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Nach dem Terror in Brüssel: „Ich bin froh, jetzt erst mal in Stralsund zu sein“

Nach dem Terror in Brüssel: „Ich bin froh, jetzt erst mal in Stralsund zu sein“

Die Stralsunderin Dana Vitu (40) lebt mit ihrem Freund und ihren drei Kindern in Brüssel. Wie sie dort die Terroranschläge in der vergangenen Woche erlebte, schildert sie in einer E-Mail vom 29.

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Die Stralsunderin Dana Vitu mit ihren Kindern Lina (5), Marie (1) und Emma (3/v.l.).

Quelle: privat

Die Stralsunderin Dana Vitu (40) lebt mit ihrem Freund und ihren drei Kindern in Brüssel. Wie sie dort die Terroranschläge in der vergangenen Woche erlebte, schildert sie in einer E-Mail vom 29. März:

Ich bin vor zwei Tagen mit den Kindern von Brüssel nach Stralsund geflüchtet. Die letzten Tage in Brüssel waren ziemlich anstrengend und nervenaufreibend.

Der Alltag war bereits seit den Anschlägen in Paris ziemlich schwierig. Damals war das öffentliche Leben völlig zum Erliegen gekommen und wir wurden aufgefordert, unsere Wohnungen möglichst nicht zu verlassen. Danach hatte es sich ein bisschen normalisiert, aber die Angst war immer da. Deswegen bin ich mit den Kindern auch nicht mehr einkaufen gegangen und ich habe nicht den öffentlichen Nahverkehr benutzt. Überall waren Soldaten mit Maschinengewehren. Es gab sogar im Supermarkt Kontrollen. Irgendwie hatte sich das angefühlt wie im Krieg. Wir hatten alle gewartet, dass irgendetwas geschieht.

Als dann der Anschlag im Flughafen passierte, war ich gerade auf dem Weg zum Kindergarten, der ganz in der Nähe vom Flughafen ist. Man konnte das Geräusch der Detonation hören. Als wir Eltern dann vor dem Kindergarten standen und darüber sprachen, sind wir davon ausgegangen, dass es ein sehr schwerer Unfall auf der Autobahn gewesen sein müsse.

Erst ein paar Minuten später hatte mein Freund mich angerufen und mich über alles informiert und mir gesagt, dass ich besser nicht in die Stadt zurückfahren, sondern irgendwo weit weg abwarten solle.

Eine Stunde später bekam ich dann den zweiten Anruf, der mich über den Anschlag in der U-Bahn informierte. Es gab dann Straßensperrungen und -blockaden und ich wusste gar nicht, ob es überhaupt möglich sein würde, nach Hause zu fahren.

Ich habe schließlich kleine Straßen gewählt und mit sehr viel Stau gerechnet. Aber wir waren dann fast allein unterwegs. Nur die Polizeiautos brausten mit Blaulicht an uns vorbei. Das war ziemlich gespenstisch, weil es in Brüssel sonst nur die Unterscheidung zwischen sehr viel Stau und etwas weniger Stau gibt.

Zu Hause fing das lange Warten an, ob Freunde und Bekannte von den Anschlägen betroffen waren. Zum Glück war das nicht der Fall. Außerdem musste ich wieder einmal die schwierige Entscheidung treffen, ob ich die Kinder am nächsten Tag in den Kindergarten schicke. Zudem musste ich schauen, wann und wie ich nach Stralsund komme, wo ich Ostern verbringen wollte. Letztlich konnten wir mit einem Zug fahren. Ich bin froh, jetzt erst mal in Stralsund zu sein. In zwei Wochen werde ich mit den Kindern aber wieder zurück nach Brüssel fahren. Das Leben dort wird aber sicher nicht einfacher.

OZ

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