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MV aktuell Neue Anklage gegen Rostocker Chirurgen
Nachrichten MV aktuell Neue Anklage gegen Rostocker Chirurgen
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00:05 21.11.2016

Rostock. Der Rostocker Mediziner Thomas M. muss sich demnächst wahrscheinlich erneut vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Rostock hat Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 53-jährigen Neurochirurgen erhoben. Damit wurde ein Ermittlungsverfahren abgeschlossen. „Drei weitere sind noch offen“, sagt Harald Nowack, Sprecher der Staatswaltschaft. Drei Ermittlungsverfahren wurden eingestellt: In zwei Fällen waren die Vorwürfe mittlerweile verjährt, beim dritten stuften die Ermittler sie als weniger schwerwiegend ein.

Thomas M. FOTO: Bernd Wüstneck/DPA

Ehemalige Patienten werfen M. vor, sie mit nicht korrekt durchgeführten und teils unnötigen Wirbelsäulenoperationen verletzt zu haben. Viele Betroffene erlitten bleibende Schäden und wurden berufsunfähig.

M. sitzt bereits seit längerem im Gefängnis. Das Landgericht Rostock hatte ihn 2014 zu vier Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Außerdem darf er nach der Entlassung drei Jahre nicht praktizieren. Er hatte Krankenkassen und Abrechnungsfirmen mit manipulierten Rechnungen um 1,5 Millionen Euro betrogen. Die körperlichen Folgen seiner Patienten spielten in diesem Prozess keine Rolle.

Temba Hoch, Pflichtverteidiger des Mediziners, betont, dass die Anklage noch nicht vom Landgericht zur Hauptverhandlung zugelassen wurde. Er werde sich im Rahmen des sogenannten Zwischenverfahrens dazu äußern. „Ich bin guter Dinge, dass die Vorwürfe danach in einem anderen Licht erscheinen“, sagt der Anwalt.

M. hatte um den Jahrtausendwechsel in Rostock eine Praxis-Klinik eröffnet, in der er spätestens ab 2002 Operationen durchführte. Von da an meldeten sich immer wieder Patienten unter anderem an der Rostocker Uniklinik, die unter Folgeschäden litten. Ab 2009 geriet der Mediziner ins Visier der Justiz. Die Ärztekammer zeigte ihn wegen Abrechnungsbetrug und Körperverletzung an. Verfolgt wurde nur der Betrug.

2010 verlor der Pfusch-Doktor seine Kassenzulassung, operierte aber weiter, an Privatpatienten. Eine Patientin aus der Nähe von Neubrandenburg drehte er in dieser Zeit laut einem Gutachten vier Schrauben ins Kleinhirn, nur mit Glück entging sie einer Querschnittslähmung. Eine Rentnerin von der Insel Rügen warf M. vor, sie „in den Rollstuhl operiert“ zu haben. Ab Mai 2013 praktizierte M. mit gefälschten Dokumenten für ein halbes Jahr in der Schweiz, Anfang 2014 wurde er in Deutschland verhaftet. Anwälte der Opfer äußern ihr Unverständnis, dass der Arzt erst so spät von den Behörden gestoppt wurde.

Die Zahl der Patienten mit bleibenden Beeinträchtigungen ist unklar. Einige wurden von einer Berufshaftpflichtversicherung finanziell entschädigt, die der Mediziner zeitweise besaß, und verzichteten auf eine Strafverfolgung. Insgesamt 15 Patienten hatten 2014 am Rostocker Landgericht Schadensersatzforderungen gegen M. geltend gemacht.

Ob und wann der Körperverletzungs-Prozess beginnt, ist noch offen, so Gerichtsprecherin Hansje Eidam. Ein Prozessauftakt noch in diesem Jahr sei aber so gut wie ausgeschlossen.

Behandlungsfehler mit schweren Folgen

4 Jahre und 7 Monate Haft lautete im Oktober 2014 das Urteil gegen Thomas M. (Foto) wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Der Chirurg aus Rostock hatte Leistungen über 1,5 Millionen Euro abgerechnet, die er nur teils oder gar nicht erbracht hatte. Nun droht ihm ein weiterer Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung. Patienten werfen ihm massive Behandlungsfehler vor, die zu schweren Schäden geführt haben sollen.

Gerald Kleine Wördemann

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