Bergmann‘schen Klinik, erlag Lilienthal einen Tag später seinen Verletzungen. „Wirbelbruch“, dokumentiert das Buch im Leichenschauhaus des Polizeipräsidiums Berlin.

Von Martina Rathke

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