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Naturschützer, Weltverbesserer — Michael Succow wird 75

Greifswald Naturschützer, Weltverbesserer — Michael Succow wird 75

Ökologe schrieb Geschichte mit dem ostdeutschen Nationalparkprogramm

Greifswald. . Der Garten des Ökologen Michael Succow in einer Eigenheimsiedlung bei Greifswald hebt sich sichtbar durch Wildwuchs von akkuraten Gärten seiner Nachbarn ab. Stromlinienförmig zu sein ist nicht Succows Ding — so offenbart der Multikulti-Garten mit amerikanischer Strauchkastanie, persischem Eisenholzbaum und Wildpflaume auch das Wesen des Naturschützers Succow, der am 21. April seinen 75. Geburtstag feiert.

Populär geworden ist der Ökologe Succow 1990 mit der Initiierung des Nationalparkprogramms  in der untergehenden DDR. Als „Tafelsilber der deutschen Einheit“ gingen fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate sowie drei Naturparks neuer Prägung zwischen Ostsee und Thüringen in die Wiedervereinigung ein. Dieser Geniestreich, im staatlichen Vakuum nach dem DDR-Kollaps große Areale als Schutzgebiete zu sichern, ist Geschichte. Er wurde vielfach geehrt. 1997 erhielt Succow den Alternativen Nobelpreis.

Was danach folgte, glich einem weiteren Coup. Mit dem Preisgeld von damals 100 000 D-Mark gründete Succow eine Stiftung, die einem Schneeball gleich Naturschutzprojekte in Asien, Afrika und den früheren Ostblock-Staaten anschob. Dem Ökologen geht es inzwischen längst um globale Fragen. „Das Projekt Natur läuft weiter. Aber das Projekt Mensch ist eine Frage mit unbekanntem Ausgang.“ Es gehe ihm darum, dass der Mensch weiter Teil der Natur bleibe und nicht ein interglazialer Irrtum, sagt Succow.

Mit seiner leisen, aber eindringlichen Art hat der Ökologe was Missionarisches. Und etwas schlitzohrig ist er auch. „Eine Handbreit über dem Zulässigen zu agieren“, das war seine Haltung in der DDR. Wegen seiner Kritik an der Niederschlagung des Prager Frühlings schied der Wissenschaftler aus der Universität Greifswald aus. Was folgte, waren vier Jahre „Bewährung in der Produktion“.

Nach der Energiewende mit Atomausstieg und Hinwendung zu erneuerbaren Energieformen ist jetzt eine konsequente Agrarwende geboten, drängt Succow. Gerade im Osten Deutschlands betrieben große Agrarfirmen Raubbau an Böden. Die natürliche Fruchtbarkeit werde ruiniert. Kapitalanleger kauften Böden, um angesichts steigender Preise mit den Flächen zu spekulieren. Der Bodenspekulation müsse durch schärfere Gesetze begegnet werden, fordert Succow. „Das Land muss denen gehören, die dort leben und arbeiten“, sagt Succow.

Die regionale Wertschöpfung auszubauen, gilt für Succow nicht nur für den Osten Deutschlands. Die politischen Unruhen und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme aus Nordafrika und dem Mittleren Osten seien in der Armut der dort lebenden Menschen und der Naturzerstörung begründet. Dazu gehören auch die bislang als Entwicklungshilfe deklarierten agrarischen Mega-Projekte, wie der Ökologe sagt. Für die MENA-Staaten (Middle East, North Africa) ist inzwischen Succows Wissen beim Aufbau von Wertschöpfungsketten und dem Erhalt der ländlichen Kultur wie auch des verbliebenen Naturkapitals gefragt.

Der Naturschützer wird von Mitstreitern als Vermittler und Brückenbauer gesehen. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), würdigte Michael Succow jüngst als eine „Ausnahmepersönlichkeit im Naturschutz mit Charisma“. Martina Rathke

OZ

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