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Nach der Wahlschlappe: Grüne suchen Weg aus der Krise

Neubrandenburg Nach der Wahlschlappe: Grüne suchen Weg aus der Krise

Gedrückte Stimmung bei Parteitag / Claudia Müller und Johann-Georg Jaeger zu neuer Doppelspitze gewählt / Partei will außerhalb des Landtags mit Energiewende punkten

Neubrandenburg. Die Windräder wollen einfach nicht stehen. Immer wieder fallen sie um. Die Landesgrünen versuchen, in der Pause ihres Parteitages eine bildstarke Aktion zu liefern. Ein gelbes Fass mit dem Symbol für Radioaktivität soll Windräder überrollen. Botschaft: Die Energiewende hat mächtige Gegner. Aber die Windräder fallen erst mal von selbst um. Dann stellen sich die Grünen zum Foto auf. Sie stehen vor dem Neubrandenburger Haus der Kultur und Bildung – im Regen.

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Gedrückte Stimmung bei Parteitag / Claudia Müller und Johann-Georg Jaeger zu neuer Doppelspitze gewählt / Partei will außerhalb des Landtags mit Energiewende punkten

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Gedrückte Stimmung herrscht im Saal. Die Grünen haben am 4. September mit 4,8 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag verpasst. Mit fatalen Folgen für die Partei: keine Fraktion mehr, 40 Jobs weg, der Landesverband muss finanziell kräftig abspecken. Claudia Müller (35) ist aufgewühlt. Die Landesvorsitzende aus Stralsund, die die Parteimitglieder am Ende deutlich wiederwählen werden, muss sich einer Kampfkandidatur stellen. Ulrike Berger (37), Bildungsexpertin aus Greifswald, hat zwei Tage vor dem Parteitag die Gegenkandidatur erklärt. Normaler Vorgang, sagt Müller. Demokratie brauche Auswahl. Aber: „Innen brodelt's.“ Müller analysiert die Wahlschlappe, räumt Fehler ein, sagt aber auch: Sie werde bleiben, wie sie ist. Sachlich, analytisch, moderierend. Der Anti-AfD-Wahlkampf habe die Grünen den Landtagseinzug gekostet, erklärt Müller. Dadurch seien viele Wähler zur SPD gezogen. Berger fordert mehr Strahlkraft in der außerparlamentarischen Opposition. „Wir müssen kämpferisch und wahrnehmbar sein.“ Am Ende erhält sie 27 Stimmen, Müller dagegen 57. Ein Ergebnis, das nach Meinung auch führender Parteimitglieder den Machtkampf in der Partei dokumentiert. Auch der neue Co-Landesvorsitzende Johann-Georg Jaeger (50) aus Rostock bekommt dies zu spüren. Ohne Gegenkandidaten erhält der Windkraft-Experte nur 52 von 85 Stimmen. Später sieht man ihn mit Berger im Freien lebhaft streiten.

„Wir haben Fehler gemacht“, sagt Andreas Katz. Der Crivitzer ist nach der Wahlschlappe nicht wieder zur Wahl als Landesvorsitzender angetreten. Er übernehme die Verantwortung. Er sei aber überzeugt:

Das Land brauche Grüne, die sich gegen „Abschiebeminister Caffier, Wischiwaschi-Ministerpräsident Sellering und eine starke AfD“ stellen. Dem SPD-Chef wirft er eine „Politik nach Gutsherrenart“ vor, Beliebigkeit. Das werde sich rächen, gefährde die Demokratie. Katz spricht leise, erntet stehende Ovationen.

Michael Kellner will seine Parteifreunde wieder aufrichten: „Schafft es wieder, zu Geschlossenheit zu kommen“, fordert der Bundesgeschäftsführer der Grünen. Umweltschutz, erneuerbare Energien, soziale Gesellschaft – das seien Themen, mit denen die Partei in MV wieder auf die Beine komme.

Aber wie? Ratlosigkeit hängt im Saal des Hauses für Kultur und Bildung. Hier haben CDU und SPD vor Monaten wichtige Parteitage abgehalten. Die SPD schunkelte zu Shanties. Die Grünen brauchen nur den halben Platz. „Die Leute da draußen verstehen uns nicht“, sagt Silke Gajek. Die Schwerinerin war Spitzenkandidatin zur Landtagswahl. Die Grünen sollten ihren „Perfektionismus runterfahren“, sagt Gajek. Andreas Wegner, Neubrandenburg, fordert Demut vor dem Wähler. Ronja Thiede von der Grünen Jugend moniert, die Partei habe zu sehr auf die Regierungsbeteiligung geschielt, eine stärkere Abgrenzung von der CDU wäre besser gewesen.

Doch die Grünen seien nicht tot, beschwört Fabian Czerwinski die Parteifreunde. Inhaltlich sei die Partei bei Enzelthemen besser aufgestellt „als die Landesregierung“. Die Zahl der Mitglieder sei nach der Niederlage sogar auf mehr als 600 gestiegen. Die Partei sollte nach vorn schauen, so Bundestagsabgeordneter Harald Terpe aus Rostock. Zur Bundestagswahl müsse sie wieder angreifen. Wichtg sei der Klimaschutz. „Es wird Klimaflüchtlinge geben. Und zwar noch mehr, wenn wir nicht die richtige Politik betreiben.“

Frank Pubantz

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