Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Neue Anreize für sozialen Wohnungsbau
Nachrichten MV aktuell Neue Anreize für sozialen Wohnungsbau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 12.02.2019
Blick aus einem Hubschrauber auf das Wohngebiet Rostock-Dierkow. Quelle: Büttner/dpa
Schwerin

Wohnungsnot in Uni-Städten und Badeorten Mecklenburg-Vorpommerns: Vor allem Geringverdiener suchen dort nach bezahlbaren Wohnungen. Nun setzt die Landesregierung neue Anreize für den sozialen Wohnungsbau.

Schwerin (dpa/mv) - Mecklenburg-Vorpommern reagiert auf den akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum in einigen Städten des Landes und richtet die Förderung für den sozialen Wohnungsbau neu aus. So werden die staatlichen Investitionszuschüsse als Reaktion auf gestiegene Bauland- und Baupreise um etwa ein Drittel angehoben. Zudem erfolgt die Förderung fortan über zwei Wege mit unterschiedlichen Mietstufen. „Selbst Familien mit mittlerem Einkommen können sich in Städten wie Rostock oder Greifswald Neubau-Mieten oft nicht leisten. Auch diese Familien sollen Zugang zum geförderten Mietwohnungsmarkt erhalten“, sagte Bauminister Christian Pegel (SPD) am Dienstag in Schwerin bei der Vorstellung der neuen Förderrichtlinie.

21 Millionen Euro stehen bereit

Nach seinen Angaben stehen für das laufende Jahr rund 21 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung, weitere Millionen für Sanierungen und den Einbau von Fahrstühlen. Abhängig von Antragstellung und Wohnungsgröße könnten mit Hilfe der staatlichen Zuschüsse 400 bis 500 neue Sozialwohnungen pro Jahr entstehen. Das wäre ein Zuwachs von knapp 10 Prozent. Derzeit gebe es landesweit noch gut 5000 solcher geförderter Wohnungen, sagte Pegel. Doch laufe die zwanzigjährige Mietpreisbindung nach und nach aus.

Der neuen, von den Wohnungsgesellschaften seit langem geforderten Richtlinie zufolge gewährt das Land nun Investitionskostenzuschüsse von maximal 850 Euro je Quadratmeter und damit 200 Euro mehr als bisher. Voraussetzung ist, dass eine Mietobergrenze von 6 Euro pro Quadratmeter garantiert wird. Bislang galt ein Höchstwert von 5,50 Euro. In der neu eingeführten zweiten Förderkategorie stellt das Land Zuschüsse von bis zu 700 Euro je Quadratmeter bereit. In dem Fall darf der Mietpreis 6,80 Euro pro Quadratmeter nicht überschreitet.

Länder bekommen Milliarden vom Bund

„Das Land baut nicht selbst, will durch die neue Art der Förderung aber eine Durchmischung in den Wohnquartieren erreichen“, erläuterte Pegel. In jedem Falle sei die Vergabe der Wohnungen aber an einen Wohnberechtigungsschein geknüpft. Für die Festlegung der jeweiligen Einkommensgrenzen gebe es landesweit einheitliche Kriterien.

Laut Pegel wurde die Maßgabe aus der Richtlinie gestrichen, dass nur in Städten mit einem Wohnungsleerstand von unter vier Prozent eine Förderung erlaubt ist. Somit könne der soziale Wohnungsbau bei nachgewiesenem Bedarf an allen Orten mit Zentralfunktion sowie auch in touristischen Zentren gefördert werden. Für Angestellte in der Gastronomie war die Wohnungssuche in beliebten Badeorten zuletzt nahezu aussichtslos.

Zur Linderung des Wohnungsproblems bekommen die Länder für den sozialen Wohnungsbau seit 2016 Milliarden vom Bund. Nach Angaben Pegels wurden im Nordosten bislang Neubauvorhaben mit 415 Mietwohnungen in Rostock, Greifswald, Bad Doberan, Waren und Neubrandenburg mit Fördermitteln in Höhe von 18,7 Millionen Euro unterstützt. Allerdings ist ein Teil davon noch im Bau.

Linke begrüßt neue Richtlinie

Die oppositionelle Linke begrüßte die Richtlinienänderung für den sozialen Wohnungsbau in Mecklenburg-Vorpommern. „Endlich werden neben Sozialwohnungen auch Wohnungen mit etwas höheren Mieten gefördert. Davon profitieren Einwohner die nicht viel verdienen, aber auch keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben“, erklärte die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Kröger. Bedauerlich sei allerdings, dass die neue Richtlinie erst verspätet in Kraft treten. Kröger erneuerte zudem die Forderung, die sogenannten Entflechtungsmittel vom Bund in Höhe von 52 Millionen Euro vollständig für den sozialen Wohnungsbau einzusetzen. „Ohne mehr Fördermittel verpuffen verbesserte Förderbedingungen“, warnte die Oppositionspolitikerin.

Mehr zum Thema

Kommentar: Sozialer Wohnungsbau: Wichtig für die Seele einer Stadt

Frank Pfaff