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Nach Badetod: Retter fordern Unterstützung

Rostock Nach Badetod: Retter fordern Unterstützung

Ehrenamtler kritisieren: Badegäste ignorieren Verbote. Das demotiviere und verschärfe die Personalnot auf den Wachtürmen.

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Taucher suchten nach Manuel. Er war mit drei anderen Kindern im Bereich der Mole ins Wasser gegangen und verschwunden.

Quelle: Wüstneck

Rostock. Nach dem tragischen Badetod des elfjährigen Manuel in Warnemünde werden Forderungen nach mehr Unterstützung für die Rettungsschwimmer laut. Der Junge aus Rostock war am Mittwoch in der Ostsee ertrunken. Er ist bereits der dritte Badetote binnen weniger Tage.

Angesichts dieser Tragödien pochen Politiker auf mehr Anerkennung für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Ihre Warnungen würden von Badegästen zu oft ignoriert. Auch Manuel war trotz Badeverbots an der Mole ins Wasser gegangen. „Die Ehrenamtler bedürfen stärkerer moralischer, aber auch finanzieller Hilfe“, fordert der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Peter Ritter. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) haben zunehmend Schwierigkeiten, Freiwillige für den Rettungsdienst zu finden. „Kein Wunder, die Aufwandsentschädigung ist wenig lukrativ“, sagt DRK-Referent Thomas Powasserat.

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Vergeblicher Einsatz: 60 Rettungskräfte hatten nach dem elfjährigen Manuel gesucht. Der Junge konnte am späten Mittwochabend nur noch tot aus der Ostsee geborgen werden.

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Doch Geld allein könne das Problem nicht lösen. „25 oder 35 Euro pro Tag — es wird immer zu wenig sein.“ Die Türme mit hauptamtlichen und entsprechend bezahlten Rettern zu besetzen, sei hingegen keine Alternative, befindet der DRK-Sprecher. „Im Strandabschnitt Warnemünde und Markgrafenheide brauchen wir beispielsweise 34 Einsatzkräfte. Das könnte sich keine Kommune leisten“, rechnet der Rettungsschwimmer vor.

Gegen den Einsatz von hauptamtlichen Rettungsschwimmern sprechen sich auch CDU und Linke aus. „Eine ‚Baywatch‘ für MV halte ich für wenig praktikabel“, sagt Peter Ritter. Dem pflichtet Bernd Schubert, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, bei. Doch in Sachen Prävention müsse nachgebessert werden. „Die Badeorte sollten prüfen, wie unsere Gäste noch besser über die Gefahren, die es trotz Rettungsschwimmern und Rettungsgeräten immer gibt, aufgeklärt werden können.“

Verbesserungen regt auch Bernd Fischer, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, an. „Eine gesetzliche Grundlage, die Rechte und Pflichten der DLRG oder des DRK regelt, gibt es bisher nicht. Zu überlegen wäre, ob man hier eine landesweite Basis in Form von gesetzlichen Rahmenbedingungen in Betracht zieht.“ Ein hundertprozentige Sicherheit werde es an der Ostsee aber nie geben — auch nicht mit Berufsrettungsschwimmern. Deshalb müsse jeder Badegast selbst Verantwortung übernehmen, mahnt die SPD-Landtagsabgeordnete Martina Tegtmeier. „Ganz wichtig ist die Befolgung der Baderegeln und Warnungen. Dafür muss das Bewusstsein geschärft werden.“

Das gelinge jedoch viel zu selten, bemängelt Powasserat. Die Ehrenamtler würden von Badegästen oft nicht ernst genommen. Das schrecke potentielle Freiwillige ab. Dabei bringen die Retter im Notfall ihr Leben in Gefahr, opfern ihre Freizeit, bekommen dafür aber nur bis zu 25 Euro pro Tag. Um Unfälle, wie den Tod von Manuel, zu verhindern, appelliert er an die Menschen, Baderegeln zu beachten.

Die Anteilnahme an Manuels Tod ist indes riesig: Über das soziale Netzwerk Facebook haben Hunderte im Internet ihr Beileid bekundet. Auch die Eltern des Jungen melden sich hier zu Wort: „Unser Sohn war ein lebenslustiger und aufgeschlossener kleiner Mann. Wir lieben und vermissen dich so sehr“, schreibt Stephan, der Vater des Jungen. Familie, Freunde und Trauernde wollen sich am Freitag um 18 Uhr zwischen Turm 2 und Neptun Hotel treffen und für den Verstorbenen Kerzen anzünden.

Zwei Männer vermisst
Noch immer in Lebensgefahr schwebt die 31-jährige Frau, die am Sonntag vor Heringsdorf auf Usedom verunglückt war. Ihr neunjähriger Sohn war nahe der Seebrücke ertrunken. Gestorben war auch ein 72-Jähriger beim Baden in Trassenheide.

Im Land sind in diesem Jahr bisher mindestens fünf Menschen beim Baden ums Leben gekommen, darunter zwei Kinder. Zwei Männer werden noch vermisst: ein 48-jähriger Niedersachse, der am Dienstag mit seinem Kajak auf dem Großen Jasmunder Bodden vor Rügen gekentert war, und ein 30-Jähriger, der am Sonntag an einem Baggersee bei Pinnow (Kreis Ludwigslust-Parchim) verschwand.

 

Antje Bernstein

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