Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Neues Protestkreuz vor dem Saustall Alt Tellin

Neues Protestkreuz vor dem Saustall Alt Tellin

Bürgerinitiative ersetzt das vor einem Jahr gestohlene Mahnmal / Im Dezember wird am Verwaltungsgericht Greifswald über die Klage gegen die Ferkelfabrik verhandelt

Voriger Artikel
IHK Rostock hat neue Vollversammlung gewählt
Nächster Artikel
Harutyunyan kommt zum OZ-Sporttalk

Jörg Kröger (62), Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“, zeigt das neue Protestkreuz. Fotos (2): Norbert Fellechner

Alt Tellin . „Keine Tierfabriken mehr!“Jörg Kröger kontrolliert den Schriftzug mit den roten Lettern. Und passt ihn an das neue Kreuz an. Noch liegt das überdimensionale Protest-Mal in schönstem Schweinchenrosa in seiner Werkstatt. „Am Sonnabend weihen wir es ein“, informiert der Betreiber des Wietzener Gutshauses. Aufgestellt wird das sechs Meter hohe Metall-Teil vor der Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald).

Einweihungsfeier am 12. Novem-

ber um 14 Uhr an der Schweinean- lage Alt Tellin, Standort Neu Plötz.

„Wir wollen damit zeigen, dass die Gegend hier nicht eingeschlafen ist“, sagt Kröger. Ende Oktober hatte die Bürgerinitiative, deren Sprecher der 62-Jährige ist, bei der Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises in Berlin einen Sonderpreis erhalten.

Seit mehr als zehn Jahren kämpft das Bündnis „Rettet das Landleben im Tollensetal“ gegen die Ferkelfabrik von Investor Adrian Straathof – bis zur Klage vor dem Verwaltungsgericht. Im Dezember soll es in Greifswald zur Verhandlung kommen. „Dafür können wir die 1000 Euro Preisgeld gut gebrauchen“, sagt Kröger. 2012 hatte Straathof in Alt Tellin die damals größte Schweinezuchtanlage Europas in Betrieb genommen.

Das neue Protestkreuz soll dort stehen, wo die Bürgerinitiative im September 2015 schon einmal eine ähnlich auffällige Landmarke gesetzt hatte. Das erste Metallkreuz wurde allerdings vier Wochen später gestohlen. Kröger: „Aufgeklärt wurde der Diebstahl nicht.“ Provisorisch gab es zwischenzeitlich ein einfaches, kleineres Holzkreuz.

Jetzt hat die Bürgerinitiative mit Spendengeldern ein neues , besser gesichertes Metallkreuz anfertigen lassen, von Schmiedemeister Hans Krabbe aus Alt Tellin. „Der sympathisiert mit uns“, sagt Kröger. Und verrät, dass Meister Krabbe seine Arbeitsleistung nicht in Rechnung stellte.

„Stimmt“, bestätigt der Unternehmer. „Ich bin ja auch gegen die Anlage. Dort geht es doch nur um Billigproduktion auf Kosten der Tiere.“ Krabbe stammt aus einer bäuerlichen Familie, wie er erzählt.

„Tiere wurden bei uns mit Ehrfurcht behandelt.“ Besonders kritisch sieht der 56-Jährige die Kastenstände für die Sauen. „Die sind so eng – das ist eine Vergewaltigung, gegen die sich die Tiere nicht wehren können. In unserer zivilisierten Welt darf so etwas nicht zugelassen werden“, meint der Schmied. Mit Genehmigung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft darf Straathof dort 10500 Sauen und 36000 Ferkel halten. Jede Sau wirft mehrmals im Jahr Junge, so dass pro Jahr rund eine Viertelmillion Ferkel geboren werden.

Der Holländer hatte schon in der Bauphase immer wieder gegen Vorschriften und Auflagen verstoßen. Mehrfach verhängten die Behörden Bußgelder gegen das Schweine-Imperium. An anderen Straathof-Standorten gab es ebenfalls massive Beanstandungen. Ein Gericht in Sachsen-Anhalt verbot dem Investor schließlich die Schweinehaltung. Der setzte daraufhin einen Treuhänder und mehrere andere Geschäftsführer ein, darunter einen seiner Söhne. Jörg Kröger meint dazu: „In Alt Tellin haben sich die Zustände für die Tiere dadurch nicht verbessert.“

Verhindern konnte die Bürgerinitiative diesen „Skandalbetrieb“, wie Kröger ihn bezeichnet, nicht. Abfinden will sie sich damit aber nicht. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte sie deshalb Klage eingereicht – ein langwieriger Weg.

Verklagt wird aber nicht die Straathof-Gruppe, sondern das Staatliche Amt für Landwirtschaft als Genehmigungsbehörde. „Wir wollen erreichen, dass das Gericht die Genehmigung kassiert“, erklärt Jörg Kröger. „Wir gehen davon aus, dass die Anlage nicht genehmigungsfähig war.“ Aus Sicht der Kläger verstoßen die Haltungsbedingungen gegen das Tierschutzrecht. So sei bei einem Brand die Rettung der Schweine nicht vorgesehen. Auch von der Biogas-Anlage gehen nach Ansicht eines Gutachters gravierende Gefahren aus.

Die Landesvorsitzende des Tierschutzbundes, Kerstin Lenz, spricht ebenfalls von Verstößen gegen den Tierschutz in Alt Tellin. „Schweine sind bewegungsfreudige Tiere. Sie in Kastenständen einzupferchen ist Tierquälerei.“ Die Mutter-Sauen könnten keinen Kontakt zu ihren Jungen aufbauen. „Auf den Spalten-Fußböden im Stall, ohne Stroh und Auslauf können die Tiere ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben“, meint die Tierschützerin, die bei Demmin ein Tierheim leitet. „Solche Haltungsbedingungen dürfen wir einfach nicht dulden.“ Kerstin Lenz will deshalb dabei sein, wenn morgen in Alt Tellin das neue Protestkreuz eingeweiht wird.

Gericht bestätigt Berufsverbot für Adrian Straathof

Das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt hat das Berufsverbot gegen den niederländischen Schweinezüchter Straathof bestätigt. Der Antrag, die Berufung gegen ein Urteil des Magdeburger Verwaltungsgerichtes zuzulassen, sei abgelehnt worden, teilte das Gericht in dieser Woche in Magdeburg mit. Das Verwaltungsgericht habe sich maßgeblich auf die Feststellungen des Amtstierarztes sowie weiterer Bediensteter des Landkreises zu den Haltungsbedingungen der Schweine gestützt. Zudem seien Erkenntnisse aus Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur tierschutzwidrigen Schweinehaltung in zu engen Kastenständen sowie zu weiteren erheblichen Verstößen gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen herangezogen worden. Straathof sei Ende 2014 das Halten von Schweinen zu Recht untersagt worden, hieß es.

Elke Ehlers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greisfwald
Graffitiworkshop im Jugendzentrum Klex: Künstler Steffen Wegner (l.) zeigt Eileen Petra, Aija, Sahra und Maja Sophie, wie man sprayt.

Landkreis fordert eine Fusion mit dem Kreisjugendring / Ab 2018 kein Geld mehr vom Kreis?

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus MV aktuell
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.