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MV aktuell Neuer Anlauf im Prozess gegen Ex-SS-Sanitäter von Auschwitz
Nachrichten MV aktuell Neuer Anlauf im Prozess gegen Ex-SS-Sanitäter von Auschwitz
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00:05 10.09.2016
Das Bild zeigt die Ankunft eines neuen Transportes von Juden im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Quelle: Keystone

. In Neubrandenburg soll am Montag der Prozess gegen einen früheren SS-Sanitäter wegen Beihilfe zum vielfachen Mord neu beginnen. Dazu werde der Angeklagte (95) vor Beginn der Verhandlung noch einmal amtsärztlich untersucht, sagte eine Landgerichts-Sprecherin. Es soll ausgeschlossen werden, dass der ehemalige SS-Mann aus dem Konzentrationslager Auschwitz dem Verhandlungsbeginn aus gesundheitlichen Gründen fernbleibt – wie schon zweimal zuvor.

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95-Jähriger muss sich vor Landgericht Neubrandenburg verantworten / Vorwurf: Beihilfe zum Mord in mehr als 3600 Fällen

Dem ehemaligen Landarbeiter Hubert Z. aus der Region Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Er soll 1944 einen Monat im KZ Auschwitz-Birkenau stationiert gewesen sein. In dieser Zeit kamen dort 14 Deportationszüge an, mindestens 3681 Menschen wurden in Gaskammern getötet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann  vor, sich in die Lagerorganisation eingefügt und die Vernichtung von Leben damit befördert zu haben. Verteidiger Peter-Michael Diestel bestreitet eine Schuld seines Mandanten, der im Sanitätsdienst 1944 nur Soldaten betreut haben soll. Zudem sei der Beschuldigte nach dem Krieg in Polen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, die er auch verbüßt habe. 

Gegen den Rentner wird seit fast drei Jahren ermittelt. Streit gab es zwischen dem Landgericht, das den Prozess wegen des Gesundheitszustandes des Mannes gar nicht eröffnen wollte, und der Schweriner Staatsanwaltschaft. Schließlich ordnete das Rostocker Oberlandesgericht eine Verhandlung an.

Das Landgericht hatte den Prozess nach zwei Versuchen im März dieses Jahres ausgesetzt, weil der 95-Jährige nicht zur Verhandlung gekommen war. Zugleich wurde erneut eine ein gehende Untersuchung durch Sachverständige angeordnet.

Zuletzt gab es in Detmold (Nordrhein-Westfalen) und Lüneburg (Niedersachsen) Prozesse gegen ehemalige SS-Männer aus dem KZ Auschwitz: Das Landgericht Detmold verurteilte einen Ex-Wachmann wegen Beihilfe zum Mord in 170000 Fällen zu fünf Jahren Haft, das Landgericht Lüneburg den als „Buchhalter von Auschwitz“ bezeichneten Oskar G. (94) zu vier Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord in 300000 Fällen. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

In Kiel scheiterte ein Prozess gegen eine ehemalige SS-Funkerin bisher ebenfalls an der fehlenden Verhandlungsfähigkeit der 92-jährigen Frau. Sie soll sich wegen Beihilfe zum Mord an 260 000 Juden in Auschwitz verantworten. In Hanau (Hessen) sollte sich ein weiterer ehemaliger SS-Mann vor Gericht verantworten, er starb aber kurz vor Prozessbeginn.

Kritik an Justiz

Erneut Kritik übte das Internationale Auschwitz Komitee an der Justiz in MV. Das Gerichtsverfahren gegen den Ex-SS-Sanitäter sei seit 29.

Februar immer wieder „chaotisch verzögert“ worden, heißt es in einem offenen Brief ans Landgericht. Man habe dem Elend der Überlebenden bisher wenig Interesse entgegengebracht. Jeder SS-Täter solle vor Gericht gestellt werden, egal wie viel Zeit vergangen sei.

Winfried Wagner

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