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MV aktuell Nasser Acker: Raupe blieb im Modder stecken
Nachrichten MV aktuell Nasser Acker: Raupe blieb im Modder stecken
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07:05 20.04.2018
Mit seiner 25 Tonnen schweren Raupe blieb Bodo Meding von der Agrargenossenschaft Bartelshagen I im nassen Acker stecken. Doch zwei Kollegen konnten ihn mit leistungsstarken Traktoren wieder freischleppen. Quelle: Christian Rödel
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Das hat Bodo Meding noch nicht erlebt: Als er auf einem Feld bei Brünkendorf (Vorpommern-Rügen) das Saatbett für die Braugerstenaussaat vorbereitete, sackte die Raupe mehr als einen halben Meter tief im Modder ein. Seit mehr als sechs Jahren steuert der 55-Jährige solche Spezialschlepper, aber festgefahren hat er sich damit noch nie. Mit den mehr als 70 Zentimeter breiten Gummiketten gleiten Raupen besser über den Acker als Traktoren mit ihren zumeist schmaleren Reifen. Raupen gelten deshalb als besonders bodenschonend. Erst vor zwei Wochen hat sich die Agrargenossenschaft Bartelshagen I das neue, rote Kraftpaket angeschafft.

Doch in diesem Frühjahr ist vieles anders. „Auf den Feldern steht deutlich mehr Wasser als sonst“, sagt  Martin Piehl vom Landesbauernverband in Neubrandenburg. Überall nasse Stellen, oft sogar riesige Pfützen. Der Regen der letzten Tage, die Schneeschmelze nach Ostern, der viele Niederschlag im vergangenen Herbst - all das hat zu diesen Überschwemmungen geführt. 

Der Chef der Bartelshagener Genossenschaft, Wilfried Lenschow, zeigt auf eine Wasserfläche mitten im Weizen, einen halben Hektar groß. „Da ist der Teich übergelaufen, rein ins Feld.“ Wann das abgetrocket ist? Lenschow zuckt mit den Schultern. „Das kann Wochen dauern.“ Die Pflanzen werden dann verfault sein und für das Nachdrillen wird es wohl zu spät. „Zur Ernte fehlt uns das am Ergebnis“, weiß der Diplom-Agraringenieur heute schon.

Dass die neue Raupe bei Brünkendorf steckenblieb - im ersten Moment hat Lenschow geflucht. Doch dem Fahrer gibt er keine Schuld. „Bodo ist ein sehr besonnener Kollege, hat viel Erfahrung“, lobt der Chef. 

Auch die Drainage werde regelmäßig repariert und durchgespült, versichert Lenschow. Wie zum Beweis rollt auf der Dorfstraße bei Kuhlrade die „Meliorations-Brigade“ vorbei. Zwei Mitarbeiter mit Bagger, Tankwagen und Pumpe. Wo Sand die Rohre zugesetzt hat, werden sie mit hohem Druck freigespült.

„Dieses Jahr ist wirklich extrem nass. Und uns sitzt die Zeit im Nacken“, sagt Lenschow. Vier Wochen haben die Bauern Zeitverzug in der Frühjahrsbestellung. Sie kommen mit der schweren Technik nicht auf die Felder.

Allein am vorigen Wochenende sind rund um Bartelshagen I wieder 14 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gefallen, zehn Kilometer weiter dagegen fast nichts. „Damit haben wir jetzt schon wieder die halbe Jahresmenge abbekommen“, sagt der Betriebsleiter, der extra nochmal in die Statistik geschaut hat. „In normalen Jahren haben wir pro Quadratmeter rund 600 Liter Regen.“ 2017 wurden 837 Liter gemessen, also fast 50 Prozent mehr. Besonders schlimm sei es Anfang Oktober gewesen. Lenschow: „Da fielen in drei Tagen fast 100 Liter je Quadratmeter, danach konnten wir die Herbstbestellung vergessen.“

In Brünkendorf sollte eigentlich längst Winterweizen wachsen, doch den bekam die Genossenschaft  wegen der Nässe im Herbst nicht in den Boden. Insgesamt fehlen dem Betrieb nun 250 Hektar Weizen und 100 Hektar Roggen.  Auf diesen Flächen sollen nun mehr Sommerkulturen gesät werden: Braugerste, Lupine, Hafer, Zuckerrüben, Mais. Das Problem: Sommersorten sind nicht so ertragreich wie Winterkulturen. „Wirtschaftlich wird das ganz schwierig“, so der Genossenschaftschef.

Bodo Meding weiß: Ärgern bringt nichts. Und mit der Raupe ging ja alles glimpflich ab. Kollegen haben sie mit zwei leistungsstarken Traktoren befreit, an der Technik wurde nichts beschädigt. Auf einem anderen Acker dreht er mit dem 620 PS starken Gefährt wieder seine Runden und bereitet das Saatbett für Lupinen vor.

Auch Wilfried Lenschow setzt auf das Prinzip Hoffnung. Wenn es jetzt mal eine Woche sonnig und ein bisschen windig ist, trocknen die Felder ab. „Dann sieht die Sache ganz anders aus.“ Die Natur könne noch manches ausgleichen. Allerdings: „Für nächste Woche ist schon wieder Regen angesagt.“

Ehlers Elke

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