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MV aktuell Entscheidung zu freilaufenden Hunden verunsichert Halter in MV
Nachrichten MV aktuell Entscheidung zu freilaufenden Hunden verunsichert Halter in MV
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18:50 02.11.2018
Hundehalter stehen in der Pflicht, meint Hundetrainerin Marina Krieg aus Rostock, hier mit ihrer Hündin Dama am Strand. Quelle: Privat
Rostock

Ein neues Gerichtsurteil verunsichert Hundebesitzer in Mecklenburg-Vorpommern. Demnach dürfen Fußgänger freilaufende Hunde abwehren, auch wenn sie nicht angegriffen werden. Und das notfalls sogar mit Gewalt. Geklagt hatte ein Jogger aus Rheinland-Pfalz, der im Wald mit seinem angeleinten Hund unterwegs war. Als sich ein nicht angeleinter Hund eines Paares näherte, forderte er dieses auf, ihren Hund zurückzurufen. Das blieb ohne Erfolg. Der Jogger versuchte daraufhin, den Hund mit einem Ast zu vertreiben, stolperte und riss sich eine Sehne im Knie. Ein Gericht in Mainz verurteilte den Besitzer des freilaufenden Hundes zu Schadensersatz, obwohl er aussagte, sein Tier sei nicht aggressiv gewesen und habe nur mit der Hündin des Joggers spielen wollen.

Das Oberlandesgericht Koblenz bestätigt das Urteil jetzt. Der Entschluss habe Bedeutung auch für andere Bundesländer, sagte eine Gerichtssprecherin. „Ich hoffe nicht, dass sich das zu einer Art Freifahrtschein entwickelt, um grundlos gegen Hunde vorzugehen“, sagt Marina Krieg, Hundetrainerin aus Rostock. Jede Aktion müsse verhältnismäßig bleiben. Aber auch die Expertin sieht vor allem die Halter in der Pflicht. Wer seinen vierbeinigen Begleiter ausführt, dürfe nicht erwarten, dass alle Fußgänger dessen Verhalten stets richtig deuten. Zum Beispiel, ob der Hund, der da gerade angelaufen kommt, bloß spielen will oder beißen.

Viel Unwissen bei den Haltern

Ein Hund sollte zuverlässig auf einen Rückruf reagieren, erklärt Marina Krieg. Das müsse immer wieder geübt werden. Leider machten das viele Halter zu selten oder auf die falsche Weise. „Es gibt viel Unwissen“, sagt die Expertin. Heikle Szenen ließen sich immer wieder beobachten, in Parks und in Fußgängerzonen. Heimhart von Bültzingslöwen, stellvertretender Vorsitzender des Hundesportvereins Greifswald, geht noch einen Schritt weiter. Er fordert den verbindlichen Hundeführerschein: „Im Prinzip müsste es eine Prüfung für alle geben, die sich einen Hund zulegen wollen.“ Viele schafften sich ein Haustier an, ohne sich über die damit verbundenen Pflichten im Klaren zu sein. „Wenn ich höre wie jemand sagt, ,ich hole mir einen Hund’, wird mir schlecht“, sagt von Bültzingslöwen.

Experte fordert den Hundeführerschein

Das Koblenzer Urteil findet der Fachmann aus Greifswald „völlig in Ordnung“. Die Koblenzer Richter beriefen sich auf die „örtliche Gefahrenabwehrverordnung“. Die ist in jedem Bundesland ähnlich geregelt. „Es ist verboten, Hunde außerhalb des befriedeten Besitztums ohne Aufsicht frei laufen zu lassen“, heißt es in der entsprechenden Verordnung von MV. Bei öffentlichen Veranstaltungen, in Bus und Bahn sowie in Geschäften gilt ohne Ausnahme die Leinenpflicht. Darüber hinaus können Städte und Gemeinden das Anleinen in bestimmten Gebieten vorschreiben – beispielsweise in Grünanlagen und Einkaufsstraßen. „Viele Leute halten sich da einfach nicht dran“, kritisiert von Bültzingslöwen. Die Ordnungsämter sollten das stärker kontrollieren und öfter Bußgelder verhängen.

Flöhe helfen immer

Eine maximal zwei Meter lange Leine ist laut „Hundeverordnung Mecklenburg-Vorpommern“ vorgeschrieben, sobald der Hund mitkommt zu öffentlichen Veranstaltungen, in Geschäfte und in öffentliche Verkehrsmittel. Der Hund muss zudem ständig unter Aufsicht sein. Für Hundearten, die als gefährlich klassifiziert sind, wie beispielsweise mehrere Terrier- und Mastino-Arten, gilt generell der Maulkorb- und Leinenzwang.

Treffen nicht angeleinte Hunde auf angeleinte, gilt das ungeschriebene Gesetz, diese ebenfalls anzuleinen. Weigern sich Halter dennoch beharrlich, ihre Hunde dann zurückzurufen, funktioniert ein Trick meist immer: einfach „mein Hund hat Flöhe“ rufen. Eigentümer von Hunden sollten außerdem unbedingt eine Haftpflichtversicherung für ihren Vierbeiner abschließen, möglichst mit einer Deckungssumme von zehn Millionen Euro.

Mehr lesen:
Gerichtsurteil – Fußgänger dürfen freilaufende Hunde abwehren

Gerald Kleine Wördemann

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