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Neues EU-Limit: Angler dürfen nur noch fünf Dorsche fangen

Rostock Neues EU-Limit: Angler dürfen nur noch fünf Dorsche fangen

Fang-Quote ist herber Schlag für das Hochseeangeln und den Tourismus / Anbieter von Kutter-Angeltouren stehen vor dem Aus

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Rostock. Dorsche angeln, bis die Fischkiste überläuft – das ist ab dem kommenden Jahr vorbei. Die EU hat für 2017 nicht nur die Fangquote für Fischer um 56 Prozent reduziert, sondern auch die Fänge der Angler limitiert: Nur noch fünf Dorsche dürfen Hobbyangler dann pro Tag mit nach Hause nehmen. Während der Laichsaison im Februar und März sind künftig nur noch drei Dorsche erlaubt.

Anbieter von Angeltouren sind entsetzt: „Das ist das Aus für das Hochseeangeln“, sagt der Kapitän bei der HSC GmbH in Sassnitz (Rügen), Bernhard Mielitz. Angler, die aus anderen Bundesländern anreisen, würden den Aufwand für fünf Dorsche pro Tag nicht mehr auf sich nehmen. Die Folge des Limits: „Wir planen, unsere zehn Mitarbeiter zum Jahresende zu entlassen“, bedauert Mielitz. Ob der Kapitän einige Mitarbeiter ab April 2017 wieder einstellen könne, sei unklar.

Mielitz betreibt die Kutter „Rügenland“ und „Jan Cux“ (55 Euro pro Tour, Kapazität jeweils maximal 50 Angler). Insgesamt gebe es an der Küste von MV rund 40 Angelkutter. Mielitz überlegt jetzt – notgedrungen – seine Kutter als Fahrgastschiffe umrüsten zu lassen. Kostenpunkt: rund 200000 Euro pro Schiff.

Wie Mielitz rechnet auch der Präsident des Landesanglerverbands MV, Karl-

Heinz Brillowski, mit herben Einbußen für den Tourismus. „Angler kaufen Ausrüstungen, buchen Zimmer, gehen essen“, zählt Mielitz auf. Brillowski: „Viele Angler werden sich jetzt dreimal überlegen, ob sie an die Küste fahren.“ Zudem sei völlig unklar, wie das Limit überhaupt kontrolliert wird.

Dass die Meeresangler eine bedeutende Gruppe sind, machen Zahlen des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei deutlich: 90000 Angler gingen 2015 in MV mit Kutter, Privatboot oder von der Küste aus auf Jagd nach Dorsch, Scholle & Co. Im Jahr 2010 waren es noch 78000. Von den Ostseeanglern stammten mehr als zwei Drittel aus anderen Bundesländern. Die meisten Dorsche (85 Prozent) werden dabei von Kuttern aus gefangen.

Das Dorschlimit wird eingeführt, weil Angler im Schnitt ebenso viele Dorsche fangen wie Berufsfischer. Laut Thünen-Institut fingen Angler in der deutschen Ostsee im vergangenen Jahr 2962 Tonnen, die Fischer 2915 Tonnen. Auch die Fischer rechnen durch die Quotenreduzierung mit harten Einschnitten und einem Aus für viele Betriebe.

Für sinnvoll hält indes Angler Daniel Tunn (34) aus Malchow die Fangbegrenzung. Vor zehn Jahren habe er bei Diedrichshagen (Landkreis Rostock) noch „massenweise Dorsch gefangen“. Gestern hingen nur zwei Plattfische am Haken. Tunn: „Dann lieber eine Grenze setzen und an die nächsten Jahre denken.“ Seite 2

Fangverbot wird ausgeweitet

56 Prozent beträgt das Minus für die Dorschquote ab 2017 in der westlichen Ostsee. In der Diskussion war zuvor eine deutlich stärkere Kürzung um 88 Prozent. Das Dorsch- Fangverbot für die Berufsfischer wird zudem um zwei auf nun acht Wochen von Februar bis März ausgeweitet. Die Heringsquote steigt 2017 hingegen um acht Prozent.

Axel Meyer

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