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MV aktuell Nach Tornadoschaden: Ärzteversicherung wirft Zahnarzt raus
Nachrichten MV aktuell Nach Tornadoschaden: Ärzteversicherung wirft Zahnarzt raus
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00:01 04.05.2016

„Das war ein hartes Jahr für uns“, sagt der Bützower Zahnarzt Dr. Mathias Wolschon. Der 53-Jährige meint die Zeit nach dem Tornado, der auch seine Zahnarztpraxis in der Hauptstraße der Kleinstadt schwer in Mitleidenschaft gezogen hatte. Der Wirbelsturm hatte das Dach des über 100 Jahre alten Hauses abgehoben und die Innenräume verwüstet: Fensterscheiben waren zertrümmert, der Fußboden mit Löchern übersät, die Decke eingebrochen, der Schwenkarm des Behandlungsstuhls beschädigt. Nach den Schäden dann die Rennerei nach Handwerkern, die Reparaturen bei laufendem Praxisbetrieb, die Bürokratie mit der Versicherung.

„Jetzt allerdings gibt‘s noch richtig eins obendrauf, wie zur Belohnung“, sagt der gebürtige Rostocker, der seit 1987 in Bützow wohnt. Am 18. April schickte ihm seine Arzt-Praxisversicherung die Kündigung. „Fast pünktlich zum Jubiläum“, meint der Mediziner, der sieben Mitarbeiter beschäftigt, sarkastisch. Dabei handelt es sich keineswegs um Millionenbeträge, die die Deutsche Ärzteversicherung begleichen sollte. Auf etwa 20000 Euro beläuft sich die Summe, für die die Praxis-Versicherung aufkommen soll. Den größten Teil der Schäden hatte der Gebäudeversicherer übernommen.

Auf ihrer Homepage preist sich die Deutsche Ärzteversicherung, eine Tochter des AXA-Konzerns, als „führender Standesversicherer für akademische Heilberufe“, der seinen Kunden „maßgeschneiderte Lösungen“ bietet. Für Dr. Wolschon bedeutet das jedoch: Rausschmiss — gleich bei der ersten Schadensregulierung. Im „Interesse der Versichertengemeinschaft“ müsse auf die Stabilität der Beiträge geachtet werden, damit „das Kollektiv nicht über Gebühr durch ... einzelne Kunden belastet wird“, heißt es in dem Schreiben.

Seit 1991 ist Mathias Wolschon Kunde beim deutschen Marktführer unter den Ärzteversicherungen. Die Beiträge hat der Mediziner immer pünktlich bezahlt, rund 700 Euro pro Jahr.

Auch andere Versicherer hatten nach dem Wirbelsturm Kunden in höhere Risikoklassen eingestuft (die OZ berichtete). Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos) reagierte damals verärgert. „Der Tornado war für Bützow ein einmaliges Ereignis, da müsste ja ganz Norddeutschland als Tornado-Land hochgestuft werden“, meinte er. Auch Dr. Wolschon weiß aus seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Kommunalpolitiker und Bützower Stadtpräsident, dass „die Versicherungen unterschiedlich agierten“, wie er sagt. „Einige waren kulant, andere nicht.“

Axel Drückler von der Verbraucherzentrale MV kennt die „üble Praxis“, dass Versicherer Kunden nach Schäden kündigen — oft schon beim ersten Vorfall. Auch bei Rechtsschutzversicherungen sei das so.

Drückler: „Ich finde das fragwürdig, doch das Gesetz gibt es leider her.“

Dr. Wolschon hatte schon einmal Ärger mit der Ärzteversicherung. Als er 2013 von einem psychisch gestörten Patienten tätlich angegriffen worden, ging die Zahnarzt-Lupenbrille zu Bruch. „Es galt nicht als Vandalismus, war auch kein Einbruch — also zahlte die Versicherung nicht“, nahm der Mediziner zur Kenntnis. „Es floss kein Geld, wird jetzt aber als Schaden mitgezählt“, ärgert sich der drahtige Mann, der in seiner Freizeit Marathon läuft. Als Sportler hat der Vater von sieben Kindern einen langen Atem. In diesem Fall aber ist seine Geduld am Ende. „Mit einer Firma, in der nicht der konkrete Fall betrachtet wird, sondern Computer entscheiden, will ich nichts mehr zu tun haben.“

Von Elke Ehlers

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